Vom Beginn der Legislatur 2015 bis 2019 haben bis Ende des letzten Jahres 193 Kantonsratssitzungen stattgefunden. Wenn die Legislatur am 29. April endet, werden die Parlamentarierinnen und Parlamentarier auf 212 Sitzungen zurückschauen. Rechnet man mit einer durchschnittlichen Sitzungsdauer von 3,5 bis 4 Stunden, hat ein Ratsmitglied in den vergangenen vier Jahren rund 19 Arbeitswochen für die Teilnahme an den Sitzungen eingesetzt.

Dazu kommen rund 1300 Termine der zwölf Sach- und Aufsichtskommissionen und zahlreiche Fraktionssitzungen. Für ihren Arbeitsaufwand, der einem Pensum von rund 25 bis 30 Prozent entspricht, werden die Kantonsrätinnen und Kantonsräte im Schnitt mit rund 23 000 Franken entschädigt.

Jeweils 200 Franken gibt es für die Präsenz an einer Kantonsratssitzung. Die Parlamentsdienste haben die Präsenzliste für die zu Ende gehende Legislatur ausgewertet. Die Ratsmitglieder haben ihre Pflicht ernst genommen. Im Durchschnitt nahmen sie an 95 Prozent der Sitzungen teil.

Über die ganze Legislatur gesehen hat keiner der Politiker jede einzelne Sitzung besucht. 9 der 180 Ratsmitglieder haben aber lediglich eine Sitzung versäumt. Es sind dies: Hans-Jakob Boesch (FDP, Zürich), Jonas Erni (SP, Wädenswil), Daniel Heierli (Grüne, Zürich), Felix Hoesch (SP, Zürich), Beat Huber (SVP, Buchs), Barbara Schaffner (GLP, Otelfingen), Roland Scheck (SVP, Zürich), Daniel Schwab (FDP, Zürich) und Kathy Steiner (Grüne, Zürich). Alle neun wollen sich am 24. März erneut wählen lassen.

Zwar gibt es einige wenige Parlamentarier, die auf eine Anwesenheit von 100 Prozent kommen. Sie sind aber allesamt entweder im Laufe der Legislatur aus dem Rat ausgetreten oder aber erst während der Legislatur in den Rat hineingerutscht. In dieser harten Auswertung haben sie deshalb nichts verloren.

Gesundheit spielte nicht mit

Zwei Kantonsräte haben ein Viertel aller Sitzungen verpasst. Mit Faulheit, wie man bei oberflächlicher Betrachtung vermuten könnte, hat dies jedoch nichts zu tun. BDP-Politiker Rico Brazerol (Horgen) hat die Gesundheit in den letzten Jahren übel mitgespielt. 2015 sei sein Gleichgewichtssystem zusammengebrochen, sagt Brazerol auf Anfrage. «Da war ich neun Monate weg vom Fenster.» Zwischendurch habe er zwar die eine oder andere Sitzung besucht, häufig war ihm das aufgrund des Schwindels nicht möglich. Kaum ging es ihm etwas besser, sei ein Tumor in seinem Gesicht implodiert. Da war ein operativer Eingriff nötig.

Und schliesslich musste er sich ein künstliches Hüftgelenk implantieren lassen. «Im Vergleich mit dem Gleichgewichtssystem und dem Tumor war das geradezu easy», sagt Brazerol rückblickend. Der passionierte Sportler scheint hart im Nehmen. Der Unternehmer und Publizist tritt bei den Wahlen vom 24. März erneut für die BDP an.

Eine Sitzung mehr als Brazerol hat in der ablaufenden Legislatur Hansueli Züllig (SVP, Zürich) besucht. Auf Anfrage gibt auch der pensionierte Bankdirektor gesundheitliche Probleme als Grund für die häufigen Absenzen an. 2015 musste er aufgrund eines Unfalls länger ins Spital und anschliessend eine Rehabilitation absolvieren. Der 65-jährige Züllig hat 20 Jahre im Kantonsrat und dazu gut 7 Jahre im Zürcher Gemeinderat auf dem Buckel. Er verzichte auf eine weitere Amtsdauer und sagt auf Anfrage: «Zwanzig Jahre sind genug.»