Schlieren

«Wir waren eine Grossfamilie»: So entstand die enge Bindung zwischen Limmi und Theodosianum

Diplomierung des Kurses Ampelos vom 27. März 1973: Die Schwesternschule galt 57 Jahre lang als beste Pflegeausbildungsstätte im Kanton.

Diplomierung des Kurses Ampelos vom 27. März 1973: Die Schwesternschule galt 57 Jahre lang als beste Pflegeausbildungsstätte im Kanton.

Die Geschichte des Spitals Limmattal, die mit der Eröffnung vor 50 Jahren ihren Anfang nahm, ist eng verknüpft mit jener der Ordensschwestern des Institutes Ingenbohl und der Schwesternschule Theodosianum.

Für das Limmattal war es ein besonderer Moment, als am 1. Mai 1970 das Spital in Schlieren seinen Betrieb aufnahm. Lange hatten die Gemeinden darauf hingearbeitet. Aber auch für jene 22 Ordensschwestern des Institutes Ingenbohl, die im Spital eine neue Aufgabe fanden, sowie für die Schwesternschule Theodosianum, die zu jener Zeit als beste Pflegeausbildungsstätte im ganzen Kanton galt und sich nun in Schlieren angesiedelt hatte, war es ein spezielles Ereignis.

«Es war ein Glücksfall für beide Seiten», sagt Schwester Elisabeth Müggler, die die Schwesternschule von 1983 bis 2003 leitete und 1970 als damals jüngste Ordensschwester ins Limmattal zog. Denn das neue Spital war auf Pflegepersonal angewiesen. Die Schwesternschule wiederum konnte mit dem Umzug von Zürich nach Schlieren ihre Existenz sichern.

1967 hatte sich die Leitung des Institutes Ingenbohl aus finanziellen Erwägungen dazu entschieden, das Privatspital Theodosianum an der Asylstrasse 130 in Zürich der Stadt zu verkaufen. Damit stand die Schwesternschule, die sich auf dem selben Areal befand, vor ungelösten, existenziellen Fragen. Die Anfrage von Paul Stiefel, dem ersten Spitaldirektor des Limmi, die Schwesternschule nach Schlieren zu verlegen, war daher ein Segen für die Ordensschwestern.

Am Klusplatz in Zürich brach nun eine mitunter hektische Zeit an, wie sich Schwester Elisabeth Müggler erinnert. So hätten sich die damaligen Lernenden von ihren Eltern schriftlich bestätigen lassen müssen, dass sie die Ausbildung trotz des bevorstehenden Umzugs antreten wollen. Während eine Klasse mit dem Aufräumen am alten Ort beschäftigt war, half die andere beim Einrichten der neuen Schule und des Spitals Limmattal. So wurden unter anderem alle 140 Nachttöpfe in der Abwaschmaschine der Hauptküche gereinigt, um sie dann auf die neuen Stationen zu verteilen.

Von 1970 bis 2009 war die Schwesternschule beim Limmi beheimatet.

Von 1970 bis 2009 war die Schwesternschule beim Limmi beheimatet.

Eine Zeit des Entdeckens und des Eingewöhnens

Der eigentliche Zügeltermin der Schule war auf den Osterdienstag 1970 terminiert. Schwester Elisabeth Müggler war an jenem Tag Beifahrerin bei einem Bauern, der mit seinem Traktor allerlei Utensilien von Zürich nach Schlieren transportierte. Dort angekommen, begann für die Ordensschwestern und die Lernenden eine Zeit des Entdeckens und des Eingewöhnens an die neue Umgebung. «Es stellte sich beispielsweise die Frage, wie wir unseren klösterlichen Alltag organisieren können», erinnert sich Schwester Elisabeth Müggler.

Während das Mittagessen vom Spital zubereitet wurde, seien die Schwestern für das Morgen- und Abendessen selber verantwortlich gewesen. «Weil wir am Morgen jeweils um 7 Uhr mit der Arbeit begannen, haben wir vorher in der Spitalkapelle lediglich die Laudes, das Morgengebet, abgehalten. Einen Gottesdienst mit Vesper haben wir am Abend gefeiert», sagt Schwester Elisabeth Müggler. Die Spitalkapelle war nicht nur für die Schwestern ein wichtiger Ort. Auch viele Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegezentrums sowie Angehörige schätzen sie als Ort der Stille.

Doch nicht nur die Schwestern mussten sich an ein neues Umfeld gewöhnen, auch die Limmattalerinnen und Limmattaler brauchten einige Zeit, bis sie ihre neuen Nachbarinnen kennenlernten. «Man war sich hier nicht gewohnt, dass sich Ordensschwestern frei bewegten. Im Limmattal kannte man damals nur das Kloster Fahr und das ist ein geschlossene Gemeinschaft», erinnert sich Schwester Elisabeth Müggler. Sie seien daher anfänglich nicht von allen wohlwollend aufgenommen worden. Selbst die Mitschwestern im Kloster in Ingenbohl hätten bisweilen gefragt, ob sie denn auch in Schlieren beten würden.

Eine fruchtbare Zeit für das Spital und die Schwesternschule

Ganz anders verlief die Zusammenarbeit im Spital. «Wir wurden von Anfang an offen aufgenommen. Es herrschte ein von gegenseitigem Respekt geprägter Umgang. Wir waren wie eine Grossfamilie, jeder kannte jeden», sagt Schwester Elisabeth Müggler. Dabei habe sicher auch geholfen, dass mit Schwester Kasimira Regli, der ersten Leiterin Pflege, bereits ab Herbst 1967 eine Ordensschwester, mitgeholfen habe, den Pflegedienst im Spital aufzubauen. «Es war eine fruchtbare Zeit. Sowohl für das Spital als auch für die Schwesternschule. Uns eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten. Etwa der Austausch mit ausländischen Fachkräften», erinnert sich Schwester Elisabeth Müggler.

So habe beispielsweise eine im New Yorker Stadtteil Harlem tätige Sozialpädagogin in Schlieren Vorträge gehalten. «Umgekehrt konnten, sofern die Eltern einverstanden waren, Schülerinnen in den USA eine dreiwöchige Ausbildung absolvieren», sagt Schwester Elisabeth Müggler. Anderen Schülerinnen habe man Sprachaufenthalte in Südengland ermöglichen können. «Ebenfalls in England konnte eine Delegation aus dem Limmattal das sogenannte Primary Nursing, die ganzheitliche Patientenversorgung, studieren, um das Konzept später auch im Spital Limmattal einzuführen», erinnert sich Schwester Elisabeth Müggler.

So fruchtbar die Zeit der Schwesternschule am Spital Limmattal auch war, im Jahr 2009 endete sie. Das Theodosianum schloss seine Tore endgültig. Die bildungspolitische Entwicklung hatte dazu geführt, dass die Pflegeausbildung akademisiert wurde und auf dem ganzen Kantonsgebiet nur noch zwei Institutionen in Zürich und Winterthur Ausbildungen im Gesundheitswesen anboten. Fünf Jahre später musste das Gebäude, in dem sich die Schwesternschule befand, dem Limmi-Neubau weichen.

Und dennoch, ganz getrennt ist die Bande zwischen dem Spital und dem Theodosianum bis heute nicht. So amtet mit Susanne Vanini eine ehemalige Theo-Schwester als Pflegedirektorin im Limmi. Und auch Schwester Elisabeth Müggler ist dem Spital bis heute verbunden. Seit ihrer Pensionierung ist sie für den von ihr 2003 mitgegründeten Verein Wabe Limmattal (Wachen und Begleiten Kranker und Sterbender) tätig und deshalb auch immer wieder im Spital Limmattal oder im Pflegezentrum engagiert. «Auch im neuen Spital spüre ich noch den Geist von damals», sagt sie.

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