Sechseläuten

Der Pocket-Böögg verspricht einen guten Sommer – trotz abgesagtem Sechseläuten

Der Pocket-Böögg der Stiftung RGZ entwickelte sich zu einem Renner. Dieses Exemplar explodierte nach 11 Minuten.

Der Pocket-Böögg der Stiftung RGZ entwickelte sich zu einem Renner. Dieses Exemplar explodierte nach 11 Minuten.

Mit dem Sechseläuten konnte eines der wichtigsten Stadtzürcher Feste wegen des Coronavirus nicht stattfinden. Fans und Zünfter nehmen es – bei allem Ernst – auch mit Humor. Und sie wissen sich zu helfen.

Rund 2000 Exemplare des Pocket-Böögg hat die Stiftung RGZ dieses Jahr abgesetzt. Das ist ein Mehrfaches des Bedarfs aus früheren Jahren, wie Barbara Vonlaufen, die Leiterin Arbeit der Stiftung, sagt. «In den letzten Tagen sind wir regelrecht überrannt worden», sagt Vonlaufen. Das sei für die Mitarbeitenden eine Herausforderung gewesen, es habe aber auch Spass gemacht.

Der Pocket-Böögg wurde nicht etwa speziell für dieses Jahr entwickelt. Vielmehr war die Stiftung mit Hauptsitz in Zürich Altstetten schon vor Jahren auf der Suche nach einem Produkt, das ihre Verbundenheit mit der Stadt Zürich zeigt.

Die zündende Idee hatte dann eine Studentin der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK). 2010 wurde der Pocket-Böögg entwickelt. Seit 2011 ist er im Verkauf. Die grosse Version kostet 79 Franken. Die kleine gibt es für 42 Franken.

Der Böögg wird in der Werkstatt der Stiftung RGZ von rund 54 Mitarbeitenden mit Mehrfachbehinderung hergestellt – alles in Handarbeit. Besen, Hut und Pfeife würden zugekauft, der Körper des Böögg wird in einer Werkstätte der Marktlücke GmbH zusammengenäht, die sich für die soziale und berufliche Integration von erwerbslosen Frauen ein.

«Jetzt bin ich der beste Vater des Jahres»

Der Pocket-Böögg geniesst auch die Unterstützung der Zürcher Zünfte. Am vergangenen Frei- tag habe ein Kunde Kambly- Guetzli als Dankeschön für die Mitarbeitenden vorbeigebracht und ein weiterer habe sich per Mail mit der Bemerkung «jetzt bin ich der beste Vater des Jahres» eines der letzten Exemplare gesichert. Auch andere Kunden hätten sich erfreut und positiv per Mail für die schnelle Lieferung ihrer Bestellung bedankt, wie Vonlaufen erzählt.

Die Stiftung RGZ betreibt neben der Werkstätte in Zürich Altstetten zwei heilpädagogische Schulen, verschiedene Frühförderungs- und Therapiestellen rund um den Zürichsee, ein Wohnheim in Stallikon und betreutes Wohnen im Freilager. In allen Institutionen zusammen betreuen rund 260 Mitarbeitende 2700 Menschen vom Kindes- bis ins Greisenalter.

Dieses Jahr beschert Zürich übrigens einen guten Sommer. Der Böögg eines Zünfters der Stadtzunft hauchte sein Leben im Garten in Zumikon nach elf Minuten aus.

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