Gewerbe
Tiefe Mieten und gute Erschliessung: Firmen ziehts ins Limmattal

Zahl der Unternehmen im Limmattal wächst, die Beschäftigtenzahl sinkt. In wenigen Jahren sind viele neue Firmen ins Tal gezogen.

Lina Giusto
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Im Limmattal sind derzeit rund 4300 Unternehmen angesiedelt. HAE

Im Limmattal sind derzeit rund 4300 Unternehmen angesiedelt. HAE

Tobias Hänni

Das Limmattal wächst – nicht nur die Bevölkerung nimmt zu, auch die Anzahl der Unternehmen steigt kontinuierlich an. Im Jahr 2013 sind rund 4300 Firmen in der Region ansässig und beschäftigen insgesamt mehr als 12 700 Mitarbeiter. In nur einem Jahr, also von 2012 bis 2013, sind über 137 Firmen in der Region dazugekommen. Zwischen 2011 und 2012 dagegen lediglich 39 Firmen. Ob es sich dabei um Neugründungen oder um Umsiedlungen von Firmen handelt, geht aus den jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik nicht hervor.

Struktur der regionalen Firmen

Die Verteilung der Firmen nach Wirtschaftssektoren zeigt ein zeitgemässes Bild. Rund drei Viertel der Firmen sind im Dienstleistungssektor angesiedelt. Dieser umfasst die Banken-, Versicherungsbranche, Detail- und Einzelhandel. Etwas weniger als ein Viertel der Arbeitgeber sind Firmen der Industrie- und Gewerbebranche. Nur knapp zwei Prozent sind im Bereich Fischerei, Land- und Forstwirtschaft tätig.

Auch die Grössen der Unternehmen sind einseitig verteilt: Fast 97 Prozent der Limmattaler Unternehmen beschäftigen weniger als 10 Vollzeitangestellte. Lediglich die Gemeinden Dietikon, Schlieren, Birmensdorf und seit 2013 auch Geroldswil weisen Grossunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten aus. Mehr als die Hälfte der Beschäftigen der Limmattaler Firmen arbeiten im Dienstleistungsgewerbe. Dies entspricht der schweizerischen Demografie, denn rund 75 Prozent aller Beschäftigten sind im dritten Sektor angestellt.

Die Zahl der Limmattaler Dienstleister ist im Jahr 2012 ebenfalls sprunghaft angestiegen: 138 zusätzliche Firmen gehen aus der Statistik hervor. Der Zuwachs im Jahr zuvor misst lediglich 39 neue Arbeitgeber in der Region. Dafür sind lediglich zwei neue Industriebetriebe in der Region seit 2012 gezählt worden. Im Jahr davor waren es immerhin 14 neue Industriefirmen.

Nicht alle Branchen wachsen: So ist der Landwirtschaftsbereich am Schrumpfen – drei Betriebe weniger gibt es 2013 in den Limmattaler Gemeinden. Auch in dieser Hinsicht widerspiegelt das Gewerbe im Limmattal die schweizerische Entwicklung.

Der Gegentrend

Einzig bei der Beschäftigungszahl zeigt das Limmattal einen Gegentrend zur schweizweiten Erhebung. Dernach seien neben der Zahl der Unternehmen auch die Zahl der Beschäftigten gestiegen. Anders im Limmattal: Zwar sind seit 2011 mehr Firmen in der Region angesiedelt, die Zahl der Beschäftigten ist aber über alle drei Sektoren und unabhängig ob Klein- oder Grossunternehmen gesunken. Mehr als 13 500 Mitarbeiter beschäftigten 2011 die Limmattaler Firmen, während 2013 nur rund 12 700 Arbeitnehmer gezählt wurden.

Die Limmattaler Zeitung erkundigt sich bei Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften, Alterswohnungen und Standortförderung der Stadt Schlieren, über die Gründe des Firmenbooms.

Herr Schweizer, wie erklären Sie sich diese Zunahme von Firmen im Limmattal seit 2012?
Albert Schweizer: Alleine in Schlieren haben die Anzahl Unternehmen von 2010 bis 2014 auf 975 zugenommen. Der grösste Sprung erfolgte 2012 mit 90 neuen Firmen. Im gleichen Zeitraum ging auch der Gewerbeleerflächenanteil im Limmattal zurück. In Schlieren misst sie derzeit noch rund 20 000 m2, was rund 10 Prozent entspricht. Da sind andere Regionen mit deutlich grösseren Zahlen unterwegs. Das Limmattal wurde in den letzten Jahren attraktiver, hat sich im Image stark verbessert. Ein Teil des Erfolges kann und darf den Standortförderungen im Limmattal, Dietikon, Schlieren und in den kleineren Gemeinden zugeschrieben werden. Als Standortförderer von Schlieren durfte ich in den letzten Jahren rund 2000 Arbeitsplätze schaffen, inklusive jenen, die trotz Wegzuggedanken hier behalten werden konnten.

Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften, Alterswohnungen und Standortförderung der Stadt Schlieren.

Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften, Alterswohnungen und Standortförderung der Stadt Schlieren.

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Warum ist das Limmattal für Unternehmen und Beschäftigte attraktiv?
Das Limmattal ist sehr gut mit dem öV erschlossen, hat deutlich tiefere Immobilien- und Mietpreise und Interessenten werden betreut, ja sogar umworben. Zudem herrscht ein sehr gutes Klima für Start-up-Firmen. Gute Infrastrukturen in den Gemeinden und stabile Steuerbelastungen sind für Firmen attraktiv.

Weit mehr als 90 Prozent sind Kleinunternehmen – wie erklären Sie sich dieses Phänomen?
Kleinbetriebe sind auf günstigere Immobilien- und Mietzinse angewiesen. Das Limmattal hat bewusst viele innovative Start-up-Firmen, die zu Beginn als Kleinstfirma starten. Es gibt auf dem Markt auch mehr Büroflächen in der Grösse bis rund 600 m2, die lediglich Kleinstfirmen dienen.

Wie unterstützen Sie die Unternehmen, hier Fuss zu fassen?
Wir haben sehr engen Kontakt mit den Immobilienanbietern, besonders bei grösseren Flächen ab 1000m2. Wir liefern dort auch Vermietungsideen mit. Weiter betreiben wir in Schlieren intensiv Clusterbildungen wie Biotech, Cleantech und neu vorgesehen auch MedTech. Das sind Organisationen, die sich um Ansiedlungen in der gleichen Branche kümmern, den Markt genau kennen und zu der Branche passende Veranstaltungen organisieren.

Wie wichtig sind die Mitarbeiter der regional angesiedelten Firmen?
Die Mitarbeitenden der ansässigen und neu zugezogenen Firmen sind für uns wichtige Botschafter. Sie nutzen das öV-Angebot, den Detailhandel und insbesondere die Gastronomie.

Warum braucht es Standortförderung – könnten dies nicht die Gemeinden selber bedienen?
Ein Teil des Erfolges der wachsenden Zahl der neuen Firmen im Limmattal darf den Standortförderungen zugehalten werden. Sie sind Lotsendienst durch die Verwaltungen, helfen mit, Leerstände abzubauen und machen diese Funktion eher im Hintergrund. Die Standortförderung wird bei wirtschaftlich unsicheren Zeiten noch wichtiger.

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