Familiensache

Wahlen im Limmattal: Politiker zählen auf ihre Kinder

Vor den Wahlen vom 4. März steht fest: Politik ist Familiensache. Zahlreiche Eltern-Kind-Konstellationen finden sich auf den Wahllisten im Bezirk Dietikon. Die Familienmitglieder unterstützen sich auf unterschiedliche Weise

In sieben Tagen wählen die beiden Limmattaler Städte sowie Urdorf ihre Volksvertreter. Anlässlich der heissen Phase des Wahlkampfs blicken strahlende Gesichter von Plakatwänden und Anzeigen: Dabei handelt es sich nicht immer um prominente Exponenten einer Partei. Auch Newcomern wird die Chance gegeben, ihr Konterfei einem grösseren Publikum bekanntzumachen. Oftmals sind es aber gar nicht gänzlich unbekannte Personen. Diese Augenpartie hat man schon mal irgendwo gesehen, sein Lächeln, woher kennt man das bloss? Ein Blick auf den Nachnamen der Kandidaten zeigt, dass es sich oft um den Nachwuchs von renommierten Politikern handelt.

Aufmerksam auf die Familienbande in den Parteien von Schlieren und Dietikon wird man auch beim Überfliegen der Wahllisten. SVP-Kantonsrat Rochus Burtschers Familie ist mit den Töchtern Laura und Nadine gleich zweimal vertreten. Erstere kandidiert für die SVP, letztere sitzt bereits für die EVP im Gemeinderat und will wiedergewählt werden. Mit Katharina, James und David finden sich auf der SP-Liste gleich drei Kinder des Listenersten und Präsidiumskandidaten Anton Kiwic.

Der aktuelle Dietiker Stadtpräsident Otto Müller (FDP) darf gleich zwei seiner drei Söhne auf der FDP-Liste wissen. Während Raphael Müller auf dem letzten Listenplatz zu finden ist, bekleidet Philipp den ersten und will auch gleich in den Stadtrat gewählt werden. Eine ebenfalls bekannte Polit-Familie sind die Jossens. Vater Ernst ist Listenerster bei der Alternativen Liste, Tochter Rosmarie und Sohn Christian sind auf dem zweiten beziehungsweise 33. der SP-Liste zu finden.

Politische Ambitionen?

Weniger Verwandtschaften finden sich auf Schlieremer Wahllisten. Mit Céline Steffen lässt sich die Tochter von Gemeinderat Boris Steffen (SVP) auf derselben Liste aufstellen. Bei den Freisinnigen findet sich mit Pascal Geistlich ein Enkel der einstigen Stadtpräsidentin Rita Geistlich (FDP) auf dem letzten, also dem 18. Listenplatz. Fiona Stiefel, die Tochter von Stadtpräsidiums-Kandidatin Manuela Stiefel, findet sich weiter vorne auf den zwölften Platz.

Muss der Nachwuchs hierbei als Listenfüller hinhalten, oder hegt er tatsächlich politischen Gestaltungswillen? «Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich in gewisser Weise eine Listenfüllerin», sagt Fiona Stiefel. Doch auch wenn sie zur Zeit keine allzu grossen politischen Ambitionen habe, wolle sie einen Beitrag leisten. «Damit die mir und meiner Mutter wichtigen Werte vertreten werden, stelle ich mich auch gerne auf einem hinteren Listenplatz zur Verfügung», sagt die Primarlehrerin.

Auch James Kiwic sieht sich als Listenfüller. Der Systemtechnik-Student ist auf Platz 21. der SP zu finden. «Zwar habe ich mit meiner Bachelorarbeit derzeit genug auf dem Teller. Aber: Falls ich nachrutschen sollte, bin ich nicht abgeneigt das Amt als Gemeinderat zu übernehmen», so James Kiwic. Sein Bruder David – er ist auf Platz 31 der SP zu finden und studiert Materialwissenschaften – zeigt sich gar überrascht von den Reaktionen seines Umfelds: «Lustigerweise gehen die Leute sogar davon aus, dass ich wirklich in den Gemeinderat möchte», sagt er. Doch nur um seinem Vater einen Gefallen zu tun, habe er sich nicht auf die Liste setzen lassen, betont er. «Mich interessiert ganz klar, was in Dietikon passiert.»

Laura Burtscher, die auf der Liste der Dietiker SVP den 16. Platz belegt, nimmt ihr Engagement in der Politik sehr ernst. «Ein Listenfüller, wie es viele gibt, bin ich nicht», sagt sie. Für sie sei es wichtig, dass sich junge Menschen in der Politik engagieren und: «Sollte ich gewählt werden, würde ich das Amt sofort antreten», sagt die Projekt-Assistentin.

Moschee-Besuch und Guezlen

Die Unterstützung, auf welche Politiker von ihrer Jungmannschaft zählen dürfen, geht jedoch weit über einen Platz auf der Wahlliste ihrer Partei hinaus. So helfe etwa James Kiwic bei Standaktionen, Wähler zum Stimmen zu motivieren. Gemeinsam mit anderen jungen Mitgliedern der Sozialdemokraten besuchte er anlässlich der letzten Wahlen vor vier Jahren die Dietiker Moschee, um dort einer Jugendgruppe das Abstimmen zu erklären. «Das fand ich eine interessante Erfahrung.» Auch Rochus Burtscher konnte auf die Unterstützung seiner Töchter zählen, als er in den Kantonsrat gewählt werden wollte. «Ich war oft mit ihm unterwegs und als meine Mutter für die Schulpflege kandidierte, half ich beim Bekleben von Flyern und Bleistiften», sagt Laura Burtscher.

Tatkräftig unterstützt auch Fiona Stiefel den Präsidiumswahlkampf ihrer Mutter. So habe sie in den vergangenen Wochen beispielsweise Stiefeli-Guetzli gebacken und zahlreiche Flyers verteilt, sagt Fiona Stiefel. «Zudem unterstütze ich sie auf Facebook und habe ein Testimonial abgegeben.»

Ein klares Vielleicht

Auf die Frage, ob der Polit-Nachwuchs dereinst in die Fussstapfen seiner Eltern treten wird, gibt es ein klares Vielleicht. Sie engagiere sich gerne für die Gemeinschaft, sagt Fiona Stiefel. Etwa im Vorstand der Stadtjugendmusik, der Harmonie Schlieren und im erweiterten Organisationskomitee des Schlierefäschts 2019. «Grundsätzlich kann ich mir auch ein öffentliches Amt vorstellen. Einfach alles zu seiner Zeit.» So habe sie von ihrer Mutter gelernt, dass es nicht selbstverständlich ist, in einer Gesellschaft zu leben, in welcher der soziale Frieden gross ist, Höchstleistungen belohnt werden und Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, in Würde leben können.

Auch James und David Kiwic können es sich vorstellen, irgendwann in der Lokalpolitik tätig zu sein. Seine Eltern hätten ihn stets seine eigene Meinung bilden lassen, sagt David Kiwic. «Uns Kindern wurde eine gewisse Offenheit gegenüber anderen Menschen und anderen Ideen mit auf den Weg gegeben», sagt er. James Kiwic fügt an, er habe früh gelernt anständig und respektvoll mit Mitmenschen umzugehen.

Für Laura Burtscher ist es in naher Zukunft kein Ziel, eine ähnliche Politkarriere wie ihr Vater einzuschlagen. «Wie es sich später entwickelt, lasse ich jedoch auf mich zukommen.»

Dass Kinder in die Fussstapfen ihrer Eltern treten, zeigt sich beispielhaft in Dietikon. Hier kandidiert der Sohn des Stadtpräsidenten Otto Müller (FDP) für einen Sitz in der Exekutive. Ob er den Sprung in den Stadtrat schafft, zeigt sich an den Wahlen am 4. März.

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