Sprayer von Zürich
Harald Naegeli muss in Düsseldorf vor Gericht

Harald Naegeli, der «Sprayer von Zürich», muss am Dienstag vor Gericht. Der Mann, der Graffiti zur Kunstform erhob, soll in Düsseldorf mit der Spraydose unterwegs gewesen sein.

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Harald Naegeli muss in Düsseldorf vor Gericht
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Harald Naegelis «Totentanz» im Zürcher Grossmünsterturm
Der gebürtige Zürcher lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Harald Naegeli muss in Düsseldorf vor Gericht

Keystone/WALTER BIERI

Weil der Künstler unter anderem die Nordrhein-westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste mit zwei Flamingo-Figuren verziert haben soll, ist er wegen Sachbeschädigung angeklagt.

Den Prozesstermin am Düsseldorfer Amtsgericht, auf den Naegeli selbst hingewiesen hatte, bestätigte eine Gerichtssprecherin am Montag. Ursprünglich sollte die Verhandlung bereits vor über einem Jahr stattfinden. Doch Naegeli war nicht erschienen, wohl, weil er in der Schweiz in einem Spital lag. Zwischenzeitlich ging es ihm gesundheitlich äusserst schlecht, wie er selbst berichtete.

Naegeli spricht von «Rechtsbeugung»

Naegeli, der wegen seiner Sprayerei - trotz breiter Proteste von Künstlern und Politikern - schon 1984 in der Schweiz ein halbes Jahr im Gefängnis sass, soll in Düsseldorf «rückfällig» geworden sein. Ausgerechnet zwei Flamingos an der Fassade der NRW-Akademie könnten ihm nun zum Verhängnis werden.

«Ich verstehe es nicht», sagt sein Verteidiger Gerhard Schaller am Montag auf Anfrage. Gerade von dieser Institution hätte er mehr Verständnis gegenüber der Kunst erwartet. Stattdessen habe die Akademie sogar das Angebot einer aussergerichtlichen Schadensregulierung ablehnt.

Naegeli selbst hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und von Rechtsbeugung gesprochen. Er hätte sich den Prozess ersparen können, wenn er einen Strafbefehl in Höhe von 600 Euro akzeptiert hätte. Doch klein beizugeben war noch nie seine Sache: «Herr Naegeli ist der Auffassung, dass das, was er tut, nicht strafbar ist - wenn er es denn war», sagt sein Anwalt.

Beschädigung oder Aufwertung?

Nicht alle empfinden Naegelis Arbeit in Düsseldorf als Sachbeschädigung. Die Stadt selbst toleriert seine Werke an Brückenpfeilern und Betonfassaden. Ein Tankstellenpächter zeigte sich ebenfalls aufgeschlossen, entfernte einen Naegeli-Flamingo nicht und verzichtete ausdrücklich auf Strafverfolgung.

Dasselbe gilt für einen Düsseldorfer Buchhändler, an dessen Fassade ein «echter Naegeli» prangt. «Man kann es ja auch als Sachaufwertung sehen und nicht als Sachbeschädigung. Wir sind stolz darauf», sagte er. Naegeli lebt überwiegend in Düsseldorf. 2016 ehrte ihn die Landeshauptstadt mit einer umfassenden Ausstellung im Stadtmuseum mit dem mehrdeutigen Titel: «Der Prozess».