Bezirksgericht Zürich
Ex-SRF-Moderator von früherem Fachoffizier der Kriegsverbrechen im Kosovo bezichtigt

Heute wird vor dem Bezirksgericht Zürich ein kurioser Fall behandelt. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Nötigung gegen einen ehemaligen Fachoffizier der Swisscoy. Er soll Ex-TV-Legende Stefan Tabacznik in einer E-Mail der Kriegsverbrechen im Kosovo beschuldigt und gedroht haben.

Rafaela Roth
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Stefan Tabacznik

Stefan Tabacznik

Matthias Scharrer

Es ist eine verfluchte Geschichte. Und vielleicht wäre sie ganz anders gekommen, wenn der damalige Bundespräsident Ueli Maurer im September vor drei Jahren diesen verflixten SRF-Kameramann nicht "Aff" genannt hätte.

Dann hätte Stefan Tabacznik (67) nicht kurz darauf dem «Blick» erzählt, dass der Herr Maurer schon mal einen Kameramann "Schafseckel" genannt habe, damals im Kosovo im Jahr 2000. Der heute vor Bezirksgericht beschuldigte Kälin*(62) hätte dann nicht das Konterfei des ehemaligen «Freundes im Schlachtfeld» auf dem Titelblatt des Boulevardblattes erblicken können. Und vielleicht hätte Kälin, seines Zeichens ehemaliger Fachoffizier der Swisscoy im Kosovo damals im Jahr 2000, dann nicht just an diesem Tag in die Tasten gegriffen und dem Herrn Tabaznik seinen Ruhestand gänzlich versalzen.

Stefan Tabacznik

Stefan Tabacznik

Matthias Scharrer

Erst sieben Monate Pensionärs-Frieden waren der alten «Tageschau»-Legende Tabaznik vergönnt, als ihm Swisscoy-Kamerad Kälin in einer Mail riet, sich doch von nun an doch lieber «vollständig RUHIG» zu verhalten und lieber «als alter Mann mit Vergangenheit seinen roten Arbeitsfrieden auf Staatskosten» zu geniessen. Alles würde ansonsten nämlich vom Herrn Kälin unverzüglich ans Lichte der Öffentlichkeit gezogen werden, «für eine vollständige öffentliche Demontage in allen Medien in diesem Bundesbern», soll der Kälin geschrieben haben. Jeder würde dann wissen, was der Fernseh-Tabacznik auf seinem Einsatz als Presse- und Informationsoffizier damals im Kosovo im Jahr 2000 wirklich getrieben habe.

Von «rücksichtslosem Drogen- und Bluthandel», schrieb der Herr Kälin dem Herrn Tabacznik, dem er damals im Kosovo im Jahr 2000 noch das Leben gerettet haben will («Russenmafia Botschaft Pristina, DU erinnerst dich», setzt der Kälin ein Seitenhieb). Damit nicht genug wirft er dem Kameraden von Camp Casablanca des weiteren geheime Politikertreffen auf Staatskosten, Waffenhandel, Beihilfe zum Kinderhandel und schändliche Treffen mit dem Klerus vor, wie die Anklageschrift festhält.

Nach dieser üblen Nachrede sistierte Herr Tabacznik den Bau seiner Website, mit der er sich nach seiner Fernseh-Karriere als Berater positionieren wollte, umgehend.

Er habe hie und da vielleicht mal eingreifen müssen, damals in seinem knapp neunmonatigen Einsatz als Presseoffizier im kriegsgeschüttelten Kosovo, bei Vorfällen von häuslicher Gewalt etwa. Hätte der Herr Kälin öffentlich solche Vorwürfe gegen ihn erhoben, hätte das damals betroffenen serbischen oder kosovarischen Parteien in den falschen Hals kommen und zu Blutrache oder Anschläge gegen ihn, den Tabacznik, führen können. Davor habe er sich gefürchtet, sagt er heute.

Jetzt soll aber Schluss sein mit der Angst, der Medienmann will endlich seine Pension geniessen. Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat fordert eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 150 Franken für Ex-Fachoffizier Kälin mit seinem bösen Mail und eine Busse von 500 Franken.

Mit seinem Urteilsspruch wird jetzt ein Richter entscheiden, wer in dieser Geschichte wirklich der "Aff" war. Vielleicht können die Schlachtfeld-Kameraden dann endlich Frieden schliessen mit den Geschehnissen, damals im Kosovo im Jahr 2000.

Vor dem Bezirksgericht Zürich kam es gestern zu keinem Urteil. Die Verteidigung des Beschuldigten bezichtigte die Staatsanwältin der Befangenheit. Das Bezirksgericht lässt dies nun vom Obergericht abklären. Bis es zu einem Urteil komme, könne es somit noch ein Jahr oder länger dauern, je nachdem, ob sich auch noch das Bundesgericht mit der Frage der Befangenheit zu befassen habe, sagte die Bezirksrichterin.

* Name geändert

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