ZHAW wehrt sich nach TV-Schelte

Letzten Freitag kritisierte eine Studentin im Fernsehen, wie die ZHAW das Corona-Virus handhabt. Während die Studenten für Vorlesungen weiter in die Hörsäle müssen, finden vorerst keine Diplomfeiern statt.

Delia Bachmann
Drucken
Teilen
Vorlesungen oder Diplomfeiern: An der ZHAW gelten nicht immer die gleichen Regeln.

Vorlesungen oder Diplomfeiern: An der ZHAW gelten nicht immer die gleichen Regeln.

Bild: Enzo Lopardo

In der SRF-«Arena» von letztem Freitag kritisierte eine Studentin die Situation an der ZHAW mit drastischen Worten: «Wir haben keine Desinfektionsmittel, die Seife reicht nicht einmal für einen Tag», so die 27-Jährige. Auch die Verhaltensregeln des Bundesamts für Gesundheit (BAG) seien nicht aufgehängt. Wie sich das in den Vorlesungen unter vielen Leuten anfühle, wo allerhand durch die Luft schwirre, wollte Moderator Sandro Brotz wissen. Ihre Antwort: «Ich finde es nicht okay, dass wir in die Vorlesungen müssen. Sobald wir zur Haustüre hinausgehen, sind wir dem Virus ausgeliefert.» Als Alternative schlägt sie Podcasts oder Livestreams vor. «Die Massnahmen des BAG sind offenbar noch nicht bei der ZHAW angekommen», folgerte Brotz aus der Kritik der Studentin: «Ich glaube, am Montag wird es dort anders aussehen.»

Tatsächlich stand am Montag – ob Zufall oder nicht – ein riesiges Palett mit Papierhandtüchern in der Eingangshalle des Departements für Angewandte Linguistik. Der anonyme Insta­gram-Kanal «Insidezhaw» postete ein Bild davon sowie ein Bildschirmfoto eines E-Mails, das am selben Tag an die Studierenden verschickt wurde: «Seit letzter Woche werden unsere Toiletten mehrmals täglich kontrolliert», heisst es darin. Weiter werden die Studierenden aufgefordert, leere Seifenspender und andere Mängel zu melden.

«Hochschulbetrieb ohne Einschränkungen»

Zur vorgebrachten Kritik äusserte sich die ZHAW nur schriftlich und in allgemeiner Form. Die BAG-Regeln seien in den Toiletten aufgehängt worden. Gerade, weil sich die ZHAW-Angehörigen an die Hygienevorschriften gehalten und die Hände regelmässig gewaschen hätten, sei das Facility Management mit dem Auffüllen der Seifenspender anfangs nicht immer nachgekommen. Was das Desinfektionsmittel betrifft, so habe es das an der ZHAW nie gegeben. Wegen Lieferengpässen seien zurzeit ohnehin keine ausreichenden Mengen verfügbar. Generell gilt: «Der Hochschulbetrieb findet ohne Einschränkungen statt.» Zu den vor­- geschlagenen Livestreams von Vorlesungen äusserte sie sich zurückhaltend: «Digitale Alternativen werden geprüft und sofern möglich umgesetzt.»

Für die Studierenden, die den Stoff nicht verpassen wollen, führt derzeit also kein Weg um die Hörsäle herum. Während Vorlesungen vorerst wie gehabt stattfinden, gelten für andere Veranstaltungen von und in der ZHAW andere Regeln. Dies geht aus einem E-Mail an die Mitarbeitenden hervor, das dieser Zeitung vorliegt: «Grundsätzlich gilt, dass keine Veranstaltung mit weniger als 150 Teilnehmenden ohne Rücksprache mit der ZHAW-Taskforce Corona abgesagt werden darf!», heisst es da in Fettschrift. Weiter werden spezifische Regeln für vier Kategorien von Veranstaltungen aufgestellt: erstens und zweitens solche mit Bezug zur Lehre und Forschung sowie interne Anlässe und externe Events, die in der ZHAW stattfinden.

Keine Erklärung für die unterschiedlichen Regeln

Alle Anlässe mit Bezug zur Lehre, die zeitlich nicht dringend sind, müssen abgesagt oder verschoben werden. Dazu zählen auch Diplomfeiern. Für Infoanlässe und dergleichen «soll das Setting – wo immer möglich – gemäss den Vorgaben der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich angepasst werden.» So solle man etwa Untergruppen bilden, grössere Hörsäle als nötig einplanen oder auf elektronische Tools setzen. Dieselben Vorgaben gelten auch für interne Events und externe Veranstaltungen innerhalb der ZHAW sowie für Forschungsanlässe mit weniger als 150 Teilnehmenden. Sind es mehr, müssen die Veranstaltungen grundsätzlich abgesagt werden.

Eine Ausnahme gibt es ­allerdings: So können Forschungsanlässe mit mehr als 150 Personen durchgeführt werden, wenn der Sicherheits­beauftragte der ZHAW nach einer Risikoabwägung zum entsprechenden Schluss kommt. Warum die verschiedenen Veranstaltungen so unterschiedlich behandelt werden, kann oder will die ZHAW allerdings nicht erklären.

Aktuelle Nachrichten