Winterthur
Krebserregende Konservierungsmittel: Stadt lässt ausgestopfte Tiere aus Schulen entfernen

Ausgestopfte Tiere sollen aus den Winterthurer Schulhäusern verschwinden. Stadtrat Jürg Altwegg (Grüne) bestätigte am Mittwoch eine Meldung des "Landboten", wonach die Tierpräparate bis Ende Jahr aus den Schulhäusern entfernt werden, weil sie möglicherweise mit dem giftigen Konservierungsmittel Arsen belastet sind.

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Neueste Messwerte zeigten einen zu hohen Arsen-Gehalt bei den ausgestopften Tieren. (Symbolbild)

Neueste Messwerte zeigten einen zu hohen Arsen-Gehalt bei den ausgestopften Tieren. (Symbolbild)

Keystone

Anlass für die Massnahme sind laut Altwegg neuste Messwerte aus dem Schulhaus Büelwiesen. Von 95 dort gelagerten ausgestopften Tieren haben 88 einen Gehalt von über 1000 Milligramm Arsen pro Kilogramm enthalten, wie Messungen des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit ergaben. Dies bedeutet eine Überschreitung des Suva-Grenzwertes.

Besonders ältere Präparate von Felltieren und Vögeln können Arsenverbindungen enthalten. Die Tiere wurden früher mit Arsen behandelt, um sie vor Mottenbefall zu schützen. Eine Gesundheitsgefährdung ist möglich, wenn die Tiere berührt werden oder wenn man mit dem sich in den Vitrinen angesammelten arsenhaltigen Staub in Kontakt kommt.

Nach Ansicht des Kantons Zürich können Tierpräparate weiterhin ohne Gesundheitsgefährdung für den Unterricht verwendet werden, wenn bei der Aufbewahrung und Handhabung einige Punkte beachtet werden, wie Brigitte Mühlemann, stellvertretende Leiterin des kantonalen Volksschulamtes, gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte.

Die Tierpräparate müssen in verschlossenen Vitrinen aufbewahrt werden, heisst es in einem Leitfaden des Kantonalen Labors für Verantwortliche an Volksschulen. Die Tiere sollen nur unter Aufsicht der Lehrperson vorgeführt werden und der Hautkontakt sei zu vermeiden. Falls es trotzdem zu einem Hautkontakt gekommen sei, müssten die Hände sofort gründlich gewaschen werden schreibt der Leitfaden vor.

Winterthur hält Empfehlungen für "nicht ausreichend"

Die Stadt Winterthur geht nun einen Schritt weiter, sie hält die kantonalen Empfehlungen längerfristig für "nicht ausreichend". Anfang Februar wurden die Schulleitungen zunächst über den sicheren Umgang mit arsenhaltigen Tierpräparaten informiert. Am 3. Juli folgte der Entscheid, alle ausgestopften Tiere seien aus den Schulhäusern und Kindergärten zu entfernen, allerdings nicht sofort.

Die Stadt warnt dringend vor übereilten und unkoordinierten "Säuberungsaktionen" in den Schulhäusern. Das unsachgemässe Entsorgen könne nämlich gesundheitsschädlich sein.

Die Tierpräparate sollen laut Altwegg zunächst in Vitrinen stehengelassen werden. Bis Ende Jahr werden sie vom Naturmuseum Winterthur gesichtet. Die aus naturhistorischer Sicht wertvollen und seltenen Exemplare kommen in die Sammlung des Museums und werden dort zentral und sachgerecht aufbewahrt. Die übrigen werden im Auftrag der Stadt Winterthur als Sondermüll entsorgt.

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