"Es ist eine Anzeige eingegangen wegen Amtsdelikten im Zusammenhang mit den amtlichen Tätigkeiten von Staatsanwalt Peter Giger", sagte die Sprecherin der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, Corinne Bouvard, am Freitag auf Anfrage zu einem Artikel des Wirtschaftsmagazins "Bilanz".

Gemäss dem Artikel hegt Seith den Verdacht auf Amtsmissbrauch und die Verletzung von Amtsgeheimnissen durch den Staatsanwalt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Seith hatte laut "Bilanz" im März 2013 bei der Staatsanwaltschaft Zürich eine Strafanzeige wegen Betrugs für einen offenbar geschädigten Kunden der Bank Sarasin eingereicht. Dem Fall des mutmasslichen Multimillionenbetrugs soll Giger aber keine Priorität gegeben haben.

Stattdessen schickte er die Strafanzeige der Bank und inhaftierte zwei ehemalige Sarasin-Mitarbeiter, die das mutmasslich betrügerische System aufdecken halfen, wegen des Verdachts der Bankgeheimnisverletzung.

Maschmeyer und Drogerie-Müller betroffen

Der Fall kam letztes Jahr ans Licht der Öffentlichkeit. Damals wurde bekannt, dass zwei prominente deutsche Kunden gegen Mitarbeiter der früheren Bank Sarasin, die inzwischen von der brasilianischen Safra-Gruppe übernommen wurde und heute unter dem Namen J. Safra Sarasin auftritt, klagten.

Bei den Klägern handelte es sich um den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer sowie den Drogerieketten-Besitzer Erwin Müller. Beide erlitten mit Finanzkonstrukten von Sarasin offenbar einen Verlust in Millionenhöhe.

Ausserdem werfen sie der Bank vor, sie in eine Steuertrick-Geschichte verwickelt zu haben. Mit Transaktionen um den Zeitpunkt der Dividendenzahlung herum, sogenannten Cum-Ex-Transaktionen, soll nämlich der deutsche Fiskus geschädigt worden sein.

J. Safra Sarasin wies die Anschuldigungen stets zurück: Zu keiner Zeit habe sie "den deutschen Fiskus betrogen oder sich sonst am deutschen Fiskus bereichert". Bis heute würden Gerichtsentscheidungen und Steuerexperten die Auffassung bestätigen, dass besagte Fonds mit dem deutschen Steuerrecht zu vereinbaren seien. Der fragliche Investmentfonds sei zudem von Dritten konzipiert und betrieben worden, nicht durch die Bank.