Das Zürcher Obergericht hat den knapp 42-jährigen Albaner am Mittwoch wegen Mordes verurteilt. Er dürfte erst in hohem Alter wieder auf freien Fuss kommen – wenn überhaupt. Auslöser für die Tat waren 30'000 Euro Schulden aus Drogengeschäften, die der ehemalige gute Freund dem Täter nicht zurückzahlen konnte. Im Januar 2009 lockte der Verurteilte sein Opfer dann in die Falle. In einem Waldstück bei Bonstetten schoss er ihm im Auto sitzend in den Kopf.

Der Richter sprach von extremer Gefühlskälte. «Es war eine regelrechte Hinrichtung». Das sehe man auch daran, dass der Beschuldigte vorher extra das Seitenfenster seines Autos hinuntergelassen habe – um die Scheibe bei einem allfälligen Durchschuss vor Schäden zu schützen.

Die damalige Freundin des Täters musste alles vom Rücksitz aus mitverfolgen. Der Verurteilte nahm sie extra mit, damit sich das Opfer in Sicherheit wiegte. Eine Spaziergängerin entdeckte schliesslich die Leiche des Mannes. Der Körper lag unterhalb eines steilen Abhangs in einem Bach, teilweise gefroren.

Todeszeitpunkt neu festgestellt

Der eigentliche Prozess wurde bereits im Dezember 2017 geführt. Das Gericht unterbrach die Verhandlung jedoch, um den Todeszeitpunkt des stark gekühlten Opfers neu untersuchen zu lassen. Ein Rechtsmediziner korrigierte den Todeszeitpunkt am Mittwoch denn auch auf 12 bis 30 Stunden vor der Leichenschau – statt 12 bis 20 Stunden wie in der ersten Untersuchung.

Für den Anwalt der Beweis dafür, dass es an der Anklage grosse Zweifel gebe. Sein Mandant sei freizusprechen. Für das Gericht änderte dieses Ergänzungsgutachten allerdings wenig. Auch dies sei lediglich eine grobe Schätzung und kein Beweis, dass der Beschuldigte unschuldig sei.

Die Handydaten des Täters – er war am Tag der Tat in Bonstetten eingewählt – sowie die Aussagen der Freundin seien Beweis genug. Im Schuldspruch folgte das Obergericht deshalb dem Staatsanwalt und verurteilte den Albaner wegen Mordes. Damit bestätigte das Gericht das erstinstanzliche Urteil aus Affoltern am Albis aus dem Jahr 2016.

Keine Verwahrung

Bei der Strafzumessung hatte das Obergericht jedoch eine andere Meinung als das Bezirksgericht Affoltern und als der Staatsanwalt. Dieser hatte eine Verwahrung gefordert, weil der Mann weiter töten werde. Während das Bezirksgericht Affoltern dem Antrag noch folgte und eine Verwahrung aussprach, fand das Obergericht dies unverhältnismässig. Seine Rückfallgefahr sei nur «mittelgradig».

Der Mann wird also nicht verwahrt – auf freien Fuss kommt er aber trotzdem sehr lange nicht. Das liegt daran, dass dies nicht sein erster Mordprozess war. Er wurde bereits in Italien wegen Beteiligung an einem Mord zu 22 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Diese 22 Jahre wird er erst im Jahr 2029 fertig abgesessen haben.

Selten eine gute Prognose

Sobald ein rechtskräftiges Urteil aus der Schweiz vorliegt, wird der Mann deshalb wieder nach Italien überführt. 2029 kommt er dann wieder in die Schweiz, wo er seine lebenslange Freiheitsstrafe antritt. Nach 15 Jahren – also im Jahr 2044 – müssen die Behörden dann erstmals eine bedingte Entlassung prüfen.

Entlassen wird aber nur, wer eine gute Prognose hat – was selten vorkommt. In den meisten Fällen bleiben die Häftlinge weiter hinter Gittern. Gemäss Richter hat der Verurteilte erst «im hohen Alter realistische Chancen, wieder auf freien Fuss zu kommen».

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verurteilte und der Staatsanwalt können es beide noch ans Bundesgericht weiterziehen.