Dispodrom
Stillstand der Dispodrom: 35 Angestellte legen ihre Arbeit nieder

Nichts ging mehr in der Schlieremer Logistikfirma Dispodrom. Eine Stunde lang legten die 35 Angestellten gestern Vormittag ihre Arbeit nieder, um gegen die Entlassungsbedingungen ihrer Mutterfirma, der Schweizerischen Post, zu protestieren.

Florian Niedermann
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Dispodrom Protestpause Schliessung Toni Brühlmann Petition Stadt Schlieren Post Entlassung

Dispodrom Protestpause Schliessung Toni Brühlmann Petition Stadt Schlieren Post Entlassung

Limmattaler Zeitung

Diese hatte angekündigt, dass die 1991 gegründete Dispodrom AG im Frühling 2014 geschlossen wird (die Limmattaler Zeitung berichtete). Sie begründet dies damit, dass die Tochtergesellschaft im schrumpfenden Logistikmarkt mit Ton- und Bildträgern schon seit langer Zeit nicht mehr rentabel geführt werden könne.

Das Konsultationsverfahren, das die Gewerkschaft Syndicom im Namen der Angestellten initiierte, hat gemäss Gewerkschaftsvertreter Martin Bühler zu keiner zufriedenstellenden Lösung für die Arbeitnehmer, geführt: «Die Post stiehlt sich aus der Verantwortung.» Die Mitarbeiter der Dispodrom seien, schon seit sie die Post 2009 gekauft hat, «Angestellte zweiter Klasse» gewesen. Dies weil sie keinem Gesamtarbeitsvertrag unterstanden, und damit zu schlechteren Bedingungen gearbeitet hätten. «Nun soll die Post wenigstens bei der Schliessung des Betriebs Verantwortung übernehmen», so Bühler.

Stadt will sich engagieren

Im Rahmen der Protestaktion übergaben die Dispodrom-Angestellten dem Schlieremer Stadtpräsdenten Toni Brühlmann-Jecklin (SP) eine Petition mit 500 Unterschriften, mit der sie die Gemeinde Schlieren auffordern, sich bei der Post für den Erhalt der Dispodrom und für die Angestellten einzusetzen. Brühlmann und Standortförderer Albert Schweizer versicherten den Protestierenden, dass die Stadt das Gespräch mit der Post suchen werde.

«Die Schliessung der Firma können wir nicht verhindern», sagte Brühlmann. In einer Demokratie bestehe eine klare Trennung zwischen Politik und Wirtschaft. Über die Standortförderung verfüge man aber über gute Kontakte zur lokalen Wirtschaft und den Wirtschaftsverbänden. «Die Stadt wird deshalb versuchen, dabei zu helfen, für die Dispodrom-Mitarbeiter eine Anschlussanstellung zu finden», so Brühlmann.

Seit 22 Jahren im Geschäft

Die Dispodrom ist schon lange im Geschäft. Bereits Mitte der 1980er-Jahre kam die Idee eines unabhängigen Logistik- und Verteilzentrums für die Musik- und Videobranche in der Schweiz auf. Nach mehrjähriger Vorbereitung nahm die Dispodrom AG am 1. Januar 1991 ihren produktiven Betrieb auf. Auf über 10 000 Quadratmetern Fläche lagert die Firma mit Sitz in Schlieren Produkte vorwiegend aus der Ton- und Bildträgerbranche. Die Schweizerische Post hat Dispodrom 2009 gekauft.

Die Angestellten der Dispodrom haben sich mit der Schliessung ihrer Firma abgefunden, wie Betriebsleiter Marcel Spring erklärt. Allerdings sei man mit den Kündigungsbedingungen nicht einverstanden. «Die Post legte keinen Sozialplan vor, sondern spricht lediglich von freiwilligen Abfederungsmassnahmen.» Mit der Protestaktion von gestern versuchten die Angestellten deshalb, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Dazu gehören die Bezahlung von Weiterbildungen und Umschulungen, eine Abgangsentschädigung von 2000 Franken pro Dienstjahr oder einem durch die Post bezahlten Outplacement sowie eine Treueprämie in der Höhe von sechs Monatslöhnen für Angestellte, die sich verpflichten, bis zum Schluss für Dispodrom zu arbeiten.

«Noch mehr Druck aufbauen»

Es sei ein wichtiges Zeichen, dass sich der Stadtrat mit den Angestellten der Dispodrom solidarisiere, sagte Bühler: «Wir werden aber wohl noch mehr Druck auf die Post aufbauen müssen, damit sich etwas bewegt.» Die Gewerkschaft Syndicom sprach bereits 20 000 Franken aus ihrem Kampffonds für die Finanzierung von Aktionen im Zusammenhang mit der Schliessung.
Warnstreik als nächste Massnahme

Der nächste Schritt, den die Angestellten in Erwägung ziehen, sei ein Warnstreik, sagt der Gewerkschaftsvertreter. Das Ziel sei es, allen Entlassenen eine würdige Anschlussperspektive bieten zu können. Und wann kommt der Moment, in dem man aufgibt? «Das müssen die Angestellten entscheiden», sagte Bühler. Man kämpfe aber sicher weiter, bis für sie eine annehmbare Lösung auf dem Tisch sei.

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