Schlieren

Nach Parteiaustritt: Ist Stiefel den Freisinnigen zu weit links?

Über die Beweggründe für den Parteiaustritt Manuela Stiefels kann nur spekuliert werden.

Die Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Schlierens schweigt nach ihrem FDP-Austritt über die Hintergründe. Zu einem grossen Streit sei es nicht gekommen, versichern mehrere Exponenten der Partei. Doch habe Stiefel im Vergleich zur Fraktion weit links politisiert.

Sie gebe keine Interviews zu ihrem Austritt aus der FDP, da sie nicht zurückschaue. So lautete die Antwort der Schlieremer Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (parteilos) auf eine Interviewanfrage, nachdem sie kürzlich ihren Parteiaustritt bekannt gegeben hatte. Als Grund für ihren Austritt gab Stiefel an, dass ihr Engagement in den vergangenen Jahren zunehmend von wichtigen Exponenten der Ortspartei kritisiert und infrage gestellt worden sei. «Dies hat sich in den letzten Monaten akzentuiert und erfolgte in einer Form, die ich nicht mehr akzeptieren konnte», schrieb Stiefel am 20. September in einer Mitteilung (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Beim Blick zurück in die Debatten der vergangenen Monate im Schlieremer Parlament wird schnell klar, wo Stiefel aneckte. So wurden beispielsweise ihre Pläne, die städtischen Liegenschaften ans Glasfasernetz anzubinden, Anfang Juli zur Überarbeitung an ihr Ressort retourniert, da nach Ansicht der Rechnungsprüfungskommission das Gebot der Sparsamkeit verletzt werde.

Hauseigentümer lehnen sich gegen Abgaben auf

Kritik aus den eigenen Reihen erhielt Stiefel bei einem anderen Geschäft. Die Gewinnabgabe der Schlieremer Gasversorgung an die Stadt kam Ende August zwar mit klarem Resultat durch das Parlament, dennoch ist das Geschäft nicht im Trockenen. Bereits im Vorfeld zur Parlamentsdebatte kündigte der städtische Hauseigentümerverband (HEV) an, das Referendum zu ergreifen. Die Unterschriftensammlung laufe gut, sagen die Verantwortlichen auf Anfrage. In den nächsten Tagen sollten die 200 notwendigen Signaturen beisammen sein. Das Stimmvolk wird also das letzte Wort haben.

Peter Voser, ehemaliger Stadtpräsident der FDP und Präsident der Schlieremer Hauseigentümer, war bei diesem Geschäft Wortführer des HEV. Ist seine Kritik der Grund für Stiefels Bruch mit der Partei? «Ich habe keinen Hinweis darauf, dass dies der Grund sein könnte. Auch für mich kam ihr Parteiaustritt überraschend», sagt Voser auf Anfrage. Man sei zwar anderer Ansicht bezüglich des GasGeschäfts: «Doch dies muss erlaubt sein.» Das Referendum habe man gegen den Parlamentsentscheid ergriffen und nicht gegen einen Entscheid von Manuela Stiefel. «Nur weil wir unsere demokratischen Rechte wahrnehmen, tritt kein Stadtrat aus der Partei aus. Das kann ich mir auch in diesem Fall nicht vorstellen.»

Es gibt noch andere mögliche Erklärungen für die Spannung zwischen Stiefel und FDP. So sagt man hinter vorgehaltener Hand, dass Stiefel zu weit links politisiere. Sie sei mehr als Stadträtin denn als FDP-Mitglied aufgetreten, sagt eine Quelle, die nicht namentlich genannt werden will. Zudem werde parteiintern der Ruf nach einer Steuersenkung laut, ein Anliegen, gegen das sich Stiefel stets gewehrt habe. Mit dem Weggang Stiefels würde die Schlieremer Ortspartei nun eine bürgerlichere Prägung erfahren. Verständnislos reagieren mehrere FDP-Vertreter bezüglich der Begründung Stiefels, wonach eine inakzeptable Form der Kritik getätigt worden sei. «Wir diskutieren intern auf einem hohen Niveau, ohne Beleidigungen oder Fehlgriffe im Ton», sagt ein Exponent. Viele FDP-Parteimitglieder würden sich zudem fragen, welche die genauen Beweggründe für den Austritt waren.

Stiefel will sich nun mit Weitblick, Herzblut und Tatkraft für eine positive Entwicklung der Stadt einsetzen. Ohne eine Fraktion im Rücken wird dies sicher nicht einfacher. Ob sie einen Beitritt in eine andere Partei in Erwägung zieht, ist bislang nicht bekannt. In den Sozialen Medien kursiert jedoch ein gemeinsames Foto von Stiefel und Sonja Gehrig, Präsidentin der GLP-Bezirkspartei und Kantonsrätin, an der Einweihungsfeier der ersten Etappe der Limmattalbahn. Gehrig sagt auf Anfrage: «Es wurden aber keine Beitrittsgespräche geführt. Ich schätze sie jedoch als kompetente und engagierte Frau ein, die einen tollen Leistungsausweis vorweisen kann.»

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