Tourismus
Besonders die gute Qualität vom Züri-Wasser beeindruckt

Wie erleben ausländische Journalisten bei einem Rundgang die Stadt? Und was fällt ihnen besonders auf?

Heinz Zürcher
Merken
Drucken
Teilen
«Weiter oben braucht man dann die goldene Kreditkarte»: Tourguide Elisabeth Brem führt eine Gruppe ausländischer Journalisten der Bahnhofstrasse entlang.

«Weiter oben braucht man dann die goldene Kreditkarte»: Tourguide Elisabeth Brem führt eine Gruppe ausländischer Journalisten der Bahnhofstrasse entlang.

Nur wegen Zürich sind die Journalisten nicht angereist. Hauptgrund ihres Besuchs ist die «Grand Tour of Switzerland», die derzeit von Schweiz Tourismus fleissig beworben wird. Die Route führt in die Berge, in Nationalpärke, zu Schluchten und Wasserfällen und zeigt mit naturnahen Erlebnissen die landschaftlichen Leckerbissen des Landes.

«In Zürich findet das Welcoming statt, bevor es die Passstrassen hinaufgeht und in urchigen Hütten übernachtet wird», sagt Silja Müller von Schweiz Tourismus. Die Medienleute kommen aus Australien, Indien, den Niederlanden, Polen, Singapur, Spanien, Tschechien und den USA. Eine lange Anreise mit direktem Transfer in die Berge will man den neun Gästen nicht zumuten.

Auf einem Bummel durch die Zürcher Altstadt sollen sich die Reiseteilnehmer akklimatisieren. Der Zwischenhalt ist für Zürich Tourismus eine Gelegenheit, die Vorzüge ihrer Stadt zu zeigen. Im dicht gedrängten Programm bleibt jedoch nur ein zweistündiges Zeitfenster. Und zum Treffpunkt am HB schaffen es nur vier Journalisten: Josmin Ong aus Singapur. Sie schreibt im asiatischen Raum für Hochglanz-Reisemagazine. Hashim Badani und sein Fotograf Anjuman Deodhar kommen aus Indien und berichten für das Magazin «Lonely Planet». Und Enrique Martinez arbeitet für «20minutos», die spanische Ausgabe der Pendlerzeitung.

Die Geldfragen

Tourguide Elisabeth Brem lässt sich trotz engem Zeitplan nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht von dem Wunsch, insbesondere die Themen Natur und Umwelt anzusprechen. «Ich mache die Touren sowieso meistens aus dem Bauch heraus», sagt sie und geht voran Richtung Bahnhofstrasse. Das teure Pflaster fasziniert die Touristen. Was kostet hier eine Wohnung? Wie viel verdienen Schweizer? Solche Fragen werden ihr am häufigsten gestellt. Deshalb erklärt sie den vier Journalisten ungefragt: «Hier ist es noch nicht so teuer – weiter oben an der Bahnhofstrasse benötigen Sie dann die goldene Kreditkarte.»

Den HB im Rücken gibt ihr das Denkmal Alfred Eschers die Gelegenheit, kurz über die Verdienste des Politikers und Eisenbahnunternehmers zu sprechen. Ein paar Schritte weiter rückt Johann Heinrich Pestalozzi in den Fokus. «Dank ihm genossen alle Kinder eine Schulbildung – nicht nur die privilegierten.»

Während die beiden Inder nach Fotosujets Ausschau halten, tippt Josmin Ong unentwegt auf ihrem Smartphone herum. Erst als die Reiseführerin auf den Brunnen hinter ihr zeigt und erklärt, dass es in Zürich über 1200 Trinkwasser-Brunnen gibt, blickt die Asiatin hoch. Obschon aus Singapur, das für seine Sauberkeit und die hohen Littering-Bussen bekannt ist, beeindruckt Ong die Wasserqualität der Limmatstadt.

«In Zürich müssen sie eigentlich kein Wasser kaufen», sagt Brem und greift in die Tasche, um ein paar Becher hervorzukramen und den Teilnehmern am Brunnen frisches Züri-Wasser zu offerieren. Unterwegs zum Rennweg will Hashim Badani wissen, wie die Vortrittsregeln in der Schweiz sind. Und beim Sodbrunnen angelangt, drängt ihn die Frage, ob die Zürcher – in der Hoffnung nach Glück – Geld in den Brunnen werfen. «Das geben sie lieber im Casino aus», antwortet Brem und lacht.

Weiter oben auf dem Lindenhof zeigt die Reiseleiterin auf das Uni-Gelände und erzählt, dass dort Berühmtheiten wie Wilhelm Conrad Röntgen und Albert Einstein studiert haben. «Nach der Sorbonne war die Uni Zürich die zweite, die Frauen zuliess. Es dauerte allerdings 800 Jahre, bis sie das Stimmrecht erhielten.»

Elisabeth Brem drückt aufs Tempo. Beim Hotel Storchen kommt gleich ein Boot an: Etwas Zeit gewinnen, eine andere Perspektive auf die Stadt. Also runter an die Limmat. Dank einem Spurt erreicht die Gruppe gerade rechtzeitig den Steg. Doch dann die Enttäuschung. Das Boot ist voll. So geht es zu Fuss weiter, über den Münsterhof an die obere Bahnhofstrasse.

Auf der Quaibrücke sieht Josmin Ong ein paar Schwimmern zu. «Unglaublich, dass man hier baden kann», sagt sie und tippt etwas in ihr Smartphone. Der Rest der Gruppe geniesst den Blick auf den See und die Alpen. «Den See hatte ich mir viel kleiner vorgestellt», sagt Enrique Martinez und schiesst ein Selfie mit der Postkartenansicht im Hintergrund.

Zurück zum HB bleiben nur kurze Stopps: vor Helmhaus, Zunfthäusern, Rathaus und Schipfe. Hier wird Altstadtbummlern jeweils ein Sirup mit Brunnenwasser offeriert. Aus Zeitgründen fällt der Programmpunkt aus.

Mit etwas Verspätung wieder an der Bahnhofstrasse angelangt, verabschiedet sich Elisabeth Brem von der Gruppe. Schon fährt das 6er-Tram heran, das die Journalisten Richtung Fluntern bringt. Dort oben wartet ein Abendessen und eine Übernachtung im Sorell Hotel Zürichberg auf die ausländischen Gäste: weg vom Stress der City, mit Blick auf die Stadt. Am Tag darauf werden sie in eine ruhigere Gegend geführt und mehr Zeit haben. Es geht auf die grosse Schweiz-Tour, die in Zürich mit einer schnellen Tour begonnen hat.