Theater

Zürich erhält ein neues Theater: Im Zollhaus dreht sich bald alles um Improvisation

Die Gruppe Anundpfirsich eröffnet bald das Theater im Zollhaus, doch zunächst ist ihr Spunk-Festival angesagt.

Dass ein Theaterfestival stattfindet, ist in Coronazeiten nicht selbstverständlich. Doch das Festival Spunk geht vom 10. bis 17. Oktober im Comedy-Haus beim Albisriederplatz in Zürich über die Bühne. Es ist die achte Ausgabe des Festivals für Improvisationstheater. Veranstalter ist die Zürcher Improtheatergruppe Anundpfirsich.

Auf dem Programm stehen Shows mit Künstlern aus Deutschland, Polen und der Schweiz. «Ich hoffe, dass trotz Corona alle kommen können. Momentan sieht es gut aus», sagt Emilia Meincke. Sie ist die Kommunikationsbeauftragte des Spunk-Festivals und zählt zum Kernteam des Theaters Anundpfirsich.

Zuschauerzahlen gehen wegen Corona zurück

Das Schutzkonzept sehe vor, dass das Publikum Atemschutzmasken trage. Die Abstände zwischen den Zuschauerreihen seien grösser als sonst. «Die Schauspielerinnen und Schauspieler tragen keine Masken, ausser eine Vorgabe aus dem Publikum würde danach verlangen», sagt Meincke und lacht.

Beim Improvisationstheater lasse sich im Voraus allerdings nie genau sagen, wonach die aufgeführte Szene verlange: «Niemand weiss, was als Nächstes kommt», erklärt Meincke. Ein Wort gebe das andere. Feststehe: «Die Spieler bleiben auf der Bühne und interagieren verbal mit dem Publikum.» Daneben zählen auch Workshops zum Festivalangebot.

Normalerweise seien die Vorstellungen schon im Vorfeld des Festivals weitgehend ausverkauft. Doch diesmal laufe der Vorverkauf weniger gut. «Die Coronakrise macht uns Sorgen», sagt Meincke. Schon bei den Aufführungen, die das Anundpfirsich nach dem Lockdown in seiner jetzigen Spielstätte «Töpferei» im Quartier Binz und im Comedy-Haus veranstaltet, seien die Zuschauerzahlen im Vergleich zu sonst zurückgegangen.

Erstes Theater, das sich nur um Improvisation dreht

Dabei hat das 2005 gegründete Theater Anundpfirsich Grosses vor. Anfang März will es eine neue Spielstätte eröffnen: das Theater im Zollhaus. Der neue Ort ist noch im Bau. Er gehört zur neuen Siedlung der Genossenschaft Kalkbreite, die neben den Gleisen zwischen dem Hauptbahnhof und der Langstrasse im Zürcher Kreis 5 entsteht.

Geplant sind im Theater im Zollhaus laut Meincke drei- bis viermal pro Woche Shows, eventuell auch mehr. Wöchentlich sollen neuartige Formen der Improvisation entstehen, wie es in einer Medienmitteilung von Anundpfirsich heisst. Das Spektrum reiche von Krimi über Musical und Comedy-Show bis hin zum poetischen Geschichtenabend. Das Theater im Zollhaus sei das erste Theater der Schweiz, das sich nur mit Improvisation beschäftige. Zudem wollen die Improvisateure auch dort ihr Wissen in Kursen und Seminaren weitergeben.

Für ein kleines Theater wie Anundpfirsich mit aktuell einem Dutzend Angestellten stellt das Projekt eine grosse Herausforderung dar, auch finanziell.

Das Crowdfunding läuft noch

Geschäftsführer Gerald Weber schätzt die jährlichen Kosten für das Theater im Zollhaus auf 250000 bis 300000 Franken. Hinzu kommen noch die Lohnkosten der Angestellten. Finanziert werde dies aus dem operativen Betrieb von Anundpfirsich. Dazu gehören nebst den Shows auch Kurse, Seminare, Arbeit mit Schülerinnen und Schülern sowie an Universitäten, mit Firmen und Organisationen. «Von öffentlicher Förderung sind wir bisher beinahe generell ausgeschlossen worden», hält Weber fest.

Die Investitionskosten für die neue Spielstätte veranschlagt er auf rund 400000 Franken. Ein Viertel davon soll per Crowdfunding zusammenkommen, der Rest aus Eigenmitteln, Privatdarlehen und Spenden. «Wegen der für unseren Betrieb bedrohlichen Coronasituation suchen wir auch nach weiteren Finanzierungsinteressenten», so Weber.

Das Crowdfunding startete im Juli und brachte bis jetzt gut 21000 Franken ein. Das Spunk-Festival soll der Sammelaktion für das Theater im Zollhaus nun zusätzlichen Schub geben.

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