Dietikon/Schlieren

Wahlkampf im Limmattal: So buhlen die Parteien um Aufmerksamkeit

Wie bei jeden Wahlen finden sich an stark frequentierten Orten, wie hier am Schlieremer Bahnhof, zahlreiche Plakate. Doch lassen sich die Parteien heuer noch viel mehr einfallen.

Wie bei jeden Wahlen finden sich an stark frequentierten Orten, wie hier am Schlieremer Bahnhof, zahlreiche Plakate. Doch lassen sich die Parteien heuer noch viel mehr einfallen.

Mit scharfem Chilli, Karikaturen, Jodelvideos und aufwendigen Wahlzeitungen wollen Limmattaler Parteien und Kandidaten so viele Wähler wie möglich für den Wahlsonntag vom 4. März mobilisieren.

So verschieden die Programme der Parteien sind, so unterschiedlich buhlen sie im Vorfeld der Gesamterneuerungswahlen vom 4. März auch um die Aufmerksamkeit der Wähler. Welcher Kandidat verfolgt welche Strategie? Wer ist online am erfolgreichsten und welche Partei vermag nur wenig aufzufallen? Bei der Suche nach Antworten ist ein Spaziergang durch die Schlieremer und Dietiker Strassen hilfreich.

Blickt man bei Letzteren zu Boden, stechen hin und wieder Schablonen-Zeichnungen ins Auge. Zu sehen ist der Umriss eines Kopfes mit den Zeilen: «Wer bewegt Dietikon?» Der Umriss erinnert ein wenig an das Wahlfoto von Anton Kiwic, der fürs Stadtpräsidium kandidiert. Auch er habe bemerkt, dass einige Social-Media-Benutzer die Ähnlichkeit festgestellt haben. «Doch weiss ich nicht, von wem die Kreideaktion stammt. Einige Stimmen vermuten auch, dass es sich um Werbung für das Stadtfest handelt», so Kiwic. Er ist auf mehreren Social-Media-Kanälen präsent. Sein Domain-Name «www.stapi-toni.ch» konnte er vom aktuellen Schlieremer Stadtpräsidenten Toni Brühlmann-Jecklin (SP) erben.

Gegen Pflästerlipolitik setzt sich die Schlieremer SP mit 10er-Packungen Pflästerli ein, die auf der Strasse als Giveaway verteilt werden. Davon liess sie 2500 Exemplare herstellen. Auch online ist die Partei präsent: Mit gut 220 Likes verfügt die Facebook-Seite der SP Schlieren über die grösste Reichweite der Ortsparteien. Dort verbreitet die Partei neben Wahlfotos auch eigens produzierte Videos. Das womöglich auffälligste zeigt Kandidaten beim Jodeln. Durch Abwesenheit von Facebook hingegen glänzt der SP-Stadtpräsidiumskandidat Markus Bärtschiger. Für Pascal Leuchtmann, Stadtratskandidat und Kampagnen-Verantwortlicher der SP Schlieren, kommt es auf die Mischung an. «Wir setzen nicht auf spezifisch einen Kanal, sondern versuchen so viele wie möglich zu bedienen.

Politik eine Zeichnung?

Die Schlieremer Ortspartei der SVP setzt für ihre beiden Stadträte Pierre Dalcher und Christian Meier nicht auf Wahlfotos, sondern auf Wahl-Zeichnungen. So lächeln Zeichnungen der beiden Bisherigen von zahlreichen Plakatwänden der Stadt. Auch auf Facebook ist die Ortspartei gut vertreten und kann auf 100 Abonnenten zählen, die sich die Inhalte anschauen. Dabei handelt es sich etwa um zahlreiche Fotos von Standaktionen. Kandidat Dalcher ist ebenfalls aktiv: Er veröffentlicht regelmässig aktuelle Fotos – etwa von der Verschiebung der Schlieremer Buche.

Präsident Beat Kilchenmann sagt auf Anfrage, dass man mit den Zeichnungen viel Aufmerksamkeit erhalten habe. «Unser Ziel war es, herauszustechen, was uns auch gelungen ist», sagt er. Zwar habe man gezielt auf die anstehenden Wahlen eine Facebook-Seite kreiert, die aktiv bewirtschaftet werde. Doch: Bei Kommunalwahlen geht nichts über den persönlichen Kontakt.

Auch die SVP-Kandidaten für die Dietiker Exekutive Stephan Wittwer und Roger Brunner, sowie Präsidiumsanwärter Roger Bachmann sind auf Facebook präsent. Während Wittwer und Bachmann auf Fotos und Videos von Standaktionen setzen, hat Brunners Content einen anderen Schwerpunkt: Er war erst kürzlich im Italien-Urlaub.

Philipp Müller, der für die FDP in den Dietiker Stadtrat einziehen will, verfügt gemeinsam mit Manuela Stiefel, der Kandidatin für das Schlieremer Stadtpräsidium über den stärksten Auftritt auf Facebook. Sie beide können auf die Unterstützung von rund 200 Kontakten zählen. Müllers Wahlkampf-Video, in welchem er zu Klavierklängen seine Positionen bekannt gibt, kommt auf beachtliche 2500 Klicks. Neben Artikeln zu ihrer Arbeit veröffentlicht Stiefel auf Facebook auch Fotos von ihren Standaktionen. Ihre FDP-Kollegin Bea Krebs hält sich hingegen von Facebook fern.

«Mehr Schärfe in der Politik»

Die Schlieremer Freisinnigen fallen durch eine leicht provokative Aktion auf: Unter dem Motto «WIR MACHEN für alle SCHARFes Chilli» bekochten die Freisinnigen ihre Wähler. Ein Gemeinderat bemerkte aufgrund des grossen Anklangs, dass sich die Leute wohl mehr Schärfe in der Politik wünschen.

Der ehemalige FDP-Politiker und aktuelle parteilose Martin Romer punktet in Sachen Kreativität. Nebst dem, dass er private Einblicke gibt – für ein Facebook-Video steht er vor seinem eigenen Haus und verweist auf die Wichtigkeit von Solarenergie – zeigt er auch Fotos von Fingernägeln, mit einer Dietikon-Flagge-Maniküre, die ihn zum Stadtrat wählen und einem Tisch-Service im Restaurant Tomate mit seinem Konterfei.

Über die wohl aufwendigste Print-Kampagne verfügt Lucas Neff. Der Grüne kandidiert für den Dietiker Stadtrat und liess eigens eine Wahlzeitung drucken. «Da es um eine Kaderstelle geht, war es mir wichtig, mich beim Arbeitgeber, dem Stimmvolk, vorzustellen«, sagt Neff auf Anfrage. Jeden der rund 12'000 Dietiker Haushalte liess er mit der 15-seitigen Broschüre beliefern. «Die Reaktionen waren durchweg positiv», so Neff. Einen Facebook-Account unterhalte er nicht, dies sei schlichtweg nicht «sein» Medium. Über 60 Likes verfügen die Dietiker Grünen, womit sie ihre Schlieremer Schwestersektion um knapp 50 überflügeln. Auf beiden Profilen werden aktuelle Berichte und Fotos der Kandidaten geteilt.

Guetzlibackend in die Exekutive?

Die Schlieremer Grünliberalen gehen wohl am gekonntesten mit der Klaviatur der Sozialen Medien um. Als Kontakt der Partei fühlt man sich inmitten des Geschehens: ob als Zuschauer des Guezlibackens für die Samichlaus-Aktion oder als Konsument von Infos über die neusten politischen Vorstösse. Treibende Kräfte sind hier Stadtratskandidat Andreas Kriesi – manchmal versorgt er sein Facebook-Profil mehrmals täglich mit neuem Material und unterhält einen Wahl-Countdown – und seine Nummer zwei, Songül Viridén. Sven Johannsen, der in die Dietiker Exekutive gewählt werden will, ist deutlich unauffälliger unterwegs.

Auch Heinz Illi, der für die Dietiker EVP zum Stadtpräsidenten und erneut in den Stadtrat einziehen will, ging mit Weihnachtsguetzli auf Stimmenfang. Doch auch eine Aktionen im Café Plaza und eine Papiertaschentuch- sowie Zündhölzer- Verteilaktion sollen die Wähler auf Illi aufmerksam machen. Auch er setzt nebenher auf Social Media. Auf seinem Facebook- und Instagram-Profil veröffentlicht er regelmässig Neuigkeiten von den verschiedenen Aktivitäten.

Auch der parteilose Präsidiumsanwärter Bernhard Schmid verfügt über einen Facebook-Auftritt, auf welchem er auf seine Kampagnen-Aktivitäten aufmerksam macht. Seine Videos finden trotz der lediglich knapp 50 Follower beachtliche Zuschauerzahlen: rund 1100 für den Beitrag zu seiner Limmatfeld-Planungsstopp-Initiative.

Fokus auf Plakatwerbung

Die Schlieremer wie auch die Dietiker CVP verfügt über kein Profil auf Facebook. Auf der Plattform ist auch über die beiden Kandidaten für den Dietiker Stadtrat, Rolf Schaeren und Reto Siegrist, nicht viel zu holen. Immerhin: Der Schlieremer Stadtratskandidat Stefano Kunz verfügt über eine eigene Website, auf welcher er über seine Person informiert. «Wir glauben, dass man bei Regionalwahlen online nicht viel ausrichten kann», sagt er auf Anfrage. So fokussiere man auf Plakatwerbung und den persönlichen Kontakt. «Mit kleinen Giveaways wollen wir unsere Wähler mobilisieren», so Kunz.

Die Präsidentin der Dietiker CVP, Ottilie Dal Canton, sagt auf Anfrage, dass Wahlkampf aus ihrer Sicht nicht bedeute durch ausgefallene, bemerkenswerte Aktionen aufzufallen. «Viel eher wollen wir den Wählerinnen und Wählern zeigen, was man als Partei geboten hat – etwa mit dem bemerkenswerten Leistungsausweis unserer beiden Kandidaten.»

Eine ähnliche Strategie verfolgt die Alternative Liste in Dietikon. Ernst Joss sagt auf Anfrage, dass man keine speziellen Aktivitäten plane. «Wir glauben nicht an die Wirksamkeit solcher Aktionen kurz vor den Wahlen.»

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