Schlieren

Warum der Stadtrat bei der Engstringerkreuzung neue Baumversetzungen prüfen lassen will

Die Engstringerkreuzung, hier aus Richtung Westen fotografiert.

Die Engstringerkreuzung, hier aus Richtung Westen fotografiert.

Zu viele Baumfällungen und zu wenig Grün und die Velowege seien ungenügend: Der Schlieremer Stadtrat erhebt Einsprache gegen die neue Engstringerkreuzung. Unter anderem will er Baumversetzungen prüfen lassen.

Die Engstringerkreuzung in Schlieren steht vor einem Komplett-Umbau. Der Durchgangsverkehr soll sich so noch mehr von der Badener- und Zürcherstrasse auf die Bern- und Überlandstrasse verlagern. Das wollen der Kanton und die Stadt. Die Bernstrasse soll tiefergelegt werden, sodass der West-Ost-Verkehr ungestört unter der Kreuzung durchfahren kann. Zudem soll die Anzahl Spuren ausgebaut werden.

Viel Asphalt und viel Abgas also. Schlieren will aber, dass das Projekt möglichst grün und siedlungsverträglich wird, auch um des Zelgli-Quartiers willen, das nördlich der Bernstrasse liegt. Aber der Kanton geht zu wenig auf die Schlieremer Wünsche ein, findet der Stadtrat. Darum müsse er Einsprache gegen das Kreuzungsprojekt erheben, «um nicht sehenden Auges die Fehler der autogerechten 1960er- und 1970er-Jahre eins zu eins kopieren und mit der Bernstrasse eine neue Trennachse zu zementieren».

Total umfasst die Einsprache des Stadtrats 13 Punkte. Seine Anliegen hatte er zwar schon früher bei der Baudirektion geltend gemacht. Doch sie berücksichtigt viele Wünsche nicht.
Angefangen dort, wo der Lachernweg auf die Kreuzung trifft und eine neue Lärmschutzwand geplant ist. Schlieren will eine «attraktive und umfassend begrünte Konstruktion». Der Kanton dagegen plant laut Stadtrat nur eine «marginale Berankung». Überhaupt beziehen sich viele Einsprachen auf das Grün rund um die Kreuzung.

So will der Stadtrat, dass die Baudirektion prüft, ob Bäume, die gefällt werden sollen, nicht versetzt werden könnten, um sie zu erhalten.

Der neue Kreisel bei der Rütistrasse

Auch ein neuer Kreisel ist geplant. Weiter südlich, wo die Rüti- in die Engstringerstrasse mündet. Die Stadt will, dass er so gebaut wird, dass unter ihm keine Leitungen durchführen. Denn dann sind auch dort Baumpflanzungen grundsätzlich möglich.

Ebenfalls ums Grün geht es bei der Einsprache zur Strassenabwasserbehandlungsanlage. Auch dort soll der Kanton mehr Bäume pflanzen. Zudem müsse die Zuflussrinne zu dieser Anlage so begrünt werden, «dass über den Jahresverlauf gesehen ein möglichst attraktiver Farbwechsel den Strassenraum aufwertet», schreibt der Stadtrat in seinem Einsprachebeschluss weiter.
Auch an der südwestlichen Ecke von Engstringer- und Bernstrasse will der Stadtrat, dass mehr Bäume erhalten werden und eine attraktive Bepflanzung gewährleistet wird.

Auch die Fussgänger- und weiteren Verkehrsinseln stellen den Stadtrat noch nicht zufrieden. Eine attraktive Bepflanzung soll für schöne Blüten sorgen. Dies sei gerade bei der Engstringerstrasse als Einfahrtsachse ins Zentrum von zentraler Bedeutung.

Heller Strassenbelag im Kampf gegen den Klimawandel

Wegen des Klimawandels respektive um sogenannte Hitzeinseln zu vermeiden, fordert der Stadtrat zudem, dass der Strassenbelag sowie die Schallschutzelemente der Unterführung möglichst hell gestaltet werden.

Neben dem Grün beschäftigen auch Velo- und Fussgängerfragen den Stadtrat. Beim Geistlich-Areal an der Ecke Brand-, Engstringer- und Wiesenstrasse fordert die Stadt, dass das Trottoir nicht direkt an der Strasse, sondern zurückgesetzt zu liegen kommt. So soll der Platz «eine attraktive Auftaktsituation zum Zentrum von Schlieren und zum Rietpark mit dem Hochhaus» bilden. Auch der private Grundeigentümer will das so.

4,6 statt 3,5 Meter breites Trottoir gefordert

Zudem ist entlang der Bernstrasse auf der südlichen Seite nur ein 3,5 Meter breites Trottoir geplant. Die Stadt fordert 4,6 Meter. Sonst wird es gefährlich, wenn sich Fussgänger und Velos im Gegenverkehr kreuzen.

Auch links und rechts der Engstringerstrasse auf der Nordseite der Kreuzung gibt es noch viel Potenzial. Dass die Velos auf dem drei Meter breiten Trottoir statt auf einem richtigen Velostreifen fahren sollen, sei nicht akzeptabel, zumal dort ein Schulweg ist.

Auch bei der südwestlichen Ecke der Kreuzung fordert der Stadtrat eine bessere Veloführung.
Weiter hält der Stadtrat fest, das Beleuchtungskonzept sei nicht schlüssig und die Leuchtelemente entsprächen nicht der zentrumsnahen Lage.

Auch ein geplantes Betongebäude nordwestlich der Kreuzung beschäftigt den Stadtrat. Die Baudirektion plant ein Holzlamellendesign, damit das Gebäude zur Überbauung Giardino passt. Der Stadtrat fordert nun genaue Visualisierungen und Höhenangaben.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Schlieren dem Kanton darlegt, wie die Kreuzung beschaffen sein müsste, damit sie ins Stadtbild passt. Schon alt Bauvorstand und Anwohner Jean-Claude Perrin führte solche Diskussionen. «Aber der Kanton begreift immer noch nicht, dass man Strassen heute siedlungsverträglich bauen muss. Das ist sehr ärgerlich», sagt Stadtpräsident Markus Bärtschiger zur Limmattaler Zeitung. Über die Einsprache entscheidet der Regierungsrat.

Meistgesehen

Artboard 1