Maskenpflicht

Vorbildliche Fahrgäste: Limmattaler Passagiere ohne Maske sind die Ausnahme

Die allermeisten Reisenden wie diese hier am Bahnhof Dietikon befolgen die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.

Die allermeisten Reisenden wie diese hier am Bahnhof Dietikon befolgen die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr.

Transportbetriebe im Limmattal ziehen nach knapp drei Wochen Maskenpflicht eine positive Bilanz – einzig spät abends hapert es mit der Disziplin des einen oder anderen Reisenden.

Seit dem 6. Juli heisst es «Maske auf» im öffentlichen Verkehr. Der Bundesrat führte in Bus, Zug, Tram, Schiff sowie Berg- und Seilbahn eine Maskenpflicht ein. Damit wollte er einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus entgegenwirken angesichts der steigenden Zahl an Neuinfektionen. Das Fazit nach knapp drei Wochen: Fast jeder Passagier hält sich daran – auch im Limmattal. Dies bestätigt Sirhan Sinani, Betriebsleiter der Limmat Bus AG. Die Firma mit Sitz in Dietikon ist Teil des Bahn- und Busunternehmens Aargau Verkehr und bedient im Auftrag der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) zehn Buslinien im Limmattal.

«95 bis 97 Prozent unserer Fahrgäste tragen Masken. Das ist eine erfreuliche Zahl», sagt Sinani. Es gebe einzelne Fälle, in denen Passagiere in den Bus einsteigen würden und erst dann merkten, dass sie keine Maske dabeihätten. In den ersten Tagen sei die Umstellung vor allem auch für die Fahrerinnen und Fahrer eine Herausforderung gewesen, sagt Sinani. «Sie wurden von Fahrgästen angesprochen, warum sie Busbenützer ohne Maske nicht dazu auffordern würden, eine anzuziehen oder den Bus zu verlassen», erzählt Sinani. «Die Aufgabe unserer Chauffeure war vielen Fahrgästen wohl nicht klar. Sie spielen nicht Polizisten.» Für die Kontrolle und die Einhaltung der Maskenpflicht seien die VBZ zuständig.

Busfahrer dürfen, aber müssen keine Maske tragen

Die VBZ hätten zusätzlich eine Durchsage in den Bussen eingerichtet, um die Fahrgäste darauf hinzuweisen. «Mittlerweile hat sich die neue Regel aber gut eingespielt», sagt Sinani. Er habe keine negativen Mitteilungen von seinen 93 Fahrerinnen und Fahrer erhalten, was die Reaktion von Passagieren auf die Maskenplicht angehe. «Schliesslich ist es ein Entscheid des Bundesrats, an den sich alle halten müssen», findet Sinani.

Die Bus-Chauffeusen und -Chauffeure hingegen dürfen, aber müssen keine Maske tragen. «Der Fahrerbereich ist abgesperrt und offen, sodass der Abstand zu den Fahrgästen gegeben ist», erklärt Sinani. Es komme aber ab und zu schon mal vor, dass Fahrgäste die Absperrung missachten würden, weil sie beim Fahrer ein Busbillett kaufen wollen, obwohl das seit dem Corona-Ausbruch nicht mehr möglich sei. Auf alle Fälle eine Maske anziehen, müssten Fahrerinnen und Fahrer, wenn sie die Rampe für rollstuhlfahrende Fahrgäste bereit machen, weil dann der Abstand nicht eingehalten werden könne.

Es gibt keine spezifischen Masken-Kontrollen

Auch die VBZ ziehen eine positive Bilanz. «Insgesamt halten sich die Fahrgäste sehr konsequent an die Maskenpflicht. Fahrgäste ohne Maske sind die Ausnahme», sagt VBZ-Mediensprecher Oliver Obergfell. An den Wochenenden, besonders in den späten Abendstunden, seien auch mal mehr Personen ohne Maske unterwegs. Im Rahmen der Fahrausweiskontrolle sprechen VBZ-Mitarbeitende auch Fahrgäste an, die keine Masken tragen. Spezifische Masken-Kontrollen würden aber nicht durchgeführt, so Obergfell. «Bisher haben Fahrgäste ohne Maske auf Ansprache durch VBZ-Mitarbeitende eine Maske angezogen oder sind ausgestiegen, um eine zu erwerben. Wenn möglich helfen wir auch mal mit einer Maske aus.» Bis jetzt habe man keine Konfliktsituationen zwischen Mitarbeitenden und Fahrgästen registriert. Für das Verhängen von Anordnungen zur Umsetzung der Maskenpflicht seien die Kantone zuständig. «Das Fahrpersonal im Bus und Tram ist abgetrennt und dadurch geschützt. Die Maskenpflicht wird von ihnen dennoch als positiv wahrgenommen, da sie einen gegenseitigen Schutz bei Hilfeleistungen zum Beispiel für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste bietet», sagt Obergfell.

Die SBB zeigen sich ebenso zufrieden. «Die Einführung der Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Verkehr hat zu klaren Verhältnissen für alle geführt», sagt SBB-Mediensprecher Reto Schärli. Die Bilanz sei aus SBB-Sicht äusserst positiv. Praktisch alle Zugreisenden würden die Regel befolgen. Darüber würde sich auch das Personal freuen.

Spontan helfen Mitreisende mit einer Maske aus

«Deren Aufgaben bleiben die gleichen wie bisher. Unsere Mitarbeitenden erinnern an die Maskenpflicht, sprechen aber keine Busse aus», sagt Schärli. Man habe wenige Rückmeldungen erhalten, dass Passagiere nicht über die Maskenpflicht informiert gewesen seien. «Auf den freundlichen Hinweis unseres Personals setzen Personen ohne Maske eine auf oder erhalten manchmal spontan von Mitreisenden ein Exemplar.»

Auf die Hygiene legen die SBB seit der Pandemie besonders grossen Wert. Schärli betont, dass die Züge verstärkt gereinigt würden. «Speziell all jene Stellen, mit denen Reisende direkt in Berührung kommen könnten. Dazu gehören Knöpfe, Griffe und Handläufe, aber auch Sitzbänke, Infostelen und Billettautomaten.» Zusätzlich stellten die SBB an grossen Bahnhöfen Desinfektionsmittelspender bereit. Ob sich die Maskenpflicht positiv oder negativ auf die Nutzung des öffentlichen Verkehrs auswirkt, ist für die SBB schwierig einzuschätzen. Die Auslastung habe sich mit der Maskenpflicht bisher nicht verändert. Es sei noch zu früh, um diesbezüglich Bilanz zu ziehen.

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