Geroldswil

Pflanzentröge bremsen Rettungsdienst - Anwohnerin ist besorgt

Giovanna Tana wünscht sich, dass die Pflanzentröge auf der Schweizäckerstrasse in Oetwil durch eine elektrische Schranke ersetzt werden. Bild: Sibylle Egloff

Giovanna Tana wünscht sich, dass die Pflanzentröge auf der Schweizäckerstrasse in Oetwil durch eine elektrische Schranke ersetzt werden. Bild: Sibylle Egloff

Giovanna Tana aus Geroldswil verlangt, dass die Strassensperrung im Grenzgebiet zu Oetwil für Rettungsdienste geöffnet wird. Dies weil Google-Maps die Verbindung zwischen den beiden Gemeinden als befahrbar darstellt, was im Notfall problematisch ist.

Im Notfall zählt jede Minute. Das wissen Rettungsdienste nur zu gut. Mühsam wird es für sie, wenn ihnen Hindernisse den Weg zum Einsatzort versperren. An der Huebwiesen- und Schweizäckerstrasse im Grenzgebiet von Geroldswil und Oetwil ist das der Fall. Die Quartierstrassen enden in einer Sackgasse mit Wendeplatz. Um den Schleichverkehr zwischen den beiden Strassen zu verhindern, ist die Durchfahrt seit längerem mit Pflanzentrögen blockiert. In Navigationssystemen wie etwa Google-Maps wird die Verbindung zwischen den Gemeinden jedoch als befahrbar dargestellt. Im Notfall kann das zu unnötigem Zeitverlust führen.

Das hat Giovanna Tana, die an der Huebwiesenstrasse in Geroldswil ein paar hundert Meter neben der Strassensperrung wohnt, am eigenen Leib erfahren müssen, als ihr Sohn vor ein paar Jahren zu Hause verunfallte und sie die Ambulanz rief. «Der Krankenwagen kam mit Verspätung, weil er falsch abgebogen war», erinnert sich Tana. Überdies habe sie zweimal beobachten müssen, wie die Ambulanz auf der Huebwiesenstrasse wenden musste, weil es keinen Durchgang zum Einsatzort an der Schweizäckerstrasse gab.

Bauliche Massnahmen für freie Durchfahrt

An einer Informationsveranstaltung des kantonalen Tiefbauamts im Rahmen der Sanierung der Limmattalstrasse Anfang 2017 machte Tana den anwesenden Gemeinderat auf das Problem aufmerksam und bat ihn, gemeinsam mit den Oetwiler Behörden für bauliche Massnahmen zu sorgen, die Rettungsfahrzeugen und Blaulichtorganisationen eine freie Fahrt ermöglichen. Sie habe danach nichts mehr gehört und sich damit abgefunden, dass wohl nichts unternommen werde, sagt Tana. «Doch als ich vor kurzem erfuhr, dass sich die Ehefrau unseres Gemeindepräsidenten im Sommer mit Mühe und Not zu Fuss zum Krankenwagen begeben musste, der auf der falschen Seite der Strasse parkiert war, konnte ich nicht anders und habe beim Gemeinderat nachgefragt, was mit meinem Antrag geschehen ist.»

Dies tat Tana mit Hilfe einer Anfrage, in der sie sich über den Stand der Massnahmenplanung erkundigt. Die Antwort der Gemeinde erhielt die Geroldswilerin nun am Montagabend an der Gemeindeversammlung. Sie fällt negativ aus. Nicht, weil der Geroldswiler Gemeinderat das Problem nicht beheben will, sondern weil sich die Nachbargemeinde Oetwil querstellt.
Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) verriet, dass die Abteilung Bau und Werke die Situation geprüft und drei Varianten als Lösungsvorschläge erarbeitet habe. Um die temporäre Durchfahrt von Blaulichtorganisationen zu bewerkstelligen, kämen versenkbare Poller für rund 31000 Franken, eine ferngesteuerte Schranke für rund 20000 Franken oder zwei entfernbare Absperrungen für rund 8000 Franken infrage. Der Gemeinderat favorisierte die günstigste Variante, auch wenn die elektrische Schranke für die Sanität und Feuerwehr die idealere Lösung gewesen wäre. Die entfernbaren Pfosten hätten auf dem Geroldswiler Gemeindegebiet mit einer Einengung positioniert werden können. In einem Schreiben ersuchte der Gemeinderat die Oetwiler Kollegen um eine Kostenbeteiligung und bat darum, die Pflanzentröge an der Schweizäckerstrasse zu entfernen.

Oetwiler Gemeinderat sieht keinen Handlungsbedarf

Dieser Bitte will der Oetwiler Gemeinderat aber nicht nachkommen. Er sieht keinen Handlungsbedarf. Im Zuge der Abklärungen befragte er Blaulichtorganisationen wie die Kommunalpolizei rechtes Limmattal, die Kantonspolizei Zürich, den Rettungsdienst des Spitals Limmattal und die Feuerwehr Oetwil-Geroldswil. Dabei sei von den zwei letztgenannten eine Befürwortung der beantragten angepassten Strassensperrung entgegengenommen worden, währenddem sich die andere Hälfte dagegen respektive neutral geäussert habe, schreibt der Oetwiler Gemeinderat in seiner Antwort an die Geroldswiler Behörden.

Das Argument, dass die Strassensperrung unzureichend erfasst sei, relativiert er. Bei gängigen Navigationssystemen sei diese lückenlos und korrekt erfasst. Zudem erwähnt er, dass Bewohner äusserst kritisch gegenüber Veränderungen reagieren würden und die Strassensperrung seit 1973 existiere. Vandalismus und dass man mit dem weitverbreiteten 5000er-Universalschlüssel eine Absperrung leicht öffnen könnte, sind weitere Gründe für den Oetwiler Gemeinderat, die Situation so zu belassen wie sie ist.

Tana ist enttäuscht über die Reaktion der Oetwiler Behörden. «Mein Antrag wurde von ihnen mit nichtssagenden und irrelevanten Begründungen abgelehnt.» Nicht verstehen könne sie, dass von den vier befragten Blaulichtorganisationen die Polizei höher gewichtet würde als die Rettungsdienste. Von einer Aufhebung der Strassensperrung sei zudem niemals die Rede gewesen. «Mein Antrag bestand lediglich darin, eine für beide Gemeinden saubere Lösung zu finden, damit beide Strassen für Rettungsdienste unkompliziert zugänglich gemacht werden können.»

Mühe hat Tana auch mit den Argumenten bezüglich Vandalismus und der Abneigung der Bewohner gegen Veränderung. «Der Mensch gewöhnt sich an alles, vor allem, wenn es seiner Sicherheit dient.» Zudem habe sie nicht das Gefühl, dass sie in einer von Vandalen bevorzugten Gemeinde lebe. Einzig dass manche Navigationssysteme die Sperrung erkennen würden, könne sie nachvollziehen. Wobei: Google-Maps gehöre nach wie vor nicht dazu. Irrelevant findet Tana den Einwand bezüglich der Universalschlüssel. «Ich würde sowieso die zweite Variante, also eine ferngesteuerte Schranke, bevorzugen», sagt sie. Die sei zwar etwas teurer, würde aber pro Gemeinde nur 10000 Franken kosten. «Eine lächerliche Summe, wenn es um nötige Massnahmen geht, Schikanen zu modernisieren, die in einer Notsituation über Leben oder Tod eines Mitbürgers entscheiden.» Sie hofft, dass der Gemeinderat nochmals einen Anlauf nimmt und mit den Oetwilern zusammensitzt.

Dem Gemeinderat sind die Hände gebunden

Diesem Wunsch will Gemeindepräsident Michael Deplazes Folge leisten. «Wir werden im neuen Jahr nochmals das Gespräch mit Oetwil suchen», sagt er. Denn: Das Thema bewege die Geroldswilerinnen und Geroldswiler. Die Anpassung sei der Bevölkerung ein grosses Anliegen. Doch Deplazes sagt auch: «Wir können noch so viel unternehmen und die entfernbaren Pfosten auf Geroldswiler Boden bauen, wenn Oetwil nicht mitzieht und die Pflanzentröge auf ihrem Gemeindegebiet entfernt, sind uns die Hände gebunden.» Dass die Behörden in Oetwil diesbezüglich noch umzustimmen sind, scheint zweifelhaft. «Ich denke nicht, dass wir unsere Meinung noch ändern werden», sagt Gemeindepräsidentin Rahel von Planta (FDP). Es gebe keinen Grund dazu. «Wir konnten ermitteln, dass die Navigationssysteme die Anfahrt korrekt anzeigen. Daher erachten wir bauliche Massnahmen als nicht notwendig.»

Autor

Sibylle Egloff

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