Corona-Virus

S19 und S42 fallen weg – das bedeutet die Ausdünnung des ÖV-Fahrplans für Limmattaler Pendler

Limmattaler Pendler müssen sich auf einen ausgedünnten Fahrplan einstellen.

Limmattaler Pendler müssen sich auf einen ausgedünnten Fahrplan einstellen.

Limmattaler ÖV-Nutzer verlieren zwei Zusatz-S-Bahnen in den Stosszeiten. Das Nachtnetz ist vorerst ebenso passé.

Das Angebot im öffentlichen Verkehr wird ab heute Donnerstag schrittweise runtergefahren. Das vermeldeten die SBB und Postauto als sogenannte «Systemführerinnen für den öffentlichen Verkehr auf Schiene und Strasse» Anfang Woche nach Ausrufung des nationalen Notstands wegen des Corona-Virus durch den Bundesrat.

«Im ÖV ist auf Grund der ausserordentlichen Lage eine weitere Frequenzreduktion zu erwarten. Zudem können auch Personalengpässe bei den Transportunternehmen nicht ausgeschlossen werden», begründet Reto Schärli, Mediensprecher der SBB, den mit dem Bundesamt für Verkehr getroffenen Entscheid. Die Massnahmen seien nötig, damit der ÖV so lange wie möglich mit dem reduzierten Angebot funktionieren könne. «Die grössten Änderungen werden Anfang nächster Woche umgesetzt», sagt Schärli. Zusammen mit dem starken Rückgang der Passagierzahlen gehe die SBB davon aus, dass auch mit reduziertem Angebot genügend Platz für die Kunden zur Verfügung stehen werde. «Es gilt der Grundsatz, dass die Länge der noch fahrenden Züge, wenn immer möglich nicht reduziert wird. Damit wird sichergestellt, dass das Social Distancing auch im ÖV eingehalten werden kann.»

Jedes Mal den Fahrplan online konsultieren

Die Grundversorgung sei gewährleistet, es werde jedoch zu Ausfällen, Verspätungen und Anschlussbrüchen kommen, sagt Valérie Gerl, Mediensprecherin von Postauto. «Die Transportunternehmen bitten die Reisenden daher, vor jeder Fahrt den Online-Fahrplan zu konsultieren: Es wird versucht, diesen jederzeit aktuell zu halten.» Eine so tief greifende Fahrplananpassung innert weniger Tage habe es bisher noch nie gegeben. «Alleine von Postauto sind über 30 Fachleute mit Hochdruck daran, einen komplett neuen Fahrplan für die eigenen über 900 Linien in enger Abstimmung mit den anderen Transportunternehmen zu erstellen», sagt Gerl.

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) ist gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen für die Umsetzung der Angebotsreduktion im Kanton Zürich zuständig. «Der öffentliche Verkehr bewegt sich von oben nach unten. Zuerst wird das nationale, dann das regionale und schliesslich das lokale Angebot angepasst», sagt Caspar Frey, Mediensprecher des ZVV. Der Verkehrsverbund koordiniert die Fahrpläne mit allen Verkehrsbetrieben im Grossraum Zürich. «Das ist eine sehr aufwendige und herausfordernde Aufgabe, vor allem weil es so kurzfristig ist.» Die Erstellung von Fahrplänen nehme im Nichtausnahmezustand mehrere Monate in Anspruch und berücksichtige auch die Anliegen der Gemeinden. Bei der Planung stütze man sich normalerweise auf das S-Bahn-Netz und stimme die Anschlüsse der Busse darauf ab. «Da wir so wenig Zeit haben, müssen die Verkehrsbetriebe den Bus-Fahrplan gleichzeitig erstellen. Das kann dazu führen, dass nicht alle Anschlüsse wie gehabt sichergestellt werden können», sagt Frey. Das Ziel sei aber, die Reiseketten möglichst aufrechtzuerhalten. «Für Personen, die den ÖV noch nutzen, muss er funktionieren. Wir wollen nicht, dass die Kunden lange warten müssen, weil sie einen Anschluss verpassen.» Das Wichtigste sei, die Unterbrüche so klein wie möglich zu halten.

Wie oft die Busse und S-Bahnen im Bezirk Dietikon noch fahren werden, kann der ZVV-Mediensprecher noch nicht sagen. Die Ausdünnung beginne heute erst national. Klar ist jedoch, dass die Züge und Busse des Regionalverkehrs, dort, wo Viertelstundentakt gilt, neu im Halbstundentakt verkehren, und dass sie dort, wo Halbstundentakt gilt, neu im Stundentakt fahren. Das sei der Grundsatz, sagt Frey. «Es kann aber auch Ausnahmen von dieser Regel für gewisse Strecken geben.»

Erste und letzte Verbindung des Tages bleibt bestehen

Die Limmattaler ÖV-Nutzer bekommen die Änderungen erstmals während der Nacht auf Samstag zu spüren. Das Nachtnetz wird vollkommen eingestellt. In Kürze muss zudem mit der Streichung der Zusatz-­S-Bahnen in den Stosszeiten gerechnet werden. Im Limmattal betrifft das die S19 (Koblenz–Pfäffikon ZH) und die S42 (Muri–Zürich HB). Festgehalten wird hingegen an den ersten und letzten Verbindungen des Tages.

Was die Massnahmen im ÖV für die Angestellten bedeuten, ist noch schwierig abzuschätzen. «Der Einsatzstab Corona-Virus der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) prüft im Moment Konzepte», teilt Ursula Heiniger vom Medienteam der VBZ mit. Die Limmat Bus AG fährt im Auftrag der VBZ und ist der grösste Anbieter von Buslinien im Bezirk Dietikon. «Bei der Erarbeitung von möglichen Massnahmen stehen die VBZ im Kontakt mit den Transportbeauftragten, also auch der Limmat Bus AG», sagt Heiniger. Es werde sich zeigen, welche Auswirkungen die Fahrplanänderung auf die Fahrerinnen und Fahrer habe.

Autor

Sibylle Egloff

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