Wegen Lärm

Klagefreudige Nachbarn vermiesen die Geschäfte in Zürich-Wollishofen

Das beschauliche Plätzchen bei der Roten Fabrik lädt zum Verweilen ein - doch nicht wenn es nach den Nachbarn geht.

Das beschauliche Plätzchen bei der Roten Fabrik lädt zum Verweilen ein - doch nicht wenn es nach den Nachbarn geht.

In Zürich-Wollishofen sind Anwohner und Gastronomiebetriebe schon jahrelang in verschiedene Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Neuestes Problem der Kläger: Die Renovation der Roten Fabrik widerspreche dem Denkmalschutz.

Besonders im Sommer ist die Gartenbeiz «Ziegel oh lac» der Roten Fabrik ein beliebter Treffpunkt, um an lauen Abenden zu verweilen oder ein kühles Erfrischungsgetränk in der Hitze zu geniessen. Doch die Idylle trügt: Seit Jahren sind die Betreiber der Roten Fabrik im Clinch mit Anwohnern aus der Umgebung.

Erst klagten die lärmgeplagten Opfer aus der Nachbarschaft wegen neu installierten Sonnenschirmen, die die Fläche der Gartenbeiz vergrössere. Nachdem das Verwaltungsgericht die über 30 Jahre alten Bewilligungspläne geprüft hatte, wurde die Klage zurückgewiesen. Allerdings musste die Beiz 70 Aussensitzplätze streichen, da nur ein Maximum von 96 Plätzen erlaubt ist. Wie die Stadt damals auf Anfrage mitteilte, habe die Partei, die Lärmklage eingereicht hatte, schon öfter reklamiert.

Diese Kläger bewohnen gemäss «Tagesanzeiger» vier Villen in der Nachbarschaft. Einer von ihnen ist Anwalt, welcher die Prozesse führt. Auch die neu geplante Renovation von Räumen, die ein Brand vor fünf Jahren beschädigt hatte, scheint die Nachbarn zum Klagen zu bewegen. Die von der Stadt (die Besitzerin der Roten Fabrik) geplante neue Fassade verändere das kantonal gechützte Industriedenkmal zu stark, finden sie. Die Stadt widerspricht diesem Vorwurf, denn der Orginialzustand würde gerade durch den geplanten Umbau wieder hergestellt werden. Das Verfahren dazu läuft noch.

«Es scheint, als handelten sie aus reinem Eigeninteresse. Sie behindern die Rote Fabrik, wo es nur geht; für uns sind sie ein Planungsrisiko», sagt Katharina Prelicz-Huber, grüne Gemeinderätin und Vorstandsmitglied der IG Rote Fabrik, gemäss «Tagesanzeiger». 

Auch Badi leidet unter Nachbarn

Auch die Badi Wollishofen wurde schon zur Zielscheibe des Anwalts. Genauer: Das Beachvolleyballfeld der Badi musste sich seinem Ärger beugen. Der Aufprall der Bälle an Wände und Arme mache zu viel Lärm, klagte er damals. Selbst lärmdämpfende Wandbeläge und ruhige Ballarten wurden im Anschluss von Richtern geprüft, um die lärmgeplagten Anwohner zu besänftigen. 

Schlussendlich erhielt der Nachbar vom Bundesgericht recht. Auf dem Feld musste ein Sandboden gebaut werden. Auch durften die Spieler nur noch weiche Bälle verwenden, da diese weniger laut auf den Armen klatschen.

Warum die Anwohner die Geschäfte der Betriebe so behindern? Die Stadt Zürich dehne das Gesetz immer wieder aus. Ausserdem fördere sie «Übernutzung», die sie ja selber in ihrem Leitbild für das Seebecken bemängle.

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