Sie bilden das technische Kernstück der 1,3 Kilometer langen Seilbahn über den Zürichsee, welche die ZKB dem Volk zum 150-Jahr-Jubiläum schenken will: Die beiden 77 Meter hohen, im Wasser stehenden Masten in Ufernähe auf beiden Seiten des Sees (Zürichhorn/Mythenquai). Diese beiden Masten im Seegrund fest zu verankern, ist eine grosse Herausforderung für die Bauingenieure.

Aus zwei Gründen: Zum einen müssen die Masten immense Belastungen aushalten. Nicht nur von den 18 Gondeln, sondern auch durch mögliche Orkane wie damals Lothar (1999). Zum andern soll die Verankerung so schonend wie möglich für die Umwelt sein. Das heisst, die Installation soll den Seegrund nur minimal verletzen und die Bauarbeiten sollen wenig Immissionen verursachen. Vor allem diese zweite Vorgabe bereitete den Ingenieuren Kopfzerbrechen. Denn in der Regel rammt man in solchen Fällen einfach riesige Pfosten wie Nägel in den Grund. Das aber macht Lärm und führt zu Erschütterungen, was Anwohner nervt.

Probebohrungen für Zürcher Seilbahnprojekt

Probebohrungen für Zürcher Seilbahnprojekt

Im Jahr 2020 soll zwischen Landiwiese und Zürichhorn eine Seilbahn verkehren. Am Mittwoch wurden Probebohrungen durchgeführt. Die ZüriBahn soll 1,4 Kilometer lang sein und 14 Gondeln für je 35 Personen haben. Damit sollen 2000 Fahrgäste pro Stunde und Weg befördert werden können.

16 Varianten geprüft

Die mit den Planungs- und Bauarbeiten beauftragten Firmen Kibag und EBP prüften laut eigenen Angaben 16 Varianten. Nun glauben sie, die richtige Lösung für die Verankerung gefunden zu haben: Riesenbetonschrauben, entwickelt von der Kibag. Eine solche Schraube aus Stahlbeton ist 55 Zentimeter dick, innen hohl und hat ein 24 Meter langes Gewinde. Durch Stahlrohre verlängert, erreicht das Ding mit dem Namen «Kidrill» (Ki steht für Kibag und drill für drehen) eine Länge von rund 40 Metern.

Medienvertreter durften auf Einladung der ZKB und der Baufirmen gestern zuschauen, wie eine Maschine eine solche Riesenschraube in den Seegrund drehte. Ort des Geschehens war die schwimmende Plattform vor der Landiwiese, ungefähr dort, wo später einer der beiden Masten stehen soll. Die Plattform ist 600 Quadratmeter gross und wiegt 200 Tonnen. Sie ist unter anderem bestückt mit einer 30 Meter hochragenden Pfahlbohrmaschine mit einem Gewicht über 100 Tonnen.

38 Meter tief im Boden

Die vom kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft genehmigte Probebohrung ging erwartungsgemäss problemlos über die Bühne. Das schwere Raupenfahrzeug drehte die Schraube erschütterungsfrei und lärmarm 38 Meter tief in den Seegrund. Sehen konnte man das natürlich nicht, weil das Wasser dort – 50 Meter vom Ufer entfernt – zehn Meter tief ist.

Laut EBP-Ingenieur Thomas Espinosa hat man schon einige Erfahrung mit solchen Schrauben an Land, aber nicht im Wasser. Weitere Tests mit den Schrauben sollen im Dezember auf der anderen Seeseite vor dem Zürich-Horn stattfinden, wo der zweite Mast geplant ist. Vorgesehen seien dort Belastungstests für die Schrauben. Die gestern senkrecht in den Seeboden gedrehte Versuchsschraube hat keine Funktion für die spätere Fixierung eines Mastens. Sie bleibt aber im Seeboden, «weil das Herausnehmen zu viel Schaden anrichten würde», wie Espinosa sagt.

Um einen Masten auf dem Boden zu befestigten, sind laut den Ingenieuren gemäss Planungsstand 60 Schrauben nötig. Das macht 120 Stück für zwei Masten. Derzeit fänden noch Tests mit verschiedenen Windstärken statt. Möglicherweise lasse sich die Zahl noch um 25 Prozent senken, sagt Espinosa. Die Anzahl der verwendeten Schrauben ist deshalb relevant, weil die Ingenieure planen, alle für immer im Seeboden ruhen zu lassen. Wird die Seilbahn wie geplant nach fünf Jahren demontiert, würden die aus dem Seeboden herausragenden Schraubenteile abgeschnitten.

Weich wie Zahnpasta

Technisch wäre es eigentlich einfacher, die Masten am Ufer aufzustellen. Das aber würde noch mehr kostbaren Platz beanspruchen und zusätzlichen Widerstand von Anwohnern und Umweltfreunden provozieren. Deshalb verlegte man die Masten in den See, und zwar so weit hinein, dass kaum Vegetation vorkommt. Der Seeboden ist aber auch dort nicht ideal für eine Verankerung. Bei der obersten Sedimentschicht handle es sich um zähen Schlamm, sagte Espinosa.

«Diese Schicht ist fast so weich wie Zahnpasta». Beim Mythenquai sei sie bis zu 20 Meter dick, auf der anderen Seeseite noch dicker. Erst darunter folgt ein stabiler Untergrund, der genügend Halt bietet. In diese Schicht hinein soll sich die Gewinde der Schrauben 16 bis 24 Meter fressen.

Die 60 Schrauben pro Masten sitzen in Gruppen zu 15 Stück an den vier Füssen eines Mastens. Diese vier Füsse stehen aber nicht auf dem Seegrund, sondern auf den Schrauben. Die Füsse befinden sich drei Meter unter der Wasseroberfläche. Boote sollen also ohne Probleme darüber fahren können. Das Seilbahn-Projekt der ZKB muss unter anderem eine Umweltverträglichkeitsprüfung des Bundes bestehen. Die Unterlagen dazu werden bald eingereicht.