Wahlen 2018

Wegen der Limmattalbahn wird in Schlieren nicht debattiert

Zahlreiche Zuschauer fanden sich anlässlich der Austragung der Dietiker Podiumsveranstaltung ein.

Zahlreiche Zuschauer fanden sich anlässlich der Austragung der Dietiker Podiumsveranstaltung ein.

Der Verein Freizeit Schlieren wollte eine oder mehrere Veranstaltungen mit den Stadtratskandidaten und den Parteipräsidenten organisieren. Zwei Forderungen brachte das Vorhaben jedoch zu Fall.

Verstecken konnte sich niemand. Vor zwei Wochen ging die Podiumsveranstaltung mit den zwölf Kandidaten für einen Sitz im Dietiker Stadtrat über die Bühne. Unterteilt in mehrere Gruppen stellten sie sich den Fragen von Bettina Hamilton-Irvine, Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung. Kaum ein Platz im Gemeinderatssaal blieb leer. In der zweiten Stadt des Bezirks, in der ebenfalls am 4. März gewählt wird, sucht man im Veranstaltungskalender vergebens nach einer Podiumsdiskussion mit den acht Kandidaten für die sieben Sitze in der Exekutive. Nicht einmal die beiden Präsidiumskandidaten Manuela Stiefel (FDP) und Markus Bärtschiger (SP) kreuzen die Klingen im Vorfeld.

Dabei gab es vom Verein Freizeit Schlieren Bemühungen, einen oder mehrere solche Anlässe auf die Beine zu stellen. Wie mehrere verlässliche Quellen sagen, gingen bei den Präsidenten der Schlieremer Ortsparteien entsprechende Anfragen ein. Demnach sollten Podien organisiert werden, an denen neben den Kandidierenden für den Stadtrat auch die Parteipräsidenten für ihre Partei teilnehmen sollten. Der genaue Rahmen sei jedoch offen gewesen, heisst es weiter. Die Sozialdemokraten, die Grünen und die Grünliberalen seien mit diesem Vorgehen einverstanden gewesen, doch das Wahlbündnis der bürgerlichen Parteien Schlierens (BPS) habe Bedingungen gestellt.

Tabuthema Limmattalbahn

Wie ebenfalls mehrere Quellen bestätigen, habe die BPS, bestehend aus SVP, FDP, CVP und EVP, verlangt, dass die Limmattalbahn an der Veranstaltung nicht thematisiert werde. Weiter forderten sie, dass alle Fragen, die am Podium besprochen werden sollten, den Teilnehmern im Vorfeld abgegeben werden, sodass diese sich vorbereiten könnten. Daraufhin hätten die Verantwortlichen von Freizeit Schlieren ihr Angebot unverzüglich zurückgezogen. Auf Anfrage der Limmattaler Zeitung von gestern heisst es nun, dass man sich mit den Ortsparteien nicht habe finden können bezüglich Vorstellungen der Veranstaltung.

Bei den bürgerlichen Parteien konnte man die abrupte Absage erst nicht nachvollziehen, wie BPS- und SVP-Präsident Beat Kilchenmann auf Anfrage sagt. «Wir zeigten uns offen für eine solche Veranstaltung, gaben jedoch ein paar Spielregeln bekannt», so Kilchenmann. Diese Spielregeln erachtet er keineswegs als überrissen. «Mit einer vorgängigen Bekanntgabe der Fragen wollten wir einen gepflegten Ablauf sichern. Es soll keiner unserer Kandidaten auf der Bühne überrumpelt und zerpflückt werden», so Kilchenmann.

Und warum sollte das Thema Limmattalbahn nicht besprochen werden dürfen, obwohl Ende Jahr die kantonale Abstimmung über die zweite Etappe des Bahnprojekts ansteht? «Das Thema wird immer sehr emotional diskutiert. Es würde andere Themen überstrahlen. In Schlieren gibt es noch sehr viel mehr zu besprechen», sagt er. Den kommunalen Wahlkampf sollte man nicht auf dieses Thema reduzieren.

Städte sind sehr unterschiedlich

Dass die Schlieremer Parteien nach der Absage von Freizeit Schlieren nicht selber eine Podiumsveranstaltung ins Leben riefen, liegt laut Kilchenmann an den fehlenden Ressourcen. «Natürlich finde ich es schade, dass sich unsere Kandidaten nicht auf einer Bühne präsentieren können», sagt er. Doch habe man die Veranstaltung nicht um jeden Preis durchführen lassen wollen.

Auch Walter Jucker, Präsident der Schlieremer Sozialdemokraten, findet es schade, dass der Anlass nicht zustande gekommen ist. «Unsere beiden Kandidaten und ich hätten dies gerne gemacht», so Jucker. Trotzdem habe er nicht voller Neid über die Stadtgrenze ans Dietiker Podium geblickt. «So sind unsere beiden Städte sehr unterschiedlich mit unterschiedlichen Traditionen», so Jucker. Zudem verfüge Dietikon über weitaus mehr Kandidaten, was eine solche Veranstaltung viel spannender mache.

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