Bezirksgericht

Zwei «Hündeler» streiten vor Gericht – und die Rechnung trägt der Steuerzahler

Der Schäferhund «Wulf» lebt jetzt auf einem Bauernhof.

Der Schäferhund «Wulf» lebt jetzt auf einem Bauernhof.

In der Fahrweid sind zwei längst verfeindete Hündeler aneinandergeraten. Die gegenseitig erhobenen Anzeigen führten nun vor Gericht mangels Augenzeugen und Beweisen zu umfassenden Freisprüchen.

Es war am 21. Oktober 2013, als sich um die Mittagszeit in der Fahrweid die beiden längst verfeindeten Beschuldigten einmal mehr begegneten. Auf der einen Seite befand sich ein heute 53-jährige Besitzer eines nahen Anwesens. Der Familienvater und IV-Rentner war in Begleitung von seinen beiden belgischen Schäferhunden. Auf der anderen Seite näherte sich ein heute 48-jähriger Anwohner, ebenfalls ein IV-Rentner, der seinen kleinen «Chihuahua-Mops» ausführte.

Die beiden Anklageschriften berichteten, wie die Hunde zunächst aufeinander losrannten. Mit der Folge, dass auch die beiden Herrchen schon bald aneinandergerieten. Der ältere Hundebesitzer schlug dabei seinem Gegner mit der Faust gegen den Mund. Worauf die Lippe des Geschädigten zu bluten begann. Der Schläger doppelte mit einer heftigen Drohung nach, worauf der blutende Chihuahua-Halter nicht minder deftig zurückgab. Beide Kontrahenten verzeigten sich in der Folge gegenseitig bei der Polizei.

Diese Woche mussten beide Gegner am Bezirksgericht Dietikon erscheinen. Pikanterweise traten sie gleichzeitig sowohl als Täter und sowie auch als Opfer vor die Schranken. Der Familienvater hatte auf einen Rechtsbeistand verzichtet und musste wegen Körperverletzung sowie Drohung mit einer bedingten Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu 80 Franken sowie einer Busse von 2600 Franken rechnen. Sein Kontrahent war in Begleitung seines Anwaltes und wehrte sich gegen einen Schuldspruch wegen Drohung sowie gegen eine drohende Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu 30 Franken bedingt und 600 Franken Busse.

Langjährige Fehde

Die richterliche Befragung brachte eine langjährige Fehde zwischen den Parteien ans Licht. Da war der Hausbesitzer, der sich nicht nur über den Mitbeschuldigten, sondern auch über andere schlechte Hundehalter beschwerte. Diese würden ihre Tiere nicht angeleint über sein Grundstück laufen lassen. Worauf sich diese an seiner Haustüre entleeren würden. Am Tattag habe er sich nur mit seinen Händen gegen den unerwünschten Besucher gewehrt. Dieser habe bereits früher seiner Frau eine Ohrfeige verpasst und seinem Schäferhund mit seinem Knie einen Schlag versetzt.

Der Mieter und Anwohner sah es anders und sprach von einer «bösen Familie», die diverse Spaziergänger immer wieder angreifen würde. Die Drohung stellte er in Abrede. Sein Anwalt sprach gar von einer schikanösen Rache-Anzeige. Der Mann machte geltend, dass er infolge seiner Lippenverletzung den Speichel nicht mehr halten könne. Da ihm die Flüssigkeit immer wieder unberechenbar aus dem Mund fliesse, habe er seinen Beruf endgültig aufgeben müssen.

Als der zuständige Einzelrichter seine Urteile eröffnete, waren beide Parteien enttäuscht. So kam das Gericht mangels Augenzeugen, fehlenden Beweisen und gewichtigen Zweifeln auf beiden Seiten zu umfassenden Freisprüchen.

Das Fazit: Ausser Spesen nichts gewesen. Ausser für den Steuerzahler, der für sämtliche Prozesskosten von rund 4500 Franken aufkommen muss. Dem anwaltlich vertretenen Beschuldigten wurde zudem eine Prozessentschädigung von 7120 Franken aus der Gerichtskasse zugesprochen. Die ganze Zeche zahlte also der Staat.

Zudem ist der Konflikt alles andere als beigelegt. So kam am Prozess heraus, dass die beiden Männer vor zwei Wochen erneut aneinandergeraten sind und sich wieder gegenseitig verzeigt haben. Der nächste Prozess ist vorprogrammiert.

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