Bezirksgericht Dietikon

Traurige Ehe-Szenen vor Gericht: «Das sind deine letzten Tage»

Drohung und Beschimpfung: Das Dietiker Bezirksgericht verhängte eine bedingte Geldstrafe.

Drohung und Beschimpfung: Das Dietiker Bezirksgericht verhängte eine bedingte Geldstrafe.

Ein Iraner spricht von einfachen Streitigkeiten vor einer Scheidung – das Gericht verurteilt ihn aber wegen Drohung.

«Das stimmt nicht», meinte der Beschuldigte in der Befragung durch den Vizepräsidenten des Dietiker Bezirksgerichts, Bruno Amacker, zur Anklage. Vorgeworfen wurde dem 45-jährigen Mann, seine getrennt von ihm lebende Ehefrau mit der Faust geschlagen und sie als «Schlampe» tituliert zu haben. Zudem, so die Anklage, habe er ihr gedroht, dass «das ihre letzten Tage» seien. Er werde sie umbringen, falls sie nicht ins Gefängnis komme.

Die Staatsanwaltschaft sah darin versuchte einfache Körperverletzung sowie Drohung und Beschimpfung. Deswegen sei der Beschuldigte zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 80 Franken zu verurteilen.

«Ich weiss nicht, weshalb meine Frau das sagt», erklärte der Iraner. «Wir wollen uns scheiden lassen. Wir haben viel diskutiert. Aber wir hatten keinen Streit. Ich habe meine Frau nie bedroht», führte der Mann aus. Dass die Tochter gegenüber ihrer Lehrerin von einem Streit der Eltern berichtet habe, wobei die Mutter dem Vater auch eine Kaffeetasse an den Kopf geworfen haben soll, liess der Mann vor Gericht nicht gelten. «Ich habe nicht geblutet.»

Der Vertreter der Noch-Ehefrau des Beschuldigten verlangte eine Bestrafung im Sinne der Anklage. Er forderte zudem eine Genugtuungssumme von 2000 Franken für die Frau. Er brachte vor, dass seine Mandantin wegen der erlittenen Malträtierungen an einer posttraumatischen Belastungsstörung leide. «Die Aussagen der Geschädigten sind authentisch und glaubhaft», betonte er. «Es gibt keine erheblichen Zweifel am Sachverhalt.»

Verteidigerin: «Ehefrau hat Mühe mit Scheidung»

Die amtliche Verteidigerin des Iraners beantragte hingegen einen Freispruch sowie die Abweisung der Genugtuungsforderung. Der Sachverhalt der versuchten einfachen Körperverletzung sei nicht erstellt, argumentierte sie. Die ebenfalls aus dem Iran stammende Ehefrau des Beschuldigten habe – auch aus kulturellen Gründen – Mühe mit einer Scheidung gehabt, führte die Verteidigerin aus. Die Ehefrau habe zudem stark unter dem Druck ihrer Familie gestanden.

«Es tut mir sehr leid für meine Frau»

Daher habe sie haltlose Vorwürfe gegen den Beschuldigten erhoben. «Die Streitigkeiten werden nicht bestritten», so die Verteidigerin. «Aber daraus lässt sich kein strafrechtlich relevantes Verhalten ableiten.» Er wolle nur Frieden, beteuerte der Angeklagte in seinem Schlusswort. «Es tut mir sehr leid für meine Frau. Aber wir müssen uns trennen.»

Das Dietiker Bezirksgericht sprach den Mann vom Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung frei. Wegen Drohung und Beschimpfung verhängte es aber eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 80 Franken und verurteilte den Mann zur Zahlung einer Genugtuungssumme von 500 Franken. Im Wesentlichen würden sich die Aussagen der Beteiligten gegenüberstehen, erklärte der Vorsitzende bei der mündlichen Begründung des Urteils. «Am Sachverhalt gibt es keine Zweifel. Die Vorfälle sind das Resultat eines eskalierenden Streites, zu dem beide Seiten beigetragen haben.»

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