Zürich

Weniger Lärm dank «Tempo 30 nachts»: Die Stadt zieht Bilanz

Der Zürcher Stadtrat hatte im April 2018, in Anlehnung an einen Bundesgerichtsentscheid beschossen, in einigen Stadtkreisen die Höchstgeschwindigkeit auf mehreren Strassenabschnitten auf 30 Stundenkilometer herabzusetzen.

Temporeduktionen in der Nacht tragen dazu bei, die Bevölkerung in den Nachtstunden besser vor Lärm zu schützen. Dies zeigt die Auswertung des Versuchs «Tempo 30 nachts» in der Stadt Zürich.

Durchgeführt wurde der Versuch auf vier überkommunalen Strassenabschnitten. Er zeige, dass "Tempo 30 nachts" zu einer "wahrnehmbaren Lärmreduktion" führt. Dies teilte die Dienstabteilung Verkehr am Freitag mit.

Während dreier Monate (Juli bis September 2018) galt zwischen 22 und 6 Uhr Tempo 30 km/h auf Abschnitten der Albisstrasse, der Hardstrasse und der Dübendorf-/Winterthurerstrasse sowie auf einer Strecke auf der Strasse Am Wasser und der Breitensteinstrasse.

Auf allen Strecken konnte eine um etwa 1 bis 3 Dezibel geringere Lärmbelastung festgestellt werden. Noch deutlicher nahmen die Maximalpegel der Vorbeifahrten ab. Folglich sei eine solche Massnahme wirksam, "um den Strassenlärm und besonders die störenden Lärmspitzen zu reduzieren", heisst es weiter.

Der Versuch führte an den vier Pilotstrecken in der Nacht zu einer deutlichen Verminderung der durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit um 9 bis 12 km/h. Die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug zwischen 32 km/h und 36 km/h. Bei längeren Strecken wurde die Geschwindigkeit "sehr konstant gehalten".

Signalisation wurde verstanden

Auf die gefahrene Geschwindigkeit am Tag hatte die Signalisation "Tempo 30 nachts" keinen Einfluss. Dies lasse die Annahme zu, "dass die Signalisation verstanden wurde".

Auf den Verkehrsablauf hatte der Versuch keine negativen Auswirkungen. Dies betrifft auch den öffentlichen Verkehr. Die Fahrzeiten verlängerten sich zwar um wenige Sekunden, aber dies hatte keinen Einfluss auf den Fahrplan oder auf allfällige Anschlüsse.

Besserer Schlaf

In einer Befragung sprach sich eine Mehrheit der Anwohnenden für ein dauerhaftes "Tempo 30 nachts" aus. Eine knappe Mehrheit sprach sich gar für eine Ausweitung dieser Tempo-Massnahme auf den Tag und die Nacht aus.

Rund zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sich der Strassenlärm in der Nacht während der Versuchsphase leicht oder gar stark reduziert habe. Eine Verbesserung der Schlafqualität stellte etwas weniger als die Hälfte der Befragten fest.

Zwischen den vier Strassenabschnitten gibt es allerdings deutliche Unterschiede. Für die Anwohnerinnen und Anwohner der Dübendorfstrasse überwiegt der Lärm der Trams, die auf dem Eigentrassee nicht vom tieferen Tempolimit betroffen waren - und auch der Fluglärm scheint eine gewisse Rolle zu spielen. An der Dübendorfstrasse fand "Tempo 30 nachts" daher nur bei einem Drittel der Befragten Zustimmung.

An der Albisstrasse, der Breitensteinstrasse/Am Wasser und der Hardstrasse äusserte sich eine klare Mehrheit für die Massnahme; an der Breitensteinstrasse/Am Wasser waren es über 80 Prozent der Befragten.

Die Erkenntnisse aus dem Versuch werden nun auf politischer Ebene diskutiert. Zum jetzigen Zeitpunkt ist laut Mitteilung noch keine Aussage möglich, ob, wann und wo "Tempo 30 nachts" allenfalls definitiv eingeführt wird.

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