Vor einigen Jahren war es fast schon normal, dass das letzte Drittel der Freiheitsstrafe geschenkt wurde. Noch 2014 wurden 502 Insassen aus Zürcher Justizvollzugsanstalten wegen guter Führung frühzeitig auf Bewährung entlassen. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 299.

Dies geht aus den Jahreszahlen des Zürcher Amts für Justizvollzug hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Das liegt einerseits daran, dass die Kriminalität generell zurückgeht und deshalb weniger Freiheitsstrafen vollzogen werden müssen.

Andererseits ist der Rückgang aber auch ein Zeichen für einen Kulturwechsel. "Früher konnten sich die Häftlinge sehr viel erlauben und sie wurden immer noch früher entlassen", räumte Amtsleiter Thomas Manhart vor den Medien ein. Man sei oft froh gewesen, wenn man die ganz mühsamen Leute auf diese Weise losgeworden sei. Heute sei dies anders. Der Vollzug sei deutlich strenger geworden.

Obwohl immer mehr Häftlinge bis zum Ende ihrer Strafe durchhalten müssen: Insgesamt hat die Zahl der Aufenthaltstage in den Zürcher Gefängnissen abgenommen.

Im vergangenen Jahr zählte das Amt noch 395'438 Tage, verteilt auf 1217 Vollzugsplätze. Das sind 27'193 Tage weniger als 2017. Im Vergleich zu 2014 sind es sogar fast 70'000 Tage weniger. Dies liegt in erster Linie an der sinkenden Kriminalitätsrate.

Weniger Kriminelle - weniger Auslastung

Der Rückgang der Kriminalität wirkt sich auch auf die Auslastung der Gefängnisse aus: Im vergangenen Jahr lag diese bei 86 Prozent (Vorjahr 87,8 Prozent). "Wir konnten nun jene Plätze abbauen, die vorher Verlegenheitslösungen waren", sagte Manhart weiter. Die heutige Auslastung sei ideal, weil so Häftlinge bei Bedarf in andere Institutionen versetzt werden könnten.

Von allen Insassen werden 99,6 Prozent irgendwann wieder entlassen. Die Frage sei deshalb nicht, ob man die Straftäter wieder entlasse, sondern wie man sie auf ein deliktfreies Leben in Freiheit vorbereite, sagte Manhart. Immer gelinge das bekanntlich nicht.

Mit seiner Rückfallquote ist das Amt für Justizvollzug dennoch zufrieden: Eine Untersuchung zeigte, dass von den Gewalt- und Sexualstraftätern in einem Zeitraum von 5 Jahren "nur" 12 bis 16 Prozent rückfällig werden. Über 80 Prozent der Entlassenen bleiben straffrei. Dies sei auch international verglichen eine gute Quote. Von anderen Deliktsarten, etwa Wirtschaftsdelikte, liegen keine Zahlen vor.