Die Direktionssekretärin einer Schweizer Grossbank liess es ganz sachte angehen. 2003 verwendete sie die Kreditkarte des Geschäfts, um Kleider für ein paar hundert Franken zu kaufen. In den folgenden Jahren setzte sie zu einem regelrechten Steigerungslauf an. Aus den wenigen hundert Franken wurden im Spitzenjahr 2009 dann 321 000 Franken, welche die Frau veruntreut haben soll. Alles in allem kamen bei 862 Bezügen mehr als eine Million Franken zusammen. So gab die Frau etwa 433 000 Franken alleine für Kleider und Schuhe aus. Diese kaufte sie bevorzugt in Edelboutiquen in Zürich und in Basel. Pro Einkauf gab sie häufig mehrere Tausend Franken aus.

Gutem Essen und teuren Hotels war die Chefsekretärin nicht abgeneigt. Im Juli 2008 residierte sie für 11 000 Franken in einem Luxushotel in Ascona. Sie unternahm über die Jahre auch Kurztrips nach Sylt und nach Mallorca. Selbstredend nächtigte sie jeweils standesgemäss. Zwischen 2004 und Oktober 2010 – als sie erwischt wurde – gab sie gut 142 000 Franken für Besuche in Hotels und Restaurants aus.

Geld retour überweisen lassen

Die Frau berücksichtigte auch Juweliere an der Zürcher Bahnhofstrasse, wo sie Schmuck für 140 000 Franken kaufte. Einem Reisebüro erteilte sie Aufträge über knapp 81 000 Franken. In zwei Fällen stornierte sie die Reisen und liess das Geld auf ihr Privatkonto überweisen. 91 000 Franken bezog sie in bar. Auffällig ist, dass sich diese Bezüge ab 2010 häuften. Vom 1. bis zum 10. Juli hob sie allein 8000 Franken ab.

Die Direktionssekretärin legte nicht bloss Wert auf eine ansprechende Garderobe, gutes Essen und schöne Reisen. Für Coiffeurbesuche, sowie den Kauf von Kosmetika und Heilbädern gab sie weitere 24 000 Franken aus. 20 000 Franken flossen an eine private Klinik in Zürich und knapp 30 000 Franken kosteten Markenmöbel.

Die Kreditkarte, welche die Direktionssekretärin verwendete, war allerdings ausschliesslich für geschäftliche Ausgaben gedacht. Monatlich erhielt die Frau eine Abrechnung, die sie zu überprüfen und zu unterzeichnen hatte. Zusammen mit den Belegen musste sie die Abrechnung dann an ihren Vorgesetzten weiterreichen. Dieser prüfte, genehmigte und unterschrieb.

Private Ausgaben hätte die Direktionssekretärin angeben müssen, damit man ihr den entsprechenden Betrag vom Lohn abziehen könnte. Das unterblieb jedoch, wie man der Anklageschrift entnimmt. Der Frau kam entgegen, dass sie sämtliche Kreditkartenabrechnungen von Angestellten ihrer Abteilung zu prüfen und dem Vorgesetzten vorzulegen hatte. Der Vorgesetzte vertraute der Sekretärin und kontrollierte die Abrechnungen nur oberflächlich. Sie wiederum soll dem Vorgesetzten ihre eigene Abrechnung untergejubelt haben. Er meinte, er unterzeichne die Abrechnung eines anderen Angestellten, der häufig auf Reisen war und entsprechend hohe Spesen machte.

Ende Monat muss sich die ehemalige Direktionssekretärin bereits zum zweiten Mal vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Im ersten Verfahren war sie vom Vorwurf der Veruntreuung mangels Beweisen freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft zog den Fall ans Obergericht weiter. In der Folge musste sie die Anklage um den Vorwurf des Betrugs erweitern. Dies setzt Arglist voraus. Die Staatsanwaltschaft fordert eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten. Für die Beschuldigte gilt die Unschuldsvermutung.