Bericht von der Front

Praktikant Joël Decurtins darf seinen Militäreinsatz beenden – der Abschied stimmt ihn sogar etwas wehmütig

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Joël Decurtins kann nach zwei Monaten coronabedingtem Militäreinsatz wieder nach Hause. Abschied von der Kaserne nimmt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Nach zwei Monaten Militär mit nur gut einer Woche Urlaub zuhause kehrte ich gestern endgültig ins zivile Leben zurück. Ich und weitere Soldaten wurden aus dem Assistenzdienst entlassen und in Bereitschaft gestellt. Am Dienstag wurden wir darüber informiert, dass die nicht mehr im Einsatz ­­ stehenden Soldaten unseres Spitalbataillons nach Hause ­ gehen dürfen. Ich war vom frühen Zeitpunkt unserer Entlassung überrascht. Innerlich hatte ich mich darauf eingestellt, auch die nächsten Wochen in der Kaserne zu verbringen. So hatten es auch unsere direkten Vorgesetzten eingeschätzt. Ausserdem hatte ich kein Gesuch für eine vorzeitige Entlassung gestellt.

Auch wenn die Freude über den Entscheid überwog, stimmte mich der Abschied ein wenig wehmütig. Denn in den ersten Wochen des Dienstes, die wir ununterbrochen auf dem Kasernenareal verbringen mussten, sind tolle Freundschaften entstanden. Diese machten das Leben in unserem kleinen Militärkosmos auf lange Sicht hin erträglich. Viele Stunden des Abwartens haben wir mit gemeinsamem Joggen, Schachspielen, Serienmarathons und nächtlichen Spaziergängen verbracht. Hätten wir uns nicht so gut verstanden, wäre die Motivation in unserem fast durchgehend stickigen Elferzimmer wohl bald verloren gegangen.

Rückblickend bin ich froh, dass wir ins Militär eingezogen wurden, auch wenn es uns Soldaten in dieser Menge – vier ­ Spitalbataillons und mehrere Sanitätskompanien für die ganze Schweiz – wohl nicht gebraucht hätte. Aber zu Beginn dieser für alle neuen Situation war nicht absehbar, wie stark das Coronavirus das Schweizer Gesundheitssystem belasten würde. So hatten wir stets genügend personelle Ressourcen, um in Spitälern und Altersheimen auszuhelfen. Auch jetzt bleiben einige Soldaten im Einsatz, etwa zur Unterstützung des Spitals Frauenfeld.

Ich habe nächste Woche noch Ferien, die ich zufälligerweise schon vor meinem Einrücken so geplant hatte. Danach brauche ich sicher etwas Zeit, bis ich mich an den neuen Arbeitsalltag im mir noch unbekannten Homeoffice gewöhnt habe.

Autor

jf

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