Birmensdorf

Trotz «Kiss and Ride» vor dem Kindergarten sollen Eltern das Parkfeld nicht benutzen

Vor dem Kindergarten am Bach in Birmensdorf soll ein Kiss-and-ride-Feld entstehen.

Vor dem Kindergarten am Bach in Birmensdorf soll ein Kiss-and-ride-Feld entstehen.

Birmensdorf erstellt bei einem Kindergarten ein Kiss-and-ride-Angebot, das die Eltern aber nicht nutzen sollen. Die Kinder sollen gemeinsam den Schulweg geniessen können.

Besonders an Bahnhöfen sind Bereiche für sogenanntes Kiss and ride immer häufiger anzutreffen. Dabei handelt es sich um eine Zone, auf der Autos kurz anhalten können, um jemanden ein- oder aussteigen zu lassen. Auch Birmensdorf wird bald über eine solche Zone verfügen. Jedoch nicht vor dem Bahnhof, sondern vor dem Kindergarten am Bach. Dennoch rät die Gemeinde, die Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen.

Anlässlich seiner Sprechstunden werde der Verkehr im Dorf oft zum Thema, schrieb Gemeindepräsident Bruno Knecht (parteilos) kürzlich im Gemeindeblättchen. Sicherheitsvorstand Paul Gähler (CVP) habe daher mit der Polizei einige Anregungen aus diesen Sprechstunden genauer unter die Lupe genommen.

Solothurnische Gemeinde geriet in die Kritik

Diese Abklärungen hätten ergeben, dass es aufgrund der engen Platzverhältnisse auf dem schulischen Grundstück nicht möglich sei, ein Kiss-and-ride-Projekt mit Elternvorfahrt zu realisieren. «Nichtsdestotrotz werden wir als Versuch vor dem Kindergarten auf der Kirchgasse ein 12 Meter langes Feld gelb markieren. Dies soll den Eltern als Halteplatz zur Verfügung stehen. Also doch etwas Kiss and ride», so Knecht. Dennoch appelliert er an die Eltern, dieses Angebot nicht wahrzunehmen. Weil das Kind mit seinen Gspänli den gemeinsamen Schulweg geniessen möchte und man ihm doch diese Möglichkeit geben solle, empfiehlt Knecht, grundsätzlich auf diesen Dienst zu verzichten. Warum ruft die Gemeinde ein Angebot ins Leben, von dessen Nutzung sie abrät? «Da wir, wie andere Gemeinden, den Elterntaxi-Verkehr nicht vollständig eliminieren können, dürfte ein markiertes Vorfahrtfeld und zusätzliche Kontrollen etwas Abhilfe schaffen», sagt Knecht auf Anfrage. Zudem hoffe man, mit dieser Massnahme die teils sehr gefährlichen Situationen mit willkürlich parkierten Elternautos und unübersichtlichem Trottoir- und Strassenverlauf verbessern zu können, so Knecht weiter.

Stallikonerstrasse wird nicht zur Tempo-30-Zone

Ähnlich argumentierten die Verantwortlichen bezüglich einer Kiss-and-ride-Zone im solothurnischen Derendingen, weshalb ein kleiner Shitstorm entstand. In den sozialen Medien wurde die Gemeinde verunglimpft und gar als dümmste Gemeinde der Schweiz bezeichnet. Auch hier versuchte man den teils gefährlichen Situationen, die sich durch Elterntaxis vor Schulen ergeben, Herr zu werden. Der Gemeinderat sei der Auffassung, dass sich diese Fahrdienste nicht verhindern lassen und daher versuche, das Anhalten und Wegfahren besser zu kanalisieren, liess die Gemeinde damals verlauten.

In der Sprechstunde kam auch der Wunsch zur Sprache, die Sicherheit um den Fussgängerstreifen über die Luzernerstrasse zu erhöhen. «Die Kantonspolizei hat uns jedoch nach eingehender Prüfung vor Ort bestätigt, dass sämtliche Sicherheitsmerkmale wie eine Mittelinsel, ein Schild mit der Aufschrift ‹Achtung Kinder› sowie gute Sichtverhältnisse für Autofahrer und Fussgänger vorhanden seien. Es bestehe daher kein weiterer Handlungsbedarf», schreibt Knecht.

Wie aus den Gesprächen mit dem Gemeindepräsidenten hervorgeht, wird auch eine Tempo-30-Zone auf der Stallikonerstrasse zwischen Einmündung Zürcherstrasse und Stationsstrasse von der Bevölkerung gewünscht. Heute kann diese Strecke mittels blinkender Anzeige temporär zur Tempo-30-Zone werden. Würde das Regime permanent geändert, müssten sämtliche Fussgängerstreifen entfernt werden, so Knecht. Da es sich bei der Stallikonerstrasse um eine wichtige Verkehrsverbindung Richtung Landikon und Stallikon handle, dürfe man keine verkehrsberuhigenden Parkplätze darauf einzeichnen. «Es würde somit zwar eine 30er-Zone entstehen, die jedoch kaum zu langsamer Fahrweise Anlass geben würde», so Knecht.
Zudem fordern Birmensdorfer eine Verkehrslösung für den Bahnhofsbereich, der zu den Stosszeiten überlastet ist. Der Gemeinderat werde eine solche bald thematisieren, heisst es.

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