Lehrplan
Stiftung gegen Antisemitismus lehnt eine religiöse Indoktrination ab

Die jüdisch-orthodoxen Privatschulen sind auf dem Prüfstand – wegen der Muslime. Für sämtliche 18 religiösen Schulen im Kanton Zürich gilt: Der amtlich festgelegte Lehrplan muss eingehalten werden.

Thomas Marth
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Hebräisch- und Tora-Unterricht hat an jüdischen Privatschulen nur in Zusatzfächern zu erfolgen. Das Volksschulamt prüft dies nun.

Hebräisch- und Tora-Unterricht hat an jüdischen Privatschulen nur in Zusatzfächern zu erfolgen. Das Volksschulamt prüft dies nun.

Raphael Hühnerfauth

Das Volksschulamt des Kantons Zürich hat den Antrag des Vereins Al Huda abgelehnt, in Volketswil einen islamischen Kindergarten führen zu dürfen. Ausschlag für den am Dienstag bekannt gegebenen Entscheid ist unter anderem die Nähe des Vereins zum Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS).

Es bestehe die Gefahr, dass den Kindern einseitig Werte vermittelt werden, die mit den Leitsätzen der Volksschule wie Toleranz, Offenheit und Dialogfähigkeit nicht vereinbar sind, begründete der Kanton seine Ablehnung. An der religiösen Ausrichtung an sich habe es nicht gelegen.

18 religiöse Schulen im Kanton

Das ist auch nicht möglich. Werden die Rahmenbedingungen zur Führung eines Kindergartens oder einer Schule eingehalten, sind Anträge zu bewilligen, so will es das Gesetz. Auf der Website des Volksschulamtes ist eine Liste mit allen Privatschulen im Kanton Zürich aufgeschaltet. Es sind 155. Davon gelten 18 als «Schulen mit religiösen und konfessionellen Schwerpunkten».

Bis auf die «Christliche Schule Dübendorf» der Arbeitsgemeinschaft für Schulen auf biblischer Basis befinden sich alle in der Stadt Zürich. Dazu gehören die Freie Evangelische Schule mit einem und die Freie Katholische Schule mit drei Standorten. Weiter aufgeführt sind der katholisch geführte St.-Martin-Kindergarten, die «A bis Z Privatschule» der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sowie die Privatschule A. Rothen von Scientology.

Ausnahmen für Kader-Kinder

Neben den Leitsätzen, deren Nichteinhaltung in Volketswil befürchtet wurde, muss eine Privatschule auch sicherstellen können, dass sie mit dem Zürcher Lehrplan übereinstimmt. Dieser legt fest, was gelehrt wird. Seine Einhaltung stellt somit sicher, dass die Schüler einer Privatschule das Rüstzeug für den Übertritt in eine nächsthöhere Schulstufe erhalten.

Damit habe man selten Probleme, sagt Martin Wendelspiess, Leiter des Zürcher Volksschulamtes. Denn es liege ja auch im Interesse der Eltern und somit der Privatschulen selbst, dass die Anschlüsse gewährleistet seien. Eine Ausnahme bilden die Schulen für Fremdsprachige, deren Eltern als Angestellte internationaler Firmen nur ein paar Jahre in Zürich leben. Diese Schulen dürfen jedoch auch keine Kinder von permanent Ansässigen aufnehmen.

Prüfung wurde angekündet

Leitsätze- und Lehrplan-konform sind auch die neun jüdischen Schulen auf der Volksschulamts-Liste. Zumindest bis jetzt. Vor einigen Wochen teilte die Bildungsdirektion den Schulen mit, dass sie im Sinne der Gleichberechtigung der Religionsgemeinschaften und wegen diverser Veränderungen in der Volksschule die religiös-konfessionellen Privatschulen überprüfen wolle.

Konkret interessiert, ob die weltlichen Fächer neben den religiösen das nötige Gewicht erhalten. Im Fokus stehen dabei die jüdisch-orthodoxen Schulen. Sie hätten einen Brief mit der Ankündigung einer Überprüfung erhalten, sagt Volksschulamtschef Martin Wendelspiess. Er betont jedoch, dass man sich im Dialog finden wolle. Ultimaten und dergleichen gebe es nicht.

Für Ronnie Bernheim, Präsident der konfessionell und politisch unabhängigen GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, steht fest, dass eine Schule - auch eine religiös orientierte - Kinder weder politisch noch religiös indoktrinieren darf. Verfassung und Gesetze seien zu respektieren.

Bernheim verweist darauf, dass das Spektrum bezüglich religiöser Ausprägung gross ist unter Schulen mit religiösem Zusatzangebot, so auch bei den jüdischen Lehrinstitutionen. Es reicht von Schulen mit gemischten Klassen bis zu Knaben- und Mädchenschulen orthodoxen Zuschnitts. Aber auch dort, so betont er, gelte der Lehrplan. Die Unterweisung in Hebräisch und der Tora (Altes Testament) erfolge in Zusatzstunden.

Boom zweisprachiger Schulen

Neugründungen religiös-konfessioneller Schulen sind selten zu verzeichnen. Einen Boom erleben gerade Privatschulen, die zweisprachig unterrichten. Insgesamt besuchen sieben Prozent der Schüler und Schülerinnen im Kanton Zürich eine Privatschule.