Abfall-Apokalypse

Zugemülltes Limmatufer: Unterengstringen und Schlieren kämpfen jetzt zusammen dagegen an

Mit Plakaten sagen die beiden Gemeinden der Vermüllung der Limmat den Kampf an. Auch die Abfalleimer werden nur mehr geleert.

Das blanke Entsetzen steht dem Smiley ins Gesicht geschrieben. Der Grund für seine Empörung ist der viele Müll am Limmatuferweg. «Möchten Sie, dass es vor Ihrer Haustüre so aussieht?», fragt das Smiley. Es ist ein Aufschrei gegen die Verschandelung und Zerstörung der Natur. Zu sehen ist er auf den neuen Plakaten, die die Gemeinde Unterengstringen und die Stadt Schlieren am Mittwoch gemeinsam aufgestellt haben – beim Parkplatz Langwisen bei der Engstringerbrücke sowie an verschiedenen Stellen entlang der Limmat.

«Wir haben schliesslich ein gemeinsames Problem», sagt der Unterengstringer Gemeinderat Markus Nydegger (SVP). Es gehe nun zuerst darum, zu informieren und zu sensibilisieren. Darum weisen die Plakate darauf hin, dass Littering mit 100 Franken Busse bestraft werden kann. Und es wird an die Eigenverantwortung appelliert: Wer bei seinem Ausflug an die Limmat zum Beispiel die mit Genuss geleerte Pizzaschachtel oder den Bierkarton ent­sorgen will, aber nur noch volle Abf­alleimer antrifft, soll seinen Kopf einschalten und seinen Unrat nicht einfach am Boden entsorgen – sondern mit nach Hause nehmen und dort in den Eimer werfen.

Auch im Robidog sind Ausflugsabfälle am falschen Ort. «Der Robidog ist fürs Vierbeiner-Geschäft», hält der Schlieremer Stadtrat Andreas Kriesi (GLP) fest, der dem Aufstellen der Plakate am Mittwoch zusammen mit Nydegger beiwohnte. Und die Situation aus erster Hand kennt, weil er als Werkvorstand auch immer wieder auf die ­Sache angesprochen wird: «Gerade letzten Sonntag erhielt ich schon am frühen Morgen die erste Mail, die mich darauf aufmerksam machte, dass an der Limmat wieder Abfall neben den Eimern liegt.»

Take-away-Verpflegung spielt eine wichtige Rolle

Ob die Abfalleimer voll sind oder nicht: Kartongeschirr und weitere Take-away- Food-Utensilien sollten nicht in öffentlichen Abfalleimern ­entsorgt werden. «Stopft man einen Mc-Donald’s-Sack in den Kehrichteimer, hat es nachher schnell keinen Platz mehr für weitere Abfälle», macht Kriesi ein Beispiel. Solche Abfälle sind mit ein Grund dafür, dass die Abfalleimer schon kurze Zeit nach der Leerung wieder voll sind.

Auf den neuen Plakaten steht zudem, dass man Littering der Polizei melden kann (Telefonnummer 117), per Mail an die Gemeinde Unterengstringen (info@unterengstringen.ch) oder mit dem Stadtmelder in der Schlieren-App. Wer die App nicht hat, kann sie sich schnell mit dem auf den Plakaten gezeigten QR-Code runterladen.

Die Plakate sind nicht die einzige Massnahme gegen das grassierende Littering an der Limmat. Unterengstringen schickt seine Werkmitarbeiter dieses Wochenende auch samstags los, um die Abfalleimer beim Langwisen und an der Limmat zu leeren. Und die Schlieremer, die normalerweise von Montag bis Samstag ihre Eimer an der Limmat leeren, führen als Sofortmassnahme diesen Sonntag eine zusätzliche Tour durch. Die Einführung einer permanenten Tour am Sonntag wird zudem abgeklärt, wie Kriesi sagt.

Gedruckt wurden die Plakate von der Unterengstringer Druckerei Haderer. Was nicht auf ihnen steht: Auch Zivilcourage kann ein probates Mittel gegen Littering sein. «Man kann Abfallsünder auch direkt auf ihr Verhalten ansprechen», hält Nydegger fest.

Die getroffenen Massnahmen seien «nur der Startschuss», versichert Nydegger. Die Abfallproblematik streiche man nicht von der Traktandenliste. Bestehe das Problem weiter, werde man es mit mehr Polizeikontrollen und einem knallharten Bussenregime versuchen müssen, sagt Kriesi. Die Polizei ist bereits sensibilisiert. Sie wird auch dieses Wochenende patrouillieren und mit den Leuten das Gespräch suchen.

Ende April flammten die Diskussionen über das Littering an der Limmat neu auf, als sich der Schlieremer Gemeinderat Thomas Grädel (SVP) mit einer kritischen E-Mail an den Statthalter und den Unterengstringer Gemeindepräsidenten gewandt hatte.

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