Schlieren

Stadträtin Manuela Stiefel kehrt der FDP den Rücken

Manuela Stiefel holte letztes Jahr in der Schlieremer Stadtratswahl das beste Resultat. Nun tritt sie aus der FDP aus.

Die Schlieremer Stadträtin Manuela Stiefel ist nun parteilos. Für die Ortspartei kam dieser Schritt überraschend.

Freitagabend, 17.45 Uhr: Die Schlieremer Stadträtin Manuela Stiefel gibt der Limmattaler Zeitung in einer Mitteilung bekannt, dass sie aus ihrer Partei, der FDP, austritt. Sie habe sich den Austritt reiflich überlegt.

«Mein Engagement für die ganzheitlich positive Entwicklung unserer Stadt wurde in den vergangenen Jahren zunehmend von wichtigen Exponenten der Ortspartei kritisiert und infrage gestellt», beginnt die im Stadtrat für das Ressort Finanzen und Liegenschaften zuständige Politikerin die Begründung ihres Entscheids. Diese Kritik habe sich in den letzten Monaten akzentuiert. «Sie erfolgte teilweise in einer Form, die ich nicht mehr akzeptieren konnte», schreibt Stiefel.

Verschiedene Gespräche und Vermittlungsversuche mit beteiligten Parteimitgliedern hätten nicht zu den gewünschten Verbesserungen im Verhältnis geführt. Deshalb habe sie nun den Entscheid, aus der Partei auszutreten, für sich fällen müssen, heisst es in Stiefels Mitteilung weiter.

Vom Parteiaustritt verspricht sich Stiefel, sich wieder hundertprozentig der Sachpolitik in der Exekutive widmen zu können. «In Schlieren stehen wichtige Prozesse und zukunftsweisende Entscheide an. Darauf möchte ich mich mit meiner ganzen Kraft konzentrieren», schreibt Stiefel. Sie selbst war gestern nach Bekanntgabe ihres Parteiaustritts nicht erreichbar.

FDP-Präsidentin: «Sie ist eine sehr gute Stadträtin»

Für die Präsidentin der FDP-Ortspartei, Barbara Angelsberger, kam der Austritt überraschend. «Intern gab es kein grosses Zerwürfnis oder einen Knatsch zwischen uns und Manuela Stiefel», sagt sie. Sie bedauere Stiefels Parteiaustritt sehr: «Sie ist eine sehr gute Stadträtin.» Es sei durchaus so, dass parteiintern hart über politische Geschäfte diskutiert werde und dies oftmals anstrengend sein könne. «Wir haben einige anspruchsvolle Exponenten in der FDP, das ist mir bewusst. Aber die Auseinandersetzung mit diesen muss man aushalten – das ist Politik.» Dies heisse aber nicht, dass der Anstand fehle.

Erst Anfang Woche gab Fiona Stiefel, Tochter von Manuela Stiefel und FDP-Gemeinderätin, ihren Rücktritt aus dem Parlament bekannt. «Dieser Schritt steht in keinem Zusammenhang mit dem Parteiaustritt von Manuela Stiefel», sagt Angelsberger. Fiona Stiefel sei in ihrer Freizeit durch ihre Engagements als Musikerin und durch ihre Weiterbildung zur Schulleiterin stark beansprucht und habe Prioritäten setzen wollen.

Dass Manuela Stiefel künftig als Parteilose, somit ohne Rückhalt einer Fraktion im Parlament, politisieren werde, erachtet Angelsberger als schwierig. «Bei der Politik ist der Austausch mit der Fraktion zentral, um den Puls bezüglich der einzelnen Geschäfte zu fühlen.»

Manuela Stiefel hatte bei den letzten Wahlen im März 2018 mit 1565 Stimmen das beste Resultat aller Stadträte erreicht. Sie kandidierte zuerst auch als Stadtpräsidentin und holte in dieser Wahl im ersten Wahlgang am meisten Stimmen vor dem heutigen Amtsinhaber Markus Bärtschiger (SP). Für den zweiten Wahlgang verzichtete sie aber auf eine Kandidatur und machte so den Weg für Bärtschiger frei. Sie begründete ihren Entscheid unter anderem damit, dass sie von den Schlieremer Wirtschaftsvereinen nicht ausreichend unterstützt worden sei.

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