Normalerweise ist der Urdorfer Fahrlehrer Robert Jetter mit Neulenkern unterwegs. Er bringt ihnen das Autofahren bei, damit sie zum gegebenen Zeitpunkt die Fahrprüfung bestehen. Doch ab und zu unterrichtet er auch atypische Schülerinnen und Schüler. Dazu gehört auch Monica Hohl. Sie ist seit 15 Jahren nicht mehr gefahren. «Normalerweise brauche ich das Auto nicht», sagt die 59-Jährige. Sie gehe jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit. «Bis vor ein paar Monaten habe ich noch in Dietikon gewohnt, da benötigte ich kein Auto.» Einkaufsmöglichkeiten und gute Anschlüsse für Zug und Bus seien sozusagen vor ihrer Haustüre gewesen. Deshalb hätte sie nie in Betracht gezogen, ein Auto zu kaufen. «Jetzt lebe ich mit meinem Partner in Urdorf zusammen und er besitzt ein Auto», sagt Hohl. Er habe sie dazu ermutigt, wieder zu fahren. «Ein bisschen im Dorf herumfräsen und Einkäufe tätigen, das geht schon einfacher, wenn man das Auto nimmt.» Doch die 59-Jährige fühlt sich nicht mehr hundertprozentig sicher hinter dem Steuer. «Da dachte ich mir, dass ich noch ein paar Fahrstunden vertragen könnte.»

«Nicht viele handeln wie Frau Hohl, die in ihrem Alter freiwillig nochmals Fahrstunden nimmt», sagt Jetter. Etwa sieben ältere Leute kämen jährlich zu ihm. Bei Thomas Lüthi von der Dietiker Fahrschule Humm sind es gerade mal eine bis zwei Personen. «Aber mir werden ungefähr zehn Personen im Jahr von Ärzten überwiesen», sagt Lüthi. Das ist auch bei Robert Jetter der Fall. «Mit ihnen fahren wir einmal, um zu überprüfen, ob sie noch fahrtauglich sind», sagt er.

Routine ist entscheidend

Robert Jetter und Monica Hohl sitzen zusammen im Auto. Vor dem Start erklärt er ihr noch einmal kurz die Grundlagen. Dann geht es los. Zu Beginn ist noch nicht der richtige Gang eingelegt. «Sie müssen dem Auto sagen, dass Sie nach vorne fahren wollen», sagt der Fahrlehrer. Hohl tastet sich langsam wieder ans Fahren heran. Das Ziel der Fahrstunde: die Autobahn. Die Stunde läuft anders ab als bei blutigen Anfängern. «Bei der Reihenfolge der Blicke in die Spiegel bin ich nicht so streng mit ihr», sagt Jetter. «In der Praxis fährt man anders als während der Ausbildung.» Sie müsse sich aufs Wesentliche konzentrieren und soll sich nicht überfordern. Schon bald geht es in Richtung Autobahn. Doch zuerst hält Jetter mit seiner Fahrschülerin auf einer Brücke direkt über der Autobahneinfahrt an. Er erklärt ihr, wie das funktioniert. «Da müssen Sie Gas geben Frau Hohl. Das erfordert Mut, ist aber wichtig.» Hohl hört ihm aufmerksam zu und versucht, sich alles zu merken. Daraufhin wird es ernst. Die Fahrschülerin wirkt nervös, umklammert fest das Lenkrad. «Entspannen Sie sich», redet ihr Jetter ruhig zu.

Bevor Monica Hohl sich mit dem Auto auf die Autobahn wagt, bereitet Fahrlehrer Robert Jetter sie auf die Herausforderung vor.

Bevor Monica Hohl sich mit dem Auto auf die Autobahn wagt, bereitet Fahrlehrer Robert Jetter sie auf die Herausforderung vor.

Der erste Versuch ist noch zaghaft. Jetter übernimmt die Doppelpedalen, damit Hohl sich besser auf das Einspuren und den Seitenblick konzentrieren kann. Direkt bei der nächsten Ausfahrt verlässt sie die Autobahn aber wieder. Beim zweiten Anlauf klappt es schon besser. Die Fahrschülerin muss sich noch ans schnelle Tempo gewöhnen. «Das ist keine Bremsschule, sondern eine Fahrschule», scherzt Jetter. Die Fahrstunde gibt Monica Hohl ein wenig Sicherheit zurück. Am Schluss traut sie sich sogar, auf der Autobahn zu überholen. Jetter lobt: «Jetzt fahren Sie ja schon recht sportlich.»