KOCHSENDUNG
Versalzene Schoggicrème, blutende Finger und immer wieder Risotto: Juror Erik Haemmerli blickt auf 10 Jahre «SwissDinner» zurück

Gastronom Erik Haemmerli bewertet in der Sendung «SwissDinner» seit zehn Jahren Hobbyköche. Zum Jubiläum muss er sich selbst am Herd beweisen und seinem grossen Idol Jacky Donatz ein Menü auftischen.

Sibylle Egloff
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Gastronom und «SwissDinner»-Juror Erik Haemmerli schwingt in der Jubiläumsausgabe selbst den Kochlöffel.

Gastronom und «SwissDinner»-Juror Erik Haemmerli schwingt in der Jubiläumsausgabe selbst den Kochlöffel.

Gastronom Erik Haemmerli bewertet in der Sendung «SwissDinner» seit zehn Jahren Hobbyköche. Zum Jubiläum muss er sich selbst am Herd beweisen und seinem grossen Idol Jacky Donatz ein Menü auftischen.

«Hallo Erik!» – Wer das Fernsehformat «SwissDinner» schaut, weiss, was auf diesen Satz folgt. Ein Mann mit schwarzer Kochmütze und -jacke erscheint aus dem Nichts und setzt sich zu den Kandidaten an den Esstisch. Gastronom Erik Haemmerli ist das Gesicht der Sendung auf Tele Züri und schaut Hobbyköchen penibel genau auf die Finger. Und das nun schon seit zehn Jahren.

«Ich freue mich über das Jubiläum. Das zeigt, dass wir ein erfolgreiches Produkt haben, das die Zuschauer sehen wollen», sagt Haemmerli. 2010 habe niemand auf dem Schirm gehabt, dass die Kochshow so gut ankommen würde. Der heute 54-Jährige beriet damals den Produzenten bei technischen Fragen. Weil ihm das Format zusagte, bewarb er sich kurzerhand selbst als Juror. «Mein Vorteil war, dass ich bereits Kameraerfahrung hatte, da ich 2007 im Dokumentarfilm ‹Sieben Mulden und eine Leiche› meines Bruders Thomas mitspielte», erzählt Haemmerli.

Zehn Jahre und 100 Staffeln später ist dem Profikoch seine Aufgabe noch lange nicht verleidet. «Ich bin ein sehr neugieriger Mensch und offen für Neues. In jeder Staffel lerne ich Menschen und ihre Geschichten verteilt über die ganze Schweiz kennen», sagt Haemmerli. Der Einblick in das Heim und die Küche von Herr und Frau Schweizer mache den Reiz der Sendung aus, findet er.

Gerichte aus der Sendung landen auf seiner Karte

«‹SwissDinner› ist nicht gescripted, die Leute können sagen, was sie wollen. Daher wirkt es wie eine Realityshow. Einzig die Szenen, in denen ich fluche, werden rausgeschnitten», sagt Haemmerli und fügt an: «Bei uns Köchinnen und Köchen herrscht ein etwas ruppiger Ton in der Küche.» Vielfach kann der Zürcher Gastronom von der Sendung kulinarisch profitieren. «Ich lasse mich von den Hobbyköchen gerne inspirieren. Ich habe einmal einen so sensationellen Kartoffel-Rüebli-Stampf aufgetischt bekommen, dass ich einfach nicht anders konnte und ihn in meinem Restaurant Bederhof auf die Karte nahm.» Dank des Programms weiss ­Haemmerli aber auch, welche Gerichte und Speisen in der Schweizer Bevölkerung besonders beliebt sind. «Ich habe bestimmt schon 1000 Mal Risotto und Rindsfilet essen müssen, ich kann es fast nicht mehr sehen», sagt der Juror und lacht.

«Ich lasse mich von den Hobbyköchen gerne inspirieren. Ich habe einmal einen so sensationellen Kartoffel-Rüebli-Stampf aufgetischt bekommen, dass ich einfach nicht anders konnte und ihn in meinem Restaurant Bederhof auf die Karte nahm.»

Was ihm auffällt, ist, dass Essen immer mehr zu einer Ersatzreligion wird. «Jeder inte­ressiert sich dafür und jeder will kochen können. Ich bin sozusagen das Versuchskaninchen.» In den letzten zehn Jahren hat ­Haemmerli deshalb neben kulinarischen Meisterleistungen auch weniger Schmackhaftes auf dem Teller gehabt. «Die Schoggicrème eines Kandidaten war zum Beispiel scheusslich, weil er den Zucker mit dem Salz verwechselt hatte», erinnert er sich. Auch der Zustand der Junggesellenbude sei einem «SwissDinner»-Abend nicht würdig gewesen. «Der ranzige Geruch, die Sauerei und die Katze mit Durchfall waren eine Zumutung. Ich war lange nicht sicher, ob ich an einem solchen Ort essen kann.»

Er bekam Schlagrahm von der Glatze abgeleckt

Auch sonst erlebte der Profikoch zahlreiche kuriose, aber auch schöne Momente. «Eine Kandidatin spritzte mir ein Schlagrahmherz auf die Glatze und leckte es dann ab. Ich bin sehr tolerant, aber das war mir dann schon etwas zu viel», sagt ­Haemmerli. In Erinnerung bleibt ihm auch eine Kandidatin, die in der Sendung nach 20 Jahren zum ersten Mal wieder Alkohol getrunken hatte und danach völlig überdreht gewesen sei. Einmal musste er sogar selbst in der Küche Hand anlegen. «Die Köchin hat sich so fest in den Finger geschnitten, dass ich für sie weitergekocht habe», erzählt Haemmerli. Er habe jedoch nur ihre Anweisungen befolgt.

Jubiläumsstaffel mit Profiköchen: Juror Erik Haemmerli tritt gegen die Profiköche Nadja Bühler und Christoph Hartmann an. Bewertet werden sie von Sternekoch Jacky Donatz (zweiter von links).

Jubiläumsstaffel mit Profiköchen: Juror Erik Haemmerli tritt gegen die Profiköche Nadja Bühler und Christoph Hartmann an. Bewertet werden sie von Sternekoch Jacky Donatz (zweiter von links).

Screenshot: CH Media Swiss Dinner

Für die vierteilige Spezialausgabe zum 10-Jahr-Jubiläum, die am Samstag startet, schwingt der «SwissDinner»-­Juror nun selbst den Kochlöffel. Haemmerli duelliert sich mit den Profiköchen Nadja Bühler und Christoph Hartmann. Bewertet werden sie vom Bündner Sternekoch Jacky Donatz, der als Gastgeber im Restaurant Sonnenberg in Zürich bereits Prominente wie Roger Federer, Cristiano Ronaldo, Rihanna oder Jon Bon Jovi bekochte. Den renommierten Kollegen zu bewirten, war für Haemmerli eine Herausforderung. «Ich war unglaublich nervös. Jacky Donatz ist einer der grössten Köche unseres Landes. Als ich mit Kochen angefangen habe, war er all das, was ich einmal werden wollte.»

Dementsprechend sei vieles in die Hose gegangen. «Ich habe den Fehler gemacht, dass ich die Gerichte vorher nicht ausprobiert habe, weil ich dachte, dass ich sie ohne Problem beherrsche», sagt Haemmerli. Dort, wo die eigene Stärke liege, befinde sich auch die grösste Schwäche, nämlich Arroganz. «Kochen ist Demut. Das nehme ich aus ­dieser 101. Staffel mit», sagt ­Haemmerli. Er freut sich auf die kommenden Sendungen. «Wenn ich wieder als Juror an den Esstisch der Kandidaten sitzen und probieren darf.»

SwissDinner

Die 101. Staffel startet am Samstag, 23. Januar, um
18.20 Uhr auf Tele Züri mit Erik Haemmerli am Herd.