Interview

«Viel strenger als vorher»: KMU-Präsident Werner Scherrer im Dauereinsatz

«Für mich ist es im Moment viel strenger als vorher», sagt Werner Scherrer.

«Für mich ist es im Moment viel strenger als vorher», sagt Werner Scherrer.

Werner Scherrer ist als Präsident des kantonalen KMU- und Gewerbeverbands und Ratgeber rund um die Uhr im Einsatz. Bei den betroffenen Branchen beschreibt er alles auf drei Ebenen und führt aus, wie er die Situation beurteilt.

Welches sind die Herausforderungen, mit denen sich KMU und Gewerbebetriebe zurzeit konfrontiert sehen?

Werner Scherrer: Im Mittelpunkt steht die Unsicherheit, in der man nicht weiss, was mit einem passiert. Die Situation löst Re­spekt und Ängste aus. Viele Gewerbetreibende fragen sich, wie es weiter möglich ist, Löhne auszubezahlen, Mieten zu bezahlen und an Geld zu kommen.

Welche Fragen werden Ihnen am häufigsten gestellt?

Viele Fragen drehen sich um Existenzängste. Unternehmer und Gewerbetreibende haben ihr Geld in ihre Firma investiert und haben keine grossen frei verfügbaren Reserven. Jetzt haben sie von einem Tag auf den anderen kein Einkommen mehr. Viele möchten wissen, wo sie sich melden können und wo sie Hilfe erhalten. Wir sind zurzeit daran, einen Leitfaden zu erarbeiten und stellen diesen so rasch wie möglich zur Verfügung.

Gibt es Branchen, die besonders stark und solche, die etwas weniger betroffen sind?

Ich denke, es gibt drei Ebenen: Lieferdienste, Online-Spiel­warengeschäfte und ähnliche Anbieter machen zurzeit deutlich höhere Umsätze. Aber ein Grossteil der Betriebe funktioniert gar nicht mehr. Auch ich selber musste am letzten Dienstag von einer Minute auf die andere mein Geschäft schliessen. Dann gibt es noch diejenigen ohne direkten Publikumskontakt, beispielsweise Mechaniker in einer Werkstatt oder Bauarbeiter. Es ist ganz wichtig, dass die Leute, die ihre Arbeit trotz Einschränkungen weiter ausführen können, dies auch weiterhin tun können. Der Schaden wäre immens, wenn – wie von den Gewerkschaften verlangt – alles auf null heruntergefahren würde. Denn auch Überbrückungskredite und gestundete Zahlungen müssen später einmal zurückbezahlt und beglichen werden.

Wie beurteilen Sie die Massnahmen von Bund und Kanton?

Ich gehe davon aus, dass damit bereits ein Grossteil der Fälle gelöst werden kann. Es gibt aber auch ganz viele individuelle Situationen, die damit vermutlich noch nicht abgedeckt sind. Es ist nun unsere Aufgabe, auch dafür nach Lösungen zu suchen.

Und wie geht es Ihnen als Troubleshooter und Tröster?

Für mich ist es im Moment viel strenger als vorher. Es ist emotional sehr belastend, mit Menschen zu tun zu haben, die wirklich um ihre Existenz bangen.

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