Die FDP erhielt von der SVP 3136 Stimmen, soviel wie von keiner anderen Partei. Die SVP wiederum bezog von der FDP 3103 Stimmen. Somit war das Stimmengeschenk, das sich die beiden verbündeten bürgerlichen Parteien gegenseitig machten, in etwa gleich gross. Dies geht aus der neuesten Panaschierstatistik von Statistik Zürich zu den Stadtzürcher Parlamentswahlen vom letzten Wochenende hervor.

Auch die SVP erhielt von keiner anderen Partei soviele Stimmen wie von den Freisinnigen. Dieses Resultat war zu erwarten, da die beiden Parteien ja einen gemeinsamen Wahlkampf zumindest bei den Stadtratswahlen führten.

Die SVP-Wähler sind traditionsgemäss panaschierfaul. Das heisst, sie legen am liebsten die unveränderte Liste ein. Fast 76 Prozent beträgt der Anteil solcher Listen bei der SVP. Die anderen Parteien weisen bedeutend tiefere Werte aus. Die FDP beispielsweise 64,8 und die SP 63,1 Prozent. Faulheit ist aber keine taugliche Erklärung für das Verhalten der SVP-Wähler. Zutreffender ist, dass die SVP-Wähler dazu neigen, vor allem ihre eigene Partei und die eigenen Kandidaten gutzufinden und sich von anderen abzugrenzen.

Dasselbe Phänomen lässt sich ganz links beobachten. Die Wähler der kommunistischen Partei der Arbeit PdA liessen auch 70 Prozent der Listen unverändert.

CVP machte guten Tausch

Die CVP kann mit ihren beiden bürgerlichen Bündnispartnern zufrieden sein. Die Kleinpartei, die aus dem Parlament geflogen ist, weil sie die Wahlhürde nicht meisterte, erhielt von der FDP immerhin 1843 Stimmen, von der SVP allerdings nur 724. Sie selber verschenkte der FDP 715 und der SVP 255 Stimmen. Somit machte die CVP ein gutes Tauschgeschäft. Bedanken könnte sie sich auch bei der SP, denn von ihr erhielt sie fast soviel wie von der FDP und mehr als von der SVP: 1364 Stimmen. Aber das ist ein schwacher Trost für das Aus im Parlament.

Stimmengeschenke entstehen beim Ausfüllen der Wahlzettel: Wirft eine Person eine SP-Liste ein, geht sie als SP-Wähler in die Statistik ein. Streicht sie auf der SP-Liste eine Kandidatin und ersetzt sie durch eine grüne, hat sie panaschiert. Diese Stimme geht an die Grünen, wobei die SP eine verliert. Parteistrategen haben deshalb keine Freude an den Panascheuren. Parteistrategisch macht es Sinn, eine unveränderte Liste einzuwerfen, so wie es die SVP-Wähler gerne machen.

Wie das Wahlresultat zeigt, funktionierte das linke Bündnis von SP, Grünen und AL hervorragend. Die Panaschierstatistik zeigt nun, dass die mächtige SP ihre beiden Bündnispartner nicht gleichermassen liebt. Den Grünen schenkte sie soviel wie niemandem sonst, nämlich 17'629 Stimmen, der AL hingegen «nur» halb soviel, nämlich 9716. Das Gegengeschenk der AL an die SP belief sich auf 4061. Von den Grünen erhielten die Sozialdemokraten 7696 Stimmen.

Spendable SP

Dass die Gegengeschenke an die SP kleiner sind, erklärt sich durch die Grössenverhältnisse. Immerhin machten Grüne und AL, wie es sich gehört, ihre grössten Geschenke der Bündnispartnerin SP. Anzumerken wäre bei der SP noch, dass sie auch gegenüber der FDP relativ spendabel war. Sie schenkte ihr 2575 Stimmen.

Von der Bündnispartnerin SVP erhielt die FDP mit 3136 Stimmen nur rund 600 mehr. Daraus lässt sich ablesen, dass etliche Wähler die Sache mit Freund und Feind nicht ganz so eng sehen, wie die Parteistrategen.

Vergleicht man jedoch den Stimmentransfer zwischen dem bürgerlichen (SVP, FDP, CVP) und dem linken (SP, Grüne, AL) Bündnis, kann man feststellen, dass die Bereitschaft, über die Bündnisgrenzen hinaus Geschenke zu verteilen, gering ist. Vom linken Bündnis flossen nur 5320 Stimmen ins «feindliche Lager». Und die bürgerliche Seite verschob lediglich 4339 Stimmen nach links. Dass dieser Austausch beschränkt ist, zeigen die Relationen: Das Total der Kandidatenstimmen des linken Lagers beträgt 752'469 Stimmen, jenes des bürgerlichen 481'577. Somit floss nicht einmal ein Prozent der jeweiligen Kandidatenstimmen zur Konkurrenz.

SVP schneidet GLP

Bleibt die GLP als bündnislose Partei zwischen den Fronten. Ihr gelang es dank günstiger Konstellation, erstmals einen Stadtratssitz zu ergattern. Bei den Parlamentswahlen erhielt die GLP am meisten Stimmen von der SP (5279), gefolgt von der FDP (2781) und den Grünen (1536). Von der SVP flossen nur 389 Stimmen zur GLP, halb soviel wie zur befreundeten CVP.