Jetzt wird klar, warum das Volk des rechten Limmattals voraussichtlich noch nicht 2018 über das Geld abstimmen kann, mit dem das Seniorenzentrum Im Morgen in Weiningen ausgebaut und saniert werden soll. Mitunter geht es um das Architektenhonorar. Um dieses zu besprechen, sass der Fachvorstand des Zweckverbands im Sommer 2017 mit den Architekten zusammen. Aber man wurde sich nicht einig.

Das Problem dahinter: Die Ausarbeitung des Vorprojekts – basierend auf dem siegreichen Projekt aus dem Studienauftrag – hätte angesichts des geforderten Architektenhonorars mehr Geld gekostet, als die Delegiertenversammlung selber sprechen kann. Ihre Kreditkompetenz geht nur bis 750'000 Franken. So wäre also eine Urnenabstimmung in Ober- und Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil nötig gewesen.

Eine solche wollte man aber zum jetzigen Zeitpunkt, vor Ausarbeitung des Vorprojekts, noch nicht. «Dafür ist es zu früh. Eine Urnenabstimmung über fünf Gemeinden hinweg ist keine einfache Sache. Wir möchten dem Volk ein Projekt präsentieren, dessen Kosten genau bezifferbar sind», erklärt der Weininger Sozialvorstand Reto Beutler (FDP), der seine Gemeinde als Delegierter im Zweckverband vertritt.

Jetzt wird Totalunternehmer gesucht

Nun wurde ein neuer Weg eingeschlagen. Die Delegiertenversammlung hat am 30. Januar einen Kredit von 247'000 Franken für eine Totalunternehmer-Submission gesprochen. Voraussichtlich im März soll gemäss den Regeln des öffentlichen Beschaffungswesens ein Auftrag des Zweckverbands ausgeschrieben werden, der alle Schritte von der Planung des Projekts bis zur Fertigstellung beinhaltet. Damit geht man also sozusagen einen Schritt zurück. «Es ist schade, dass man nicht mit dem Siegerprojekt weitermachen konnte. Doch es hätte sich finanziell nicht verantworten lassen», sagt der Vizepräsident des Zweckverbands, der Weininger Alt-Gemeinderat Konstantin Schütterle.

Bislang hatte man 360'000 Franken für die Planung zur Verfügung. Diesen Betrag hatte die Delegiertenversammlung 2016 für die Planung mit dem Studienauftrag ausgesprochen. Vom erwähnten Kredit wurden bisher 315'000 Franken beansprucht.

Siegerprojekt als Gedankenstütze

Nun also die Totalunternehmer-Submission. Diese soll keine Plan-B-Notlösung sein. Ganz im Gegenteil: «Wir hatten im Wettbewerb fünf gute Projekte und ein sehr gutes Projekt. Der Architekt, der für das noch auszuwählende Totalunternehmen das neue Projekt anfertigt, wird auf dieser Basis ein sehr, sehr gutes Projekt anfertigen», sagt Gian-Reto Peer vom Bauberatungs- und Bauplanungsunternehmen Helbling, das das Studienauftragsverfahren professionell begleitete und nun auch die Totalunternehmer-Submission begleiten wird.

Kann ad acta gelegt werden: Diese Visualisierung zeigte, wie die Erweiterung des Seniorenzentrums mit dem Siegerprojekt ausgesehen hätte.

Kann ad acta gelegt werden: Diese Visualisierung zeigte, wie die Erweiterung des Seniorenzentrums mit dem Siegerprojekt ausgesehen hätte.

Von den Projekten, die im Studienauftragsverfahren eingereicht wurden, sind zwar nicht die Urheberrechte, aber die Pläne ins Eigentum des Zweckverbands übergegangen. Sie sollen den Architekten, die für das Totalunternehmen ein neues Projekt ausarbeiten, als Gedankenstütze dienen. Eins zu eins eines der bisherigen Projekte bauen geht nicht: Dafür hätte der Zweckverband beispielsweise die Urheberrechte des Siegerprojekts abkaufen müssen. Die Totalunternehmer-Submission soll Vorteile mit sich bringen. «So haben wir eine Termingarantie und eine Kostengarantie», sagt Peer.

Kostenrisiken wollen die Verantwortlichen keine eingehen. Sie wurden sich klar darüber, dass die Kosten extrem wichtig sind. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu sehen, dass an der Delegiertenversammlung ein Ergänzungsantrag von Reto Beutler angenommen wurde, der ein Expertengremium zur Kostenüberprüfung forderte. Konkret wird dieses Gremium den Totalunternehmerauftrag auf Herz und Nieren prüfen, bevor er dann tatsächlich ausgeschrieben wird. «Ob es gut kommt, hängt im Wesentlichen davon ab, wie man den Auftrag ausschreibt», erklärt Beutler seinen Antrag, der an der Versammlung mit sechs zu vier Stimmen angenommen wurde.

«Ich will jetzt, dass es vorwärtsgeht, und bin überzeugt, dass wir auf einem guten Weg sind», so Beutler weiter. Das Siegerprojekt sei zwar sehr gut gewesen, habe aber nicht in allen Punkten am besten abgeschnitten. In diesem Sinne soll es also durchaus Potenzial geben, um ein noch besseres Projekt für die Erweiterung und die Sanierung des Seniorenzentrums zu erhalten.

Diverse Anträge gestellt

Ähnlich sieht es auch Doris Muntwyler (FDP), die als Unterengstringer Gesundheitsvorsteherin und Delegierte die Gemeinde Unterengstringen im Zweckverband vertritt. Sie sagt: «Der jetzige Zustand des Seniorenzentrums ist eigentlich unhaltbar. Der Bedarf für mehr Platz und für die Sanierung ist klar gegeben. Wir müssen vorwärtsmachen.» Allerdings hätte sich der Unterengstringer Gesamtgemeinderat erhofft, dass die lokale Politik des rechten Limmattals stärker in die Planung einbezogen wird. «Man muss die politischen Vertreter der Gemeinden mit im Boot haben, da diese vor der Urnenabstimmung das Projekt tragen und vorstellen müssen», sagt Muntwyler.

Vor diesem Hintergrund stellte auch sie an der Delegiertenversammlung einen Ergänzungsantrag. Sie forderte, dass ein politischer Beirat eingesetzt wird, der die Planung begleitet. Der Antrag scheiterte mit 6 zu 4 Stimmen. Denn die Gegner wollten das ganze Planungsgremium nicht weiter aufblähen. «Wir haben aber die Zusicherung erhalten, dass der Informationsfluss an die politischen Gremien sichergestellt werden wird», sagt Muntwyler. Ein Antrag der Geroldswiler Sozialvorständin Veronika Neubauer (SVP) auf Rückweisung des Kredits für die Totalunternehmer-Submission wurde ebenfalls abgelehnt.

Architekt nimmt Stellung

Beim renommierten Architekturunternehmen Niedermann Sigg Schwendener Architekten AG, bekannt unter dem Kurznamen Nusus, ist man derweil enttäuscht, dass der Zweckverband das Siegerprojekt nun doch nicht mit den Autoren respektive mit Nusus weiter verfolgen will. «Wir wollen niemandem an den Karren fahren, halten aber fest, dass wir so etwas noch nie erlebt haben», sagt Philipp Sigg von Nusus.

Und weiter: «Der Fachvorstand des Zweckverbands hat reichlich spät gemerkt, dass er eigentlich eine Totalunternehmer- und nicht eine Generalplanersubmission hätte ausschreiben sollen.» Vom Entscheid des Fachvorstands sei auch die Fachjury des Studienauftragsverfahrens überrascht gewesen. «Wir sind alle etwas vor den Kopf gestossen und verstehen es bis heute noch nicht ganz, zumal unsere Honoraransätze branchenüblich waren.»

Dies würde den Schluss nahelegen, dass der Zweckverband die Höhe branchenüblicher Ansätze unterschätzt hatte. Um einen Drittel gingen die Vorstellungen von Architekturfirma und Zweckverband auseinander. Die genauen Zahlen sind nicht zu erhalten. Nusus hatte laut Sigg bereits 1200 Stunden in das Wettbewerbsprojekt investiert. «Wir haben auch Hand geboten. Für uns wäre es okay gewesen, einen Teil des Honorars vorbehältlich der Urnenabstimmung zu erhalten. Dieses Risiko wären wir eingegangen», erklärt Sigg weiter. Der Baukredit für die Erweiterung und Sanierung des Seniorenzentrums wird rund 40 Millionen Franken betragen. Die Urnenabstimmung wird laut Schütterle 2019 stattfinden.