Frauenstreik

So handhaben die Limmattaler Gemeinden den Frauenstreik

Beim Bund arbeiten mehr Frauen in Führungspositionen - Demonstration für Gleichberechtigung am Frauenstreiktag in Zürich (Archiv)

Am Freitag gehen die Frauen schweizweit auf die Strasse – auch im Limmattal. Das Interesse ist jedoch nicht auf allen Gemeindeverwaltungen gleich gross. Ein Überblick.

Dietikon: Die Bezirkshauptstadt hat nach Rücksprache mit dem kantonalen Personalamt festgehalten, dass aus rechtlicher Sicht die Teilnahme an politischen Kundgebungen jeglicher Art nicht während der Arbeitszeit, sondern in der Freizeit zu geschehen hat. «Mitarbeitende, die am Streik teilnehmen möchten, müssen dies mit ihren Vorgesetzten absprechen», sagt Susanne Krähenbühl, Leiterin Personalamt der Stadt Dietikon. Ihnen werde die Teilnahme möglich gemacht, wenn immer die Umstände dies erlauben. Bei unentschuldigter Absenz vom Arbeitsplatz müsste die Stadt Dietikon arbeitsrechtliche Konsequenzen prüfen.

Schlieren: Den Mitarbeitenden der Stadt Schlieren steht es grundsätzlich frei, sich am Frauenstreik zu beteiligen. «Da die gleitende Arbeitszeit bei der Stadt Schlieren auf einer Jahresarbeitszeit basiert, können die Mitarbeitenden innerhalb bestimmter Grenzen ihre Arbeits- und Freizeit flexibel gestalten», sagt Patrick Schärer, Geschäftsleiter der Stadt Schlieren. Dabei müssen die Mitarbeitenden aber den laufenden Betrieb für die Schlieremer aufrechterhalten. Die Streikenden sollen ihre Abwesenheit mit den Vorgesetzten absprechen. «Das Vorgehen wird bei sämtlichen geplanten Abwesenheiten gleich gehandhabt», sagt Schärer. Somit sieht die Stadt den Frauenstreik als eine persönliche Angelegenheit der Mitarbeitenden. Wenn es aus betrieblichen Gründen möglich sei, stehe einer Teilnahme, als unbezahlte Abwesenheit, aus Sicht des Arbeitgebers jedoch nichts im Wege.

Spital Limmattal: «Mitarbeitende, welche an der Kundgebung teilnehmen, haben aufgrund ihrer Teilnahme mit keinen Konsequenzen zu rechnen», teilt die Medienstelle des Spitals Limmattal mit. Die optimale Betreuung der Patientinnen und Patienten müsse jedoch zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein, und der betriebliche Ablauf dürfe nicht gestört werden. Falls Mitarbeitende, welche an diesem Tag gemäss Dienstplan arbeiten müssen, an der Kundgebung teilnehmen möchten, wird falls immer möglich der Dienst abgetauscht.

Urdorf: «Die Teilnahme am Frauenstreik wird seitens Gemeinde Urdorf ermöglicht», gibt die Gemeinde auf Anfrage zu Protokoll. Die Bedingung sei, dass diese mit dem ordentlichen Betrieb von Verwaltung und Betrieben vereinbar ist. Doch bleibt die Bedingung, dass jede Teilnahme ausserhalb der bezahlten Arbeitszeit erfolgen muss.

Oberengstringen: Auch in der Gemeinde Oberengstringen ist es möglich, am Frauenstreik teilzunehmen. «Die Abwesenheit geht jedoch zulasten der Arbeitnehmenden», sagt Gemeindeschreiber Matthias Ebnöther. Zudem sei die Teilnahme den Vorgesetzten vorgängig mitzuteilen und bereichsintern zu koordinieren. Die Oberengstringer Verwaltung habe eine hohe Frauenquote und ermögliche es vielen Mitarbeitenden, Teilzeit zu arbeiten. Gleichzeitig ist die Oberengstringer Personalkommission der Auffassung, dass es in verschiedenen Branchen noch immer keine genügende Gleichbehandlung von Männern und Frauen gibt und kann nachvollziehen, wenn sich diese Branchen gegen Ungerechtigkeit wehren und auch für ihre Anliegen einstehen.

Birmensdorf: Die Mitarbeiterinnen der Verwaltung Birmensdorf, die sich am Frauenstreik beteiligen möchten, müssen sich bei der Verwaltungsleitung melden. Gemeindeschreiber Andreas Strahm sagt: «Selbstverständlich dürfen Mitarbeiterinnen am Frauenstreik teilnehmen, sofern es die betrieblichen Bedürfnisse zulassen – allerdings nicht zulasten der ordentlichen Arbeitszeit.» Die Teilnahme am Frauenstreik führe zu keinen Konsequenzen im Betrieb. Beim Frauenstreik handle es sich aus rechtlicher Sicht um einen politischen Streik, welcher nicht in den Anwendungsbereich des Streikrechts falle.

Geroldswil: Ähnlich sieht es in Geroldswil aus: «Wenn eine Mitarbeiterin am Frauenstreik teilnehmen möchte, steht es ihr frei, in Absprache mit den Vorgesetzten entweder angelaufene Arbeitszeit zu kompensieren oder einen Freitag zu beziehen, sofern dies betrieblich möglich ist», erläutert Gemeindeschreiber Gregor Jurt. Bislang seien jedoch keine Anfragen vonseiten der Mitarbeiterinnen betreffend Teilnahme am Frauenstreik erfolgt. Da die Gemeinde Geroldswil insgesamt mehr Frauen als Männer beschäftigt, geht der Gemeindeschreiber davon aus, dass kein Bedürfnis vonseiten der Mitarbeiterinnen vorliegt, am Streik teilzunehmen.

Weiningen: «Es steht unseren Mitarbeiterinnen offen, darüber zu entscheiden, ob sie sich an dieser Aktion beteiligen möchten oder nicht», teilt der Gemeinderat Weiningen mit. Mitarbeiterinnen der politischen Gemeinde Weiningen, die am 14. Juni am Frauenstreik teilnehmen, haben also mit keinerlei personalrechtlichen Konsequenzen zu rechnen. Von Gesetzes wegen bestehe jedoch für Streikende kein Anspruch auf Arbeitsentgelt. Für die Verwaltungsangestellten in Weiningen bedeutet das: Wer am Frauenstreiktag teilnimmt, muss das Fernbleiben von der Arbeit mittels Bezug eines Ferientags oder durch Abbau allfällig vorhandener Überzeit kompensieren.

Uitikon: Auf der Verwaltung der Gemeinde Uitikon wurde der Frauenstreik bislang noch nicht thematisiert, deshalb gibt es auch keine speziellen Richtlinien. «Bei uns gingen diesbezüglich keine Anfragen ein. Ich erwarte auch nicht, dass jemand am Freitag streiken wird», sagt Gemeindeschreiber Sinisa Kostic.

Unterengstringen: «Wenn eine Mitarbeiterin freinehmen möchte, kann sie dies selbstverständlich tun», sagt Gemeindeschreiber Pascal Brun. Zum Frauenstreik möchte er sich jedoch nicht äussern. Dieser sei auf der Verwaltung in Unterengstringen bislang nicht zur Sprache gekommen, obwohl dort mehrheitlich Frauen tätig seien.

Bergdietikon: In der Bergdietiker Verwaltung gab es bislang noch keine Interessenten für den Frauenstreik. Auf Anfrage sagt Gemeindeschreiber Patrick Geissmann: «Bei uns ist der Frauenstreik kein Thema.»

Oetwil: Will eine Frau in Oetwil am Frauenstreik teilnehmen, «hat sie rechtzeitig Urlaub zu beantragen», sagt Gemeindeschreiber Pierluigi Chiodini auf Anfrage. Dabei wird der Streik wie jedes andere unerlaubte Fernbleiben von der Arbeit gehandhabt. Dieses wäre laut dem Gemeindeschreiber «im Einzelfall nach Massstäben der Personalgesetzgebung – im Sinne der Rechtsgleichheit – zu sanktionieren». Dabei sei ein vorgängiger Konsens mit der Mitarbeiterin prioritär anzustreben und wohl auch zu erreichen.

Aesch: Auf der Gemeindeverwaltung in Aesch sind ausschliesslich Frauen tätig. Im Gemeinderat Aesch sind vier Männer und eine Frau vertreten. «Falls eine Mitarbeiterin am Frauenstreik teilnehmen möchte, ist ihr dies selbstverständlich freigestellt, jedoch müsste sie diese Zeit kompensieren oder einen Ferientag einsetzen. Bislang habe jedoch noch niemand der Verwaltungsmitarbeitenden Interesse am Frauenstreik gezeigt», sagt Gemeindeschreiberin Suzana Sturzenegger.

Zürich: Der Stadtrat von Zürich beschloss, dass er die Frauen weder zum Streik ermutigen, noch den Streik als Arbeitszeit anrechnen würde. Er begründet diesen Entscheid damit, dass dies auch bei anderen Demonstrationen gelte. Die benötigte Zeit zum Streiken sei in jedem Fall durch unbezahlten Urlaub, Kompensation von Überstunden oder mit Ferien auszugleichen.

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