Zürich

Labitzke-Areal ist geräumt - nun beginnt der Abbruch

Das Labitzke-Areal in Zürich Altstetten ist von der Polizei geräumt worden. Bereits sind die ersten Bagger aufgefahren, die nun mit dem Abbruch der ehemaligen Farbenfabrik begonnen haben.

Am Donnerstagmorgen deutete zunächst nichts auf eine Räumung hin. An der Hohlstrasse war es ruhig – einzig auf dem Turm der ehemaligen Farbenfabrik spähte ein vermummter Besetzer in Richtung Innenstadt. Um 7.36 Uhr meldeten sich die Besetzer, die ihre Augen und Ohren bei der Urania-Wache hatten, wieder per SMS. Sie teilten in Anspielung auf Zürichs Polizeivorstand Richard Wolff mit: «Jetzt kommt der Wolf. Die fahren jetzt los.»

Kurz vor 8 Uhr traf das Grossaufgebot vor dem Labitzke-Areal ein. Ein Wasserwerfer, gefolgt von mehreren Kastenwägen. Sofort riegelten die Polizisten in Vollmontur, entweder mit Schild oder mit Gummischrotgewehr im Anschlag, die Hohlstrasse ab.

Bis Mittag verhaftete die Stadtpolizei mehrere Aktivisten. Sechs Sympathisanten führten sie ab, aufgrund ihrer Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration. Sie hatten sich auf der Hohlstrasse hinter dem Polizeiriegel aufgehalten und wollten auch nach mehreren Aufforderungen das Gelände nicht verlassen. Wohl etwa ein Dutzend Personen hat die Polizei auf dem Labitzke-Areal festgenommen. Die meisten liessen sich widerstandslos verhaften – sie machten es der Polizei aber dennoch nicht einfach. Ein junger Mann war auf ein Dach geklettert – dort liess er sich klatschend festnehmen. Und fünf Personen hielten bis zuletzt auf dem hohen Turm aus. Sie mussten mittels Drehleiter der Feuerwehr «geborgen» werden. Kurz nach Mittag war die Räumung soweit abgeschlossen, dass die Bagger die ersten Abbrucharbeiten vornehmen konnten.

Das Labitzke-Areal war seit mehreren Jahren besetzt. Auf dem 10'000 Quadratmeter grossen Areal will die Mobimo AG, die das Gelände 2012 gekauft hatte, acht Wohngebäude erstellen. Eines davon wird über 60 Meter hoch sein. Geplant sind rund 280 Wohnungen, welche von der Mobimo als «mittelpreisig» eingestuft werden. Sie will nun offenbar, wie das Auffahren der Bagger zeigt, rasch vorwärts machen. Die Besetzer wehrten sich einerseits dagegen, dass die ungenutzten Fabrikliegenschaften auf Vorrat abgerissen werden (ein Baugesuch war im Juni eingereicht worden). Andererseits gegen die Stadtentwicklung allgemein: Sie kritisieren, dass lieblose Betonblöcke erstellt, und die Wohnpreise und Mieten in die Höhe steigen würden. Gegen diese Entwicklung wollten sich die Aktivisten weiter wehren.

Für Samstagabend haben die ehemaligen Labitzke-Besetzer bereits eine weitere Demonstration angekündigt.

Das Labitzke-Areal in Zürich wird von der Polizei geräumt.

Das Labitzke-Areal in Zürich wird von der Polizei geräumt.

Im geräumten Labitzke-Areal hinterliessen die Besetzer ein riesiges Chaos, bunte Graffitis und sogar eine Skaterbahn.

Im geräumten Labitzke-Areal hinterliessen die Besetzer ein riesiges Chaos, bunte Graffitis und sogar eine Skaterbahn.

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