Coronavirus

So bereiten sich Praxen für den ersten Lockerungsschritt vor – inklusive «Covid-Anamnese»

Dank des ersten Lockerungsschritts können ab Montag unter anderem Zahnarztpraxen wieder in den Normalbetrieb übergehen. (Archivbild)

Dank des ersten Lockerungsschritts können ab Montag unter anderem Zahnarztpraxen wieder in den Normalbetrieb übergehen. (Archivbild)

«Jetzt freue ich mich darauf, wieder meinen Job auszuführen» – Die Freude, auf den ersten Schritt der Lockerung, ist gross. Massagepraxen, Physiobetriebe und Zahnärzte starten am Montag mit dem regulären Betrieb.

Der erste Lockerungsschritt der vom Bund verordneten Coronamassnahmen rückt näher. Ab Montag starten unter anderem Zahnärzte, Massagepraxen und Physiopraxen wieder in den regulären Betrieb. Es kehrt also wieder ein Stück Normalität ein. Denn Zahnärzte und Physiopraxen waren zuvor nur eingeschränkt tätig und die Massagepraxen hatten ganz geschlossen.

«Wir werden uns wie bis anhin mit Mundschutz, Handschuhen und Schutzbrille schützen. Bei manchen Behandlungen werden wir FFP-Masken tragen, um uns besser zu schützen», sagt Hans Staunau, Zahnarzt und Inhaber der Zahnarztpraxis «Swiss Dental Star» in Dietikon. Neu werden die Patienten möglichst nicht im Wartezimmer warten, sondern die Hände waschen, desinfizieren und direkt ins Behandlungszimmer gehen. Begleitpersonen müssen ausserhalb der Praxis warten.

«Zudem führen wir eine Covid-Anamnese durch», sagt Staunau. So können die Angestellten beurteilen, ob die Patienten die Anzeichen auf eine Coronainfektion aufweisen. In Verdachtsfall werden sie voraussichtlich direkt in die Universitätsklinik Zürich verwiesen und nicht vor Ort behandelt. In den vergangenen Wochen war der Zahnarztbetrieb stark eingeschränkt.

Pro Tag behandelte der Zahnarzt aber nur maximal einen Patienten. Das führte auch zu einer empfindlichen Umsatzeinbusse. Wie der Zahnarzt diese wettmachen will, ist momentan noch unklar, da er zu Beginn der Krise nicht Kurzarbeit anmelden konnte. «Ich freue mich nun, dass der fast normale Betrieb bald wieder losgeht», sagt Staunau.

Gesprochen wird nur das Nötigste

Besonders hart traf die Coronakrise unter anderem auch Massagepraxen. In den vergangenen Wochen durften sie ihre Dienste nicht anbieten. Ab Montag dürfen sie ihre Türen aber wieder öffnen. «Wir freuen uns auf den Normalbetrieb, doch es wird auch anstrengend mit den neuen Bestimmungen», sagt Ciniza Camenzind. Sie ist stellvertretende Leiterin der Massagepraxis «Stutzcare» in Birmensdorf und Leiterin der Praxis in Brunnen. Zum Schutz für Mitarbeiterinnen und Patienten müssen alle Masken tragen und sich nach jedem Patientenwechsel die Hände waschen und desinfizieren. Gesprochen wird während der Behandlung nur das Nötigste. Vorläufig dürfen Risikopatienten nicht in die Massagepraxis kommen.

Auch wenn die Masseure den Patienten bei ihrer Arbeit sehr nahekommen, halten sie doch wann immer möglich Distanz. «Wir geben den Patienten nicht mehr die Hand», sagt Camenzind. Die Abstände im Wartezimmer sind neu vier Meter und die Mitarbeitenden arbeiten zeitlich versetzt, damit sich die Patienten möglichst wenig kreuzen. Um den Erwerbsausfall des vergangenen Monats zu kompensieren, meldete die Massagepraxis Kurzarbeit an. «Jetzt freue ich mich darauf, wieder meinen Job auszuführen und den Patienten zu helfen», sagt Camenzind. Besonders Leute mit Migräne, Rückenschmerzen und psychischen Problemen seien froh, wieder in die Praxis zu kommen. Entsprechend sei das Massageprogramm der kommenden Tage schon fast voll.

Kurzarbeit wird noch länger dauern

Viele Physiotherapiepraxen waren in den vergangenen Wochen geschlossen, einige waren für dringend indizierte Fälle geöffnet. «Wir hatten offen, aber es kamen nur noch etwa 30 Prozent unserer Patienten zur Behandlung», sagt Benedikt Müller. Er ist Inhaber der Praxis «Physio Station» mit Sitz in Dietikon und Schlieren. Um den Erwerbsausfall zu decken, beantragte er für seine zwölf Mitarbeitenden Kurzarbeit.

«Ohne diese Unterstützung wäre es nicht gegangen», sagt Müller. Die Kurzarbeit werde wohl auch noch nach dem 27. April fortbestehen. Denn auch wenn es wieder erlaubt sei, Patienten regulär zu behandeln, so sei die Zurückhaltung seiner Klientinnen und Klienten, die Physiotherapie zu besuchen, doch gross. Zudem werden viele erst nach einer Operation zugewiesen. Da diese nun aber grösstenteils ausgefallen seien, rechnet Müller damit, dass es noch rund zwei Wochen geht, bis die Mitarbeiter wieder das übliche Pensum betreuen.

Um sich und die Patientinnen zu schützen, trägt das Personal nun Masken und desinfiziert die Hände und Geräte häufig. «Wir bitten auch die Patienten, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren», sagt Müller. Patienten, bei denen Corona vermutet wird, sollten weiterhin nicht in die Physio kommen. Zudem stellten die Mitarbeitenden das Wartezimmer um, um den empfohlenen Abstand von zwei Metern einzuhalten.

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