Heimatschutz

Wird das Uni-Spital jetzt abgerissen? Stadtparlament verlangt Nichtunterschutzstellung des Architekturdenkmals

Das Universitätsspital Zürich soll nicht unter Schutz gestellt werden, verlangt das Zürcher Stadtparlament. (Archivbild)

Sehr viel zu sagen hat die Stadt Zürich nicht, wenn es um die baulichen Umwälzungen im Hochschulgebiet Zürich-Zentrum geht. Das Wort des Kantons hat mehr Gewicht. Nun aber verschafft sich das Stadtparlament Aufmerksamkeit mit seinem Antrag, das denkmalgeschützte alte Universitätsspital-Gebäude aus dem Denkmalschutz zu entlassen.

Das Hochschulquartier im Herzen Zürichs soll in den nächsten 30 Jahren ein grundlegend neues Gesicht erhalten. Kanton, Hochschulen, Unispital und Stadt planen mehrere neue Gebäude, Parks und einen Campus-Boulevard. Dieses Generationenprojekt wird das Stadtbild deutlich verändern. Und es beschäftigt alle Beteiligten sowie die Bevölkerung seit Jahren.

Am Mittwoch war nun der Gemeinderat dran. Der Titel des Geschäfts hätte nicht trockener tönen können: "Teilrevision der Bau- und Zonenordnung, Hochschulgebiet Zürich-Zentrum, Festsetzung."

Zu reden gab im Parlament vor allem der Auftrag an den Stadtrat, die Baudirektion des Kantons Zürich aufzufordern, "die notwendigen Vorbereitungen zu treffen und die definitive Nichtunterschutzstellung des HMS-Baus (Universitätsspital) zu verfügen."

Mit andern Worten, das alte Spitalgebäude aus den Vierzigerjahren, ein Werk der Architekturgrössen Haefeli Moser Steiger (HMS), dürfte abgerissen werden. Dazu hatten sich die Verantwortlichen im Rahmen der über 15-jährigen Planung des Generationen- und Multimilliardenprojekts bisher nie durchringen können.

Grund dafür war vor allem, dass man das Gebäude bereits als Rochadefläche während der Bauzeit eingeplant hat und sich fürchtet vor langwierigen Auseinandersetzungen mit dem Heimatschutz.

Dieser liess sich denn auch bereits im Vorfeld der Gemeinderatsdebatte vernehmen. Er trete "mit grosser Entschlossenheit für die Erhaltung des Baus von Haefeli Moser Steiger, dem Kerngebäude des Universitätsspitals, ein", teilte er mit.

«Architektonisches Juwel» in Zürich

Der Bau gehöre zu den Kronjuwelen Zürichs. "Einen Diamanten mutwillig zum Billigpreis zu verschleudern, kommt einer ungeplanten Operation am offenen Herzen der Stadt gleich", schrieb der Heimatschutz weiter. Eine Inventarentlassung des HMS-Baus schaffe Unwägbarkeiten für Uniklinik, Universität, Quartier und Bevölkerung.

Bereits die zuständige Kommission des Kantonsparlaments plädierte vor zwei Jahren bei der Behandlung des Richtplans einstimmig dafür, einen Abriss des geschützten Altbaus zumindest in Erwägung zu ziehen. Baudirektor Markus Kägi (SVP) lehnte damals ab.

Nun muss sich sein Nachfolger Martin Neukom (Grüne) damit beschäftigen. Denn der Stadtrat wird bei ihm vorstellig werden, wie Hochbauvorstand André Odermatt sagte. Schliesslich habe er den Auftrag vom Parlament bekommen. Hier sei man nun Exekutive im eigentlichen Wortsinn.

Er liess jedoch durchblicken, dass er das Vorhaben für etwas "sinnfrei" hält. So bezeichnete es die EVP, allerdings als einzige Partei. Alle andern unterstützten das Vorhaben. Viele sagten jedoch, es gehe nicht um einen Totalabriss, aber um die Möglichkeit - auch für künftige Generationen - Änderungen vornehmen zu können.

Selbst wenn die Akte HMS noch einmal geöffnet werden sollte, wird an den Plänen für die ersten Bauetappen im Hochschulgebiet nicht mehr gerüttelt. Der gesamte Planungshorizont geht ja über das Jahr 2035 hinaus.

Mit der Festsetzung der Bau- und Zonenordnung (BZO) für das Hochschulgebiet schaffte der Gemeinderat der Stadt Zürich jedoch die planerische Grundordnung für die Zukunft der Hochschulen und des Unispitals im Zentrum Zürichs.

Davor stimmten Regierungs-, Kantons- und Stadtrat der im "Masterplan Hochschulgebiet Zürich-Zentrum" festgelegten Konzentration der Hochschulmedizin zu, die entsprechend im kantonalen Richtplan aufgenommen wurde.

Für die insgesamt sechs Gestaltungsplänen sei nun eine rechtliche Grundordnung vorhanden, sagte Odermatt. Dies habe ja auch das Baurekursgericht gefordert. Über Fragen der Masse oder der Höhe von Gebäuden in diesem Gebiet könne man allerdings weiterhin streiten, denn inhaltlich habe sich das Baurekursgericht nicht geäussert.

Kritik an «Demokratiedefizit»

Der Gemeinderat kritisierte immer wieder, dass bei diesem Generationenprojekt - das er grundsätzlich gutheisst - ein Demokratiedefizit bei Planung und Umsetzung bestehe. Der Spielraum, den der Kanton lasse, sei sehr klein. Eine generelle Gestaltungsplanpflicht soll da etwas Abhilfe schaffen.

Ein entsprechender Antrag wurde am Mittwochabend einstimmig angenommen. Es werde ein kleiner Spalt zur Mitsprache geöffnet, auch wenn der Kanton dies nicht so wolle, lautete das Hauptargument.

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