Urdorf
«Ich bin eine leidenschaftliche Unternehmerin»: Sarah Heldner hat bereits acht Tanzschulen eröffnet

2006 eröffnete Sarah Heldner in Urdorf die Tanz-Fabrik. Vor kurzem nahm in Rudolfstetten bereits ihre achte Tanzschule den Betrieb auf. Daneben führt die Urdorferin noch eine Entertainmentagentur. Das alles sei nur dank der Unterstützung ihres Mannes möglich, wie sie erzählt.

Florian Schmitz Jetzt kommentieren
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Die Tanzschule an der Bachstrasse in Urdorf dient auch als Geschäftsstelle der Tanz-Fabrik. Hinter den Spiegeln hat Sarah Heldner ein Büro für das Backoffice eingerichtet.

Die Tanzschule an der Bachstrasse in Urdorf dient auch als Geschäftsstelle der Tanz-Fabrik. Hinter den Spiegeln hat Sarah Heldner ein Büro für das Backoffice eingerichtet.

Valentin Hehli

«Mir wird schnell langweilig, wenn ich im Kopf nicht ausgelastet bin», sagt Sarah Heldner. Als ehemalige Eiskunstläuferin und Tänzerin bestritt sie früher viele nationale und internationale Meisterschaften. Die eigene Tanzkunst habe sie zwar erfüllt, aber sei ihr mit der Zeit zu wenig kopflastig gewesen. «Mir macht es Freude, strategisch und operativ zu arbeiten, ich bin auch gerne im Büro tätig. Ich bin eine leidenschaftliche Unternehmerin», sagt die 39-Jährige. 2006 gründete sie in ihrer Heimat Urdorf im ehemaligen Veloladen im Chlösterli die Tanz-Fabrik. 2011 zog sie mit ihrer Familie nach Bremgarten, wo sie 2016 ihre zweite Tanzschule eröffnete und heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt.

Seither ist die Tanz-Fabrik stark gewachsen und Heldner ist als Geschäftsführerin mittlerweile verantwortlich für je vier Tanzschulen im Kanton Zürich und im Kanton Aargau, die sich auf urbane Tanzstile wie Breakdance, Hip-Hop oder Dancehall fokussieren. Erledigte sie bei den ersten beiden Schulen noch alles selbst und gab pausenlos Lektionen, arbeite sie heute vor allem unternehmerisch. Sie beschäftigt 68 Tanzlehrerinnen und Lehrer für die insgesamt rund 1000 Tanzschülerinnen und Tanzschüler und führt ein Team von fünf Mitarbeitenden im Backoffice. Neben Urdorf ist Heldner in Bremgarten, Spreitenbach, Lenzburg, Winterthur, Uster und Küsnacht aktiv. Erst vor kurzem eröffnete sie mit der Tumbling-Fabrik in Rudolfstetten ihre achte Schule – die erste überhaupt in der Schweiz, die sich voll auf diese akrobatische Tanzsportart fokussiert.

Die Tanz-Fabrik an der Bachstrasse in Urdorf.

Die Tanz-Fabrik an der Bachstrasse in Urdorf.

Valentin Hehli / LTA

«Die Tumbling-Kurse liefen gut in den bestehenden Filialen, deshalb wollte ich mein Geschäftsfeld in diesem Bereich erweitern», sagt Heldner. Natürlich gehe sie damit auch ein Risiko ein, aber hätte sie das nicht immer wieder im Leben getan, wäre sie gar nie so weit gekommen. «Aber es ist ein kalkuliertes Risiko», ergänzt sie umgehend. Sie mache keine Schnellschüsse, sondern recherchiere geduldig und genau. Schon zwei Jahre, bevor sie die Schulen in Spreitenbach und Winterthur eröffnete, begann sie mit den Vorbereitungen und suchte lange nach passenden Locations. Sie sei sehr strategisch unterwegs und überarbeite laufend ihre detaillierte Dreijahresplanung mit genauen Quartalsprognosen für ihr Unternehmen.

Ihre Zielstrebigkeit stammt von ihren Eltern

«Wenn ich eine Idee habe, dann will ich sie auch umsetzen», sagt Heldner. Diese Zielstrebigkeit verdanke sie der liebenswerten und gradlinigen Erziehung ihrer Eltern, die sie sehr gefördert hätten. Auch ihre beiden Brüder seien sehr aktiv und produktiv. Lange führte sie ihre Tanzschule nur nebenbei und arbeitete hauptberuflich unter anderem als Marketing- und Eventleiterin. Einige Jahre, nachdem sie erstmals Mutter geworden war und daraufhin gekündigt hatte, fühlte sich ihr Kopf wieder unterbeschäftigt.

In der Folge gründete Heldner den internationalen Tanzwettbewerb «The Dance», der 2016 erstmals im Hallenstadion stattfand. Sie blickt zurück:

«Ich wollte die ganze Tanzszene weltweit zusammenholen und verschiedene Tanzstile gegeneinander antreten lassen.»

Aber weil das Ganze in eine immer grössere Maschinerie ausgeartet sei und der finanzielle Druck und das Sponsoring immer stärker im Fokus gestanden seien, habe es bereits nach kurzer Zeit gar nicht mehr zu ihr gepasst.

Also verkaufte sie ihre Anteile an der Aktiengesellschaft, investierte das Geld in den Aufbau neuer Schulen und gründete noch im gleichen Jahr ihre eigene Entertainmentagentur. Mit «Yourdance» konnte sie schon für viele bekannte Namen und Institutionen wie DJ Antoine, das Comedy-Duo Rindlisbacher, die Laureus-Stiftung und die Swiss Skills arbeiten. Mit den Einnahmen und mit ihrem früheren Lohn als Angestellte habe sie immer die Tanzschulen querfinanziert. «Ich musste noch nie einen Bankkredit aufnehmen», sagt Heldner.

Ihre Rolle im Unternehmen veränderte sich über die Jahre stetig

Weil die Tanz-Fabrik immer grösser wurde, wandelte sich ihre Rolle im Unternehmen stetig und sie musste sich immer wieder neu finden. Als ehrgeiziger und zielstrebiger Mensch habe sie über die Jahre gelernt, gut zuzuhören, sich selbst schonungslos zu hinterfragen und auch mal die Zügel abzugeben. «Das macht uns auch erfolgreich. Als Kontrollfreak bleibt man immer in seiner Schublade stecken.»

Das Studio befindet sich in einem Dachstock an der Bachstrasse 11 in der Nähe des Muulaffeplatzes.

Das Studio befindet sich in einem Dachstock an der Bachstrasse 11 in der Nähe des Muulaffeplatzes.

Valentin Hehli / LTA

Die stetige Entwicklung und Veränderung, die immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringen, passen gut zu Heldners Art. Stillstand ist für sie keine Option. Nach den reibungslosen Schulgründungen in Urdorf, wo sie bekannt und etabliert war, sowie in Bremgarten, wo sie bereits zuvor mit ihrer Familie hingezogen war, wollte sie sich ausserhalb ihrer Heimat aus der Komfortzone wagen. Sie entschied sich, eine Schule in Winterthur aufzubauen.

«Das war viel harziger und wir benötigten etwa drei Jahre, bis es gut lief.»

Früher habe sie oft häufig sechs Tage die Woche von frühmorgens bis spätabends gearbeitet. Auch heute könne sie die viele Arbeit nur erledigen, weil sie sehr strukturiert sei. Oft beginne sie schon am Morgen, bevor sie ihre Kinder wecke. Und in den Ferien arbeite sie immer noch bis zu vier Stunden täglich. «Sonst würde es zeitlich gar nicht aufgehen», sagt Heldner. Aber sie habe das nie hinterfragt und sei auch nie gross müde oder ausgelaugt gewesen.

So sieht eine Trainingsstunde im Tumbling-Center in Rudolfsstetten aus.

Pascal Bruhin

Sie fühlt sich beflügelt von ihrer glücklichen Ehe

«Ich bin mit meinem Mann Thomas glücklich verheiratet. Das beflügelt mich und verleiht mir viel Energie.» Er gebe ihr viel Sicherheit und habe ihr immer wieder ermöglicht, im Leben mutig zu sein. Auch ihre Mitarbeitenden seien eine wichtige Motivation: «Ich habe so ein gutes Team und freue mich jeden Tag nach dem Aufstehen auf die Arbeit», sagt sie. Müsse sie doch mal Energie tanken, gehe sie am liebsten in die Natur. Beim Joggen etwa könne sie besonders gut bewusst für sich Zeit nehmen und abschalten.

Sarah Heldners Werdegang erstaunt, wenn man bedenkt, dass sie nach dem KV und einer Ausbildung in Marketing und Kommunikation eigentlich Moderatorin werden wollte und sich bereits in Köln für eine Ausbildung beworben hatte. Weil sie dafür im Vorfeld viel trainieren musste, mietete sie sich in einem Tanzstudio in Schlieren ein. Dieses gehörte einer schwangeren Frau. Obwohl sie vorher nie Tanzstunden gegeben hatte, willigte sie ein, vor der Geburt auszuhelfen, erzählt Heldner. «Ich wollte nie eine Tanzschule gründen, das war nicht mal ansatzweise geplant», ergänzt sie und lacht.

Das Sofa, dass in der Ecke der Tanz-Fabrik zum Entspannen einlädgt, stammt von Sarah Heldners Grossmutter.

Das Sofa, dass in der Ecke der Tanz-Fabrik zum Entspannen einlädgt, stammt von Sarah Heldners Grossmutter.

Valentin Hehli / LTA

Trotz Pandemie hat sie weiter ausgebaut

Von Anfang an habe sie viel Energie in die Jugendförderung gesteckt. «Dieses Ziel hat sich nie verändert. Wir hoffen, dass Jugendliche bei uns abhängen und hier ihre Community bilden», sagt Heldner. Nicht zuletzt deshalb lege sie viel Wert auf eine gute Betreuung und hohe Ausbildungsstandards ihrer Lehrpersonen. Als sie im Frühling 2020 ihre Schulen wegen des Lockdowns schliessen musste, habe sie gemeinsam mit ihrem Team das Talentförderprogramm TF-Talents entwickelt. Damit will sie Nachwuchstalenten ermöglichen, auch auf hohem Level kompetitiv anzutreten. Sie sagt:

«Tanzen ist ein teurer Sport wie Tennis, Golf oder Eiskunstlauf.»

Die Tanz-Fabrik wurde von der Coronapandemie auf dem falschen Fuss erwischt. Die Schule in Spreitenbach startete nur wenige Wochen vor dem Lockdown und die Eröffnung in Uster war bereits für den Sommer 2020 aufgegleist. Nach langen Diskussionen mit ihrem Mann und ihrem Umfeld habe sie entschieden, wieder ein kalkuliertes Risiko einzugehen und weiterzuwachsen, um das verlorene Geld mittelfristig wieder zu erwirtschaften. «Ich habe in den Lockdowns niemanden entlassen und im Büro sogar teilweise die Pensen aufgestockt», sagt sie. Die Coronasituation sei immer noch herausfordernd, aber die im September in Küsnacht und im Oktober in Rudolfstetten eröffneten Schulen zeigen, dass ihre Devise klar ist: «Wir gehen all-in.»

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