Dietikon

Stadt Dietikon: «Kein Dispens für 0815-Bauten»

Die Kernzone im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Die Kernzone im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Die Stadt Dietikon will mit einer Teilrevision der Bauordnung die engen Fesseln der Kernzonenbestimmungen lockern. So könnten Ausnahmen bewilligt werden – wie beispielsweise das städtische Projekt «Flussbalkone», das seit Monaten auf Eis liegt.

Nach einem Rekurs eines benachbarten Grundbesitzers hatte die kantonale Baudirektion die Baubewilligung für die drei Gebäude aufgehoben. Die Begründung: Die Kernzonenbestimmungen der Stadt Dietikon liessen die «Flussbalkone»- Überbauung strikte juristisch gesehen nicht zu.

«Geraten in ein Spannungsfeld»

Die Kernzonenbestimmungen sichern und schützen seit 1987 das Gesamtbild und die Eigenart im Gebiet entlang der Reppisch, im Oberdorf und auf dem Kronenareal. «Die Vorschriften der Kernzonenbestimmungen sind sehr detailliert und verunmöglichen teilweise zeitgemässes Bauen», sagt Stadtpräsident Otto Müller.

So gerate man in ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. «Schliesslich müssen sich auch die Ortskerne weiterentwickeln», so Müller. Ein Freipass für ein Drauflosbauen soll die Teilrevision nicht sein; Bewilligungen würden nur unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen. So müssen diese Projekte gewisse Qualitätsanforderungen erfüllen und durch ein Fachgremium bewertet werden. «0815-Bauvorhaben würde also kein Dispens erteilt werden», so Stadtplaner Jürg Bösch.

Berechtigte Frage

Da drängt sich die Frage auf, ob die Stadt die Zonenordnung einfach ändern kann, damit ihr Projekt wieder zonenkonform wird. Die Frage sei berechtigt, sagt Bösch, verneint sie aber. «Der einfachste Weg wäre gewesen, einen Gestaltungsplan zu erstellen und das Projekt so zu bewilligen.» Das wäre aber den anderen Bauherren gegenüber nicht fair gewesen. «Mit der Änderung der Bauordnung haben alle Bauherren in dieser Zone die gleichen Rechte, nicht bloss die Stadt», so Bösch.

Und er hält fest, dass es sich bei diesem Zusatzartikel nicht etwa um eine Dietiker Erfindung handle, sondern um eine vom Kanton erarbeitete Klausel für Gemeinden mit strikten Kernzonenbestimmungen. Ausserdem unterstütze der Kanton das Vorgehen der Stadt und halte auch das vom Gemeinderat unterstützte Projekt «Flussbalkone» für hochwertig.

Bis die Bau- und Zonenordnung angepasst ist, wird es vermutlich Sommer: Ab heute liegt der Antrag für 60 Tage öffentlich auf, gleichzeitig wird der Antrag der kantonalen Baudirektion zur Vorprüfung eingereicht. «Wenn alles klappt, sollte die revidierte Bau- und Zonenordnung im Sommer 2013 vom Gemeinderat bewilligt sein», so Bösch.

Danach werden am Projekt die durch den Rekurs nötig gewordenen Projektanpassungen gemacht und die Baubewilligung eingeholt werden. Im besten Fall wird diese Ende 2013 vorliegen. Dann endlich könnten die Bagger für die «Flussbalkone» auffahren – mit einer Verzögerung von zwei Jahren.

Öffentliche Auflage

Der Antrag zur Ergänzung der Bau- und Zonenordnung liegt ab heute Freitag für 60 Tage öffentlich im Stadthaus auf.

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