Kantonsrat
Vom Üetliberg bis zum Hönggerberg und weiter: Kantonsrat unterstützt U-Bahn-Idee

Die Sihltal-Zürich-Üetliberg-Bahn soll als U-Bahn bis zur ETH-Hönggerberg und allenfalls nach Regensdorf verlängert werden. Diese Idee will der Kantonsrat nun genauer prüfen lassen.

Matthias Scharrer
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Sihltal-Zürich-Üetliberg-Bahn: Noch enden die Fahrten im Hauptbahnhof.

Sihltal-Zürich-Üetliberg-Bahn: Noch enden die Fahrten im Hauptbahnhof.

Bild: Matthias Scharrer

Für die Sihltal-Zürich-Üetliberg-Bahn (SZU) ist heute im Untergrund des Hauptbahnhofs Zürich Endstation. Nun soll eine Einzelinitiative des pensionierten Verkehrsplaners Paul Stopper einer alten Vision Schub geben: Es geht um den Traum von einer Zürcher U-Bahn.

Im 180-köpfigen Kantonsrat hat er vorerst breiten politischen Rückhalt. 94 Vertreterinnen und Vertreter von SVP, FDP, GLP und AL sprachen sich am Montag für Stoppers Initiative aus. Sie fordert die Regierung auf, einen Kredit zu beantragen, um das Projekt weiterzuverfolgen.

Es sieht vor, die SZU vom Hauptbahnhof aus unter der Limmat hindurch zum Zürcher Hochschulquartier und weiter zur ETH Hönggerberg sowie zur Uni Irchel zu verlängern, mit Erweiterungsmöglichkeit bis nach Regensdorf. All diese Standorte wüchsen stark und seien mit öffentlichen Verkehrsmitteln ungenügend erschlossen, erklärte Stopper. «Die SZU könnte zu einer neuen Durchmesserlinie verlängert werden», so der Verkehrsplaner aus Uster. Die Kosten veranschlagte er auf mehrere hundert Millionen Franken.

Vorarbeiten gab es schon in den 1960er-Jahren

Die Idee knüpft an Zürichs U-Bahn-Pläne aus den 1960er-Jahren an: Damals wurden beim Bau des Shop-Ville unter dem Bahnhofplatz Vorarbeiten für eine U-Bahn-Station geleistet. Doch 1973 lehnte das Stimmvolk die Pläne für eine Zürcher U-Bahn ab. Die vorbereitete U-Bahn-Station blieb ungenutzt.

Das änderte sich 1990: Mit dem Start der S-Bahn und der Verlängerung der SZU vom Bahnhof Zürich Selnau zum Hauptbahnhof entstand die neue unterirdische SZU-Endstation. Zu ihr gehört ein Tunnelstummel in Richtung Limmat, der heute für Abstellgleise dient.

SP fürchtet um andere Projekte des öffentlichen Verkehrs

Obschon der Hauptbahnhofsuntergrund inzwischen mit dem Bahnhof Löwenstrasse und dem Weinbergtunnel verdichtet genutzt wird, sei noch Platz für eine weitere Bahnlinie, so Stopper. Die SP widersprach: «Die Platzverhältnisse unter der Limmat sind eng», sagte Felix Hoesch (SP, Zürich). «Eine weitere Belastung ist eine zu viel.» Zudem könnten dadurch andere Projekte wie der Bau der Tramlinie nach Zürich Affoltern verzögert werden. Und überhaupt: Der öffentliche Verkehr solle oberirdisch stattfinden.

Auch die SVP zeigte sich skeptisch, da die Mittel knapp seien und eigentlich der Bund für Bahnprojekte zuständig wäre. «Aber träumen darf man ja», sagte Christian Lucek (SVP, Dänikon). Zumindest vorläufig unterstützt die SVP nun die SZU-Verlängerung.

Marc Bourgeois (FDP, Zürich) doppelte nach:

«Seien wir endlich wieder einmal Macher. Wo Lücken bestehen, sollen diese geschlossen werden.»

Genau dies könne die SZU-Verlängerung bewirken – platzsparend und ohne Lärm.

Die Grünliberalen befürworten die Idee ebenfalls. Schon vor einem Jahr hatte der Kantonsrat ein GLP-Postulat gutgeheissen, das vom Regierungsrat einen Bericht zu einer möglichen SZU-Verlängerung verlangt. Mit dem nun zusätzlich geforderten Projektierungskredit liessen sich die offenen Fragen besser klären, sagte Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon).

Für den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) stehen derzeit allerdings andere Grossprojekte im Vordergrund: Bis 2035 sollen mit dem Bau des Brüttenertunnels und dem Ausbau des Bahnhofs Stadelhofen zwei Engpässe im S-Bahn-Netz behoben werden; noch vorher sind das Tram Zürich Affoltern sowie der Ausbau der Glattalbahn in Planung. Und für die SZU peilt der ZVV mit Doppelspur-Ausbauten im Raum Zürich-Süd den 7,5-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten an.