Manuela Stiefel

Unterstützung durch das Gewerbe fehlte: «Unser Einfluss wird überschätzt»

Manuela Stiefel unterzeichnete das 5-Punkte-Programm der Schlieremer Wirtschaftsvertreter nicht und konnte deshalb nicht auf deren Unterstützung zählen.

Manuela Stiefel unterzeichnete das 5-Punkte-Programm der Schlieremer Wirtschaftsvertreter nicht und konnte deshalb nicht auf deren Unterstützung zählen.

Das Schlieremer Gewerbe unterstützte Manuela Stiefel nicht bei ihren Präsidiums-Ambitionen, weil sie dessen 5-Punkte-Programm nicht unterzeichnete. Einzig die Schlieremer Gewerbekammer sprach sich öffentlich für die FDP-Stadträtin aus.

Die Überraschung war gross, als FDP-Stadträtin Manuela Stiefel diese Woche ihren Verzicht auf die Teilnahme am zweiten Wahlgang ums Schlieremer Stadtpräsidium bekannt gab. Verfügte sie anlässlich des ersten vom vergangenen Sonntag doch über einen Vorsprung von 160 Stimmen auf ihren Konkurrenten Markus Bärtschiger (SP). Als einen der Gründe für ihren Rückzug wurde fehlende Unterstützung vonseiten der Wirtschaft genannt. Tatsächlich unterstützten Schlieremer Wirtschaftsvereine Stiefel auf ihren offiziellen Kanälen nicht. Etwa im Newsletter des Hauseigentümerverbands (HEV) empfiehlt dieser die Wiederwahl der beiden SVP-Stadträte, den Namen Stiefel sucht man vergebens.

Die Wirtschaftsvertreter Schlierens bestehend aus dem HEV, der Wirtschaftskammer und dem Gewerbeverband erarbeiteten einen 5-Punkte-Plan, der von den beiden SVP-Vertretern im Stadtrat unterzeichnet wurde. Neben Grundsätzlichem wie dem sparsamen Einsatz von Steuergeldern, der Schaffung eines Wirtschaftsrats und der Schaffung von attraktiven Submissionsverfahren für Schlieremer Unternehmen, fordert er auch Konkretes. So soll etwa die Revision der Bau- und Zonenordnung innerhalb eines halben Jahres nach der Wahl in Angriff genommen werden und für mehr Parkhäuser im Zentrum gesorgt werden.

Nur die SVP-Kandidaten unterzeichneten das Programm

«Nur die SVP-Kandidaten haben unser 5-Punkte-Programm unterzeichnet, daher wurden auch nur sie von uns empfohlen», sagt Beat Friedrich, Vizepräsident des HEV Schlieren. «Wir haben den Eindruck, dass der bürgerlich dominierte Stadtrat zusehends linke Politik macht», so Friedrich weiter. Als Beispiele hierfür nennt er die Begegnungszone beim Bahnhof und die Gestaltung der Geissweid. Dass die Wirtschaftsvereine dafür verantwortlich sein sollen, dass Stiefel die Wahl im ersten Wahlgang verpasste, glaubt er nicht. «Unser Einfluss auf die Mitglieder wird mit dieser Vermutung sicherlich ein wenig überschätzt», sagt Friedrich. Er persönlich hätte Stiefel gerne als Stadtpräsidentin gesehen. Rund 400 Personen hätten den Newsletter erhalten.

Warum unterzeichnete Stiefel die von der Wirtschaft aufgestellten fünf Forderungen nicht? FDP-Präsidentin Barbara Angelsberger sagt, es sei dabei nicht primär um die inhaltlichen Forderungen gegangen, sondern um deren operativen Charakter. «Man kann doch nicht den Zeitrahmen von einem halben Jahr für eine BZO-Revision vorgeben. Der Stadtrat ist ein Gremium mit sieben Mitgliedern, alleine entscheidet hier niemand etwas», so Angelsberger.

Oft braucht es zweiten Wahlgang

Sie erinnert an die Forderungen der Schlieremer Wirtschaftsvertreter von vor vier Jahren. «Damals waren die Punkte als allgemeine Anregung und als Stossrichtung formuliert», sagt sie. Hätte man die heutigen Forderungen unterzeichnet, wäre dem Wähler etwas vorgemacht worden, dass man als einzelner Stadtrat oder Stadträtin nicht einhalten könne. «Es ging uns darum, dass sich ein Stadtrat für die geforderten Belange einsetzen soll. Uns ist klar, dass man als Einzelmitglied nicht die Politik des Gremiums bestimmen kann», so Friedrich.

Einzig die Schlieremer Gewerbekammer sprach sich öffentlich für Stiefel aus. «Bereits im September haben wir sie zur Wahl empfohlen und standen geeint hinter ihr», sagt Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Geistlich. Zwar zeigt auch er sich überrascht vom knappen Ergebnis: «Doch ist es oft so, dass ein neuer Stadtpräsident erst im zweiten Wahlgang ins Amt gewählt wird», sagt er weiter.

Meistgesehen

Artboard 1