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«Vor allem das Soziale fehlt»: Corona schadet dem Vereinsleben im Limmattal

Viele Vereine leiden wegen der Coronakrise – in den Kassen fehlt Geld und die Turner verlieren Muskeln.

Carmen Frei
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Das Turnerchränzli des Turnvereins Weiningen konnte dieses Jahr nicht stattfinden.

Das Turnerchränzli des Turnvereins Weiningen konnte dieses Jahr nicht stattfinden.

Christoph Merki (Archivbild: Weiningen, 12.11.2017)

Die Coronakrise geht am Vereinsleben im Limmattal nicht spurlos vorbei. Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden. «Wir haben immer mehr Vereine, die finanzielle Ängste plagen, da Veranstaltungen nicht stattfinden», sagt Pascal Stüssi vom Kartell der Orts­vereine Dietikon. Er nimmt den FC Dietikon, bei dem er Juniorenobmann ist, als Beispiel: «Wir mussten das Schülerturnier 2020 absagen, das Frühlingsfest konnte nicht stattfinden und auch der Bolliger-Cup nicht.» Allein mit Hilfe der Mitgliederbeiträge könne der FC sich nicht finanzieren. Der Verein benötige die finanziellen Einkünfte von Veranstaltungen und Sponsoren.

«Das geht auch anderen Vereinen so», sagt Stüssi. Seit Beginn der Coronakrise hätte er von neun Vereinen die Meldung erhalten, dass sie aufhören. Dabei ginge es den Vereinen in der Stadt Dietikon sonst sehr gut. Sie hätten im Jahr 2019 auch viel Arbeit investiert. «Auch durch eine tolle Unterstützung der Stadt Dietikon wurde das Vereinsleben gestärkt», sagt Stüssi. Mit Sicherheitsvorsteher Heinz Illi (EVP) und der Gemeindeführungsorganisation hätten sie während der ganzen Pandemiezeit gut zusammen­gearbeitet und seien kompetent unterstützt worden. «Zudem fördert Adrian Ebenberger, Standortförderer der Stadt Dietikon, die Vereine stark.»

Sportvereine haben es in der Krise schwer

Dennoch sei es schwierig, gerade für die Sportvereine. «Dort haben wir natürlich die Thematik der Hallentrainings», sagt Pascal Stüssi. Bei vielen Vereinen sei der Trainingsunterbruch in letzter Zeit verheerend. Auch dass die Wettkämpfe wegfielen, merke man massiv. «Wir haben aber schon Pläne geschmiedet mit einem Tag der offenen Vereinstüre und hoffen, dass Corona 2021 bald Geschichte ist.»

Rolf Loosli, Präsident des Kartells der Ortsvereine Urdorf, sieht ebenfalls bei den Sport­vereinen das grösste Problem. «Die Sportklubs haben doch langsam Mühe, da sie auch Hallen- und Platzmieten bezahlen müssen.» Im Moment gehe es den Vereinen in Urdorf aber noch gut. «Die Vereine haben noch keine finanziellen Schwierigkeiten», sagt Loosli.

Keine Einnahmen, aber auch keine Ausgaben

«Es gab keine Wettkämpfe, Turniere oder andere Vereinsanlässe und somit auch keine Ausgaben», erklärt er. Was aber fehle, seien die Kolleginnen und Kollegen und alles rundherum. Viele würden nun Sitzungen per Skype oder Teams organisieren und die Generalversammlungen schriftlich durchführen. «Vor allem das Soziale fehlt», sagt Loosli.

Bei Trainings könne man sich behelfen. «Beim Turn­verein gibt es zum Beispiel Online­trainings oder Aufgaben, die dann zu Hause durchgeführt werden können», erklärt er. «Aber man kann nicht zusammensitzen oder ein Bier miteinander trinken», sagt Loosli. Das werde je länger, je mehr zu einem Problem.

Angesprochen auf die Musiken, die ihre Auftritte nicht durchführen können, meint er: «Sie hatten zwar keine Auftritte und somit keine Einnahmen, aber auch keine Ausgaben für Anreisen und Transporte wie im letzten Jahr.» Im Grossen und Ganzen gehe es hier allen Vereinen gleich.

Viele Vereine vermissen den Kontakt mit Mitgliedern

Beim Fischerverein Kloster Fahr konnten ebenso keine Anlässe wie geplant durchgeführt werden. «Die Situation ist prekär, das Vereinsleben ist im Moment ein wenig tot», sagt Marco Canal, Bauchef und Vorstands­mitglied des Vereins. Viele Veranstaltungen letztes Jahr wie etwa die Generalversammlung und das Fischessen im Kloster Fahr vom Juli hätten absagt werden müssen. Das sei dieses Jahr auch schon wieder ein Problem. Im Moment sei im Verein selbst nichts mehr los. «Der Höck am Freitag und das Hüttliwirt-­Essen jeweils am Samstag ist vorläufig abgesagt», sagt Canal.

Auch beim gemeinnützigen Frauenverein Schlieren konnten keine Aktivitäten durchgeführt werden. «Dadurch haben wir natürlich keinen Kontakt mehr zu den Mitgliedern», bedauert Präsidentin Heidi Altherr. Auch die Spiel- und Jassnachmittage hätten sie einstellen müssen. «Wir organisieren den Mahlzeitendienst, und dieser funktioniert noch gut», sagt sie aber.

Der Vorstand treffe sich regelmässig, um die bevorstehenden Aktivitäten zu besprechen. «Im Moment ist eher Absagen der Trend», sagt Altherr. Der Vorstand habe aber neue Ideen kreiert und beispielsweise vor den Adventstagen jedem Mitglied eine Überraschung in den Milchkasten gelegt. Die Generalversammlung hätten sie dieses Jahr zudem schriftlich abgehalten.

Eine Jahresplanung gestaltet sich schwierig

Beim Natur- und Vogelschutzverein Limmattal rechtes Ufer konnten Präsident Eduard Meier und sein Vorstandsteam nicht alles abschliessend planen. «Es ist das erste Mal, dass wir bei Jahresbeginn noch kein komplettes Programm beieinanderhaben», sagt er. Auch die Exkursionen und andere Anlässe im März bis Mai 2020 haben sie nicht durchführen können.

«Es hat auf das Vereinsleben gedrückt, weil der Frühling unsere Hauptsaison ist», sagt Meier. Finanziell gehe es dem Verein zwar noch gut, aber letztes Jahr sei es schwierig gewesen, neue Mitglieder anzuwerben. Für Jugendliche planten sie nun wieder speziell geeignete Anlässe, denn «ohne Nachwuchs geht es nicht», sagt Meier. «Wir hoffen, dass es sich die Lage bis zum Sommer hin entspannt.»

Der Turnverein Weiningen hat sich den Umständen angepasst. Viele Trainings mussten aufgrund der Pandemie ausfallen. Die Entscheide dazu waren laut Präsident Robin Haug jeweils eine grosse Herausforderung.

Onlinetraining und Optimismus

Ausserdem sei das Budget völlig durcheinandergeraten. «Wir haben im Moment keine Wettkämpfe, die Kosten verursachen, jedoch fiel auch das Turner­chränzli aus, welches Geld einbringt», sagt Haug. Wegen der fehlenden Trainings seien auch nicht mehr alle Mitglieder so fit. «Wir sind aber optimistisch und gehen davon aus, dass im Frühling und im Sommer Wettkämpfe stattfinden können», sagt Haug. Im Moment gebe es darum Onlinetrainings, die obligatorisch sind. «Wir werden nun auch die Generalversammlung per Zoom durchführen.»