Die Überraschung ist riesig. Noch am vergangenen Sonntag schaffte Manuela Stiefel die Wiederwahl in den Stadtrat mit dem besten Resultat aller acht Kandidaten. 1565 Schlieremer wählten sie in das Gremium. Dieses Resultat erfülle sie mit Stolz und sie erkenne darin eine hohe Wertschätzung ihrer politischen Tätigkeit der letzten acht Jahre, schreibt Stiefel in einer Mitteilung von gestern Abend. «Die Wählerinnen und Wähler haben mir damit auch eindrücklich gezeigt, wo sie mich sehen wollen: im Stadtrat und nicht an dessen Spitze», schreibt sie weiter.

Damit spricht sie das Resultat ihrer Kandidatur zur Stadtpräsidentin an. Die FDP-Politikerin verpasste das Absolute Mehr von 1073 Stimmen und erreichte lediglich deren 977. Ihr einziger Kontrahent, Markus Bärtschiger von den Sozialdemokraten, erzielte 817 Stimmen und wies somit einen Rückstand von 160 Stimmen auf. Trotz dieses Resultats: «Ich habe mich entschieden, in den kommenden vier Jahren mein Amt als Stadträtin und Ressortvorsteherin Finanzen und Liegenschaften weiterhin mit Weitblick, Herzblut und Tatkraft auszuüben und verzichte auf einen zweiten Wahlgang als Stadtpräsidentin», so Stiefel weiter. Für weitere Fragen stand die Stadträtin gestern Abend nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen verwies sie auf ihre Parteipräsidentin.

Andere erhielten Stimmen

«Das Ergebnis vom Wahlsonntag hat uns sehr irritiert», sagt FDP-Präsidentin Barbara Angelsberger auf Anfrage. So hätten Stiefel über 500 Personen zwar zur Stadträtin, jedoch nicht zur Stadtpräsidentin gewählt. Über die Gründe für diesen Umstand lasse sich nur spekulieren. «Fest steht, dass der bürgerliche Block nicht gehalten hat», so Angelsberger. So erhielten zahlreiche andere Stadträte teils viele Stimmen für die Wahl zum Stadtpräsidenten. Christian Meiers (SVP) Name wurde etwa 56 mal aufgeschrieben, Andreas Kriesi (GLP) erhielt 47 Stimmen, Stefano Kunz (CVP) deren 39 und Bea Krebs (FDP) 22. «Hätten diese Wähler ebenfalls für Manuela Stiefel gestimmt, hätte sie das Absolute Mehr erreicht», so Angelsberger.

Einen Grund ortet Angelsberger bei der mangelnden Unterstützung durch die Schlieremer Wirtschaftsverbände. «Diese haben im Wahlkampf wenig unternommen, um Manuela Stiefel zu unterstützen», sagt sie. Dass der in Schlieren zu beobachtende Linksrutsch zum verhaltenen Ergebnis geführt hat, glaubt sie nicht. «Hätte dies eine Rolle gespielt, hätte Markus Bärtschiger nicht über 100 Stimmen weniger für seine Wahl in den Stadtrat erhalten.»

Was nun? Für den zweiten Wahlgang ums Schlieremer Stadtpräsidium, der für den 10. Juni angesetzt ist, kann sich jeder gewählte Stadtrat zur Verfügung stellen. Für Stiefel hätte es gut ausgesehen, da sie als Spitzenreiterin aus dem ersten Wahlgang in den Ring gestiegen wäre und kein Absolutes Mehr, sondern nur mehr Stimmen hätte machen müssen. «Es lässt sich nicht abschliessend sagen, dass von den bürgerlichen Parteien keine Kandidatur mehr kommt. Doch stehen die Chancen schlecht, da alles sehr kurzfristig ist», sagt Angelsberger.

Bärtschiger steht bereit

Walter Jucker, Präsident der Sozialdemokraten, war gestern überrascht vom Entscheid Stiefels. «Dies sah ich nicht kommen», sagt er. Dass der SP das Stadtpräsidium auf sicher ist, glaubt Jucker jedoch nicht. «Uns ist klar, dass sich jeder der gewählten Stadträte noch ins Präsidium wählen lassen kann. Nun müssen wir erst mal sehen, was passiert», so Jucker. Markus Bärtschiger, der gestern Abend nicht erreichbar war, stehe nach Juckers Wissenstand für einen zweiten Wahlgang zur Verfügung.

Neben Stiefel und Bärtschiger wurden am vergangenen Sonntag auch die bisherige Schulpräsidentin Bea Krebs (FDP), der Sozialvorstand Christian Meier (SVP) und Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) wiedergewählt. Neu ins Gremium zogen Pascal Leuchtmann (SP) und Andreas Kriesi (GLP) ein.