2. Wahlgang

Entscheid gefällt: Die Zürcher Mitteparteien tendieren zu Noser

Bastien Girod, Grüne (links), Hans-Ueli Vogt, SVP (mitte), Ruedi Noser, FDP (rechts)

Bastien Girod, Grüne (links), Hans-Ueli Vogt, SVP (mitte), Ruedi Noser, FDP (rechts)

SVP hält an Hans-Ueli Vogt fest, FDP an Noser und die CVP zieht ihre Ständeratskandidatur zurück.

Die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang der Zürcher Ständeratswahl klärt sich: Der SVP-Vorstand schlug gestern Abend vor, erneut mit Hans-Ueli Vogt anzutreten. Entscheiden wird die SVP-Delegiertenversammlung am 28. Oktober. Doch da die SVP-Delegierten normalerweise ihrem Vorstand folgen, ist so gut wie sicher: Es kommt im Rennen um den zweiten Zürcher Ständeratssitz zum Dreikampf zwischen Ruedi Noser (FDP), Vogt (SVP) und Bastien Girod (Grüne). Daniel Jositsch (SP) wurde überraschend bereits im ersten Wahlgang in den Ständerat gewählt.

CVP zieht Kandidatur zurück

Die CVP-Delegiertenversammlung beschloss gestern Abend, dass Barbara Schmid-Federer im zweiten Wahlgang nicht mehr antritt. Die Kandidatin der CVP im ersten Wahlgang war am vergangenen Sonntag lediglich auf dem sechsten Platz gelandet.

«Die CVP will nicht durch eine weitere Zersplitterung der bürgerlichen Stimmen zum Wahlhelfer für Bastien Girod werden», sagte CVP-Kantonalpräsidentin Nicole Barandun. Zudem habe Schmid-Federer im ersten Wahlgang nicht im erhofften Ausmass die Stimmen der Frauen abgeholt. «Jetzt wäre es Sache der FDP und der SVP, sich auf eine bürgerliche Kandidatur zu einigen», so Barandun weiter.

Doch nach dem jetzigen Stand kommt es nicht zu einer solchen Einigung, trotz zahlreichen Gesprächen hinter den Kulissen. Noser hatte bereits am Wahlabend verkündet, dass er am 22. November nochmals antritt. Er erzielte mit 148 558 Stimmen vor Vogt (123 144) das zweitbeste Resultat. FDP-Kantonalpräsident Beat Walti bekräftigte gestern auf Anfrage: «Ruedi Noser ist der Einzige, der den Sitz für die bürgerliche Seite gewinnen kann.» Der FDP-Kantonalvorstand hält an Nosers Kandidatur fest, wie er nach seiner Sitzung gestern Abend mitteilte. Und auch die SVP-Spitze bekräftigte mit ihrem gestrigen Entscheid ihr Eintreten fürs Antreten der SVP am 22. November.

Daher gewinnt die Frage, ob und für wen die Wählerschaft der Mitteparteien votieren wird, an Bedeutung. Für die CVP kommt dabei nur Ruedi Noser infrage – vor allem, da er sich durch sein Einstehen für die bilateralen Verträge mit der Europäischen Union fundamental vom Kandidaten der SVP unterscheidet.

Die anderen Mitteparteien haben formell noch keine Wahlempfehlungen beschlossen. Doch ihre Präsidenten sprechen sich persönlich für Noser aus: «Zürich ist ein liberaler Kanton. Das sollte im Ständerat abgebildet sein. Und wenn es einen gibt, der in der FDP ökologischen Anliegen Gehör schenkt, dann Noser», sagt Thomas Maier (GLP). Ähnlich klingts bei Johannes Zollinger (EVP): «Zürich ist eigentlich kein rot-grüner Kanton. Jositsch ist schon gewählt. Ich tendiere zu Noser.» BDP-Präsident Marcel Lenggenhager geht davon aus, dass seine Partei wie schon im ersten Wahlgang Noser zur Wahl empfehlen wird.

SP empfiehlt Girod

Damit muss Girod, der im ersten Wahlgang auf 80 737 Stimmen kam, primär auf die Wählerschaft der Grünen, SP, und AL setzen. Die SP wird ihn laut Kantonalparteipräsident Daniel Frei mit einer Wahlempfehlung unterstützen. Dass sie darüber hinaus auch Geld für Girods Wahlkampf locker macht, stehe nicht zur Diskussion und wäre «völlig unüblich», so Frei. «Grundsätzlich ist jede Partei für ihren eigenen Wahlkampf verantwortlich.»

Frei begrüsst, dass mit Girods Kandidatur auch im zweiten Wahlgang die ökologischen Fragen nochmals zur Sprache kommen. Er rechnet damit, dass der Grüne die Stimmen des harten Kerns der SP-Wählerschaft erhält. Von jenen Jositsch-Wählern aus dem ersten Wahlgang, die der politischen Mitte angehören, werde aber eher Noser Stimmen erben. «Favorit ist und bleibt Ruedi Noser», so Frei. Doch alle drei Kandidaten hätten ein Wählerpotenzial von rund einem Drittel aller Stimmen.

Es bleibt also spannend. Entscheidend wird auch sein, wer seine potenzielle Wählerschaft wie stark dazu motivieren kann, am 22. November nochmals wählen zu gehen. Immerhin kommt am gleichen Tag auch eine kantonale Vorlage zur Abstimmung: Es geht um den Bau der Limmattalbahn und ergänzende Massnahmen am Strassennetz.

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