Schlieren

Kampf gegen Neophyten: «Wir sind überrascht, wie interessiert die Bevölkerung ist»

Nathanael Gerber (rechts) nimmt den Sommerflieder von Richard Oesterreicher entgegen.

Nathanael Gerber (rechts) nimmt den Sommerflieder von Richard Oesterreicher entgegen.

Die Stadt Schlieren führte am Samstag zum ersten Mal einen Eintauschmarkt für invasive Neophyten durch. Die Aktion kam gut an. 35 Personen brachten Neophyten zum Eintauschen mit.

Gebietsfremde Pflanzen, sogenannte invasive Neophyten, richten in unserem Ökosystem grossen Schaden an und bedrohen die Lebensräume hiesiger Tiere. Deshalb wird der Kampf gegen deren Ausbreitung seit einiger Zeit intensiviert. In Schlieren etwa in Form eines Eintauschmarktes. Am Samstag konnten dort im Werkhof erstmals Neophyten gegen einheimische Pflanzen eingetauscht werden.

«Wir wollen mit diesem Anlass ein Zeichen setzen und die Bevölkerung für die Problematik sensibilisieren», sagte Nathanael Gerber, Bereichsleiter Grünunterhalt der Stadt Schlieren. Das Hauptproblem bestehe darin, dass sich die invasiven Neophyten wild vermehrten und dadurch einheimische Pflanzen verdrängten.

Einige Neophytenarten seien sogar für den Menschen gesundheitsschädlich und könnten bei Tieren zum Tode führen. Da es sich um gebietsfremde Pflanzen handle, hätten sie in der Regel kaum Fressfeinde. Deshalb könnten sie sich auch so stark ausbreiten. Ein solches Beispiel sei die nordamerikanische Goldrute.

35 Personen machten von der Aktion gebrauch

In den Schlieremer Werkhof wurden in erster Linie Kirschlorbeer, Berufkraut und Sommerflieder zum Eintauschen mitgebracht. Einen solchen Sommerflieder hatte der Schlieremer Richard Oesterreicher dabei. «Ich schaue regelmässig in meinem Garten, ob dort etwas wuchert. Es ist wichtig, dass unsere heimischen Pflanzen geschützt werden», sagte der 70-Jährige.

Neben Oesterreicher machten rund 35 weitere Personen von der Eintausch-Aktion gebrauch. Für ihre mitgebrachten Neophyten erhielten sie unter anderem Sanddorn, Rainfarn, Johanniskraut und Schafgarbe. «Wir sorgen für einen sinnvollen Tausch. Wer einen Neophyten bringt, erhält im Gegenzug je nach Standort und Bodenbedingungen eine passende Pflanze», so Gerber.

Die Bevölkerung soll weiter sensibilisiert werden

Die Neophyten wurden fachgerecht im Kehricht entsorgt, wobei darauf geachtet wurde, dass sich die Samen dabei nicht weiter verstreuten. Unterstützt wurde Gerber vom 33-jährigen Roland Risch. «Die Neophytenbekämpfung kennt man seit etwa 40 Jahren. Durch die Zunahme des globalen Güterverkehrs wurden immer mehr gebietsfremde Pflanzen absichtlich, als Nutz- oder Zierpflanze, oder unabsichtlich eingeführt», sagte Risch. Lange habe man sich jedoch nicht mit deren Einfluss auf das Ökosystem beschäftigt. Dies sei erst geschehen, als die Schäden immer stärker zum Vorschein traten. «Es ist darum wichtig, dass wir mehr Leute dazu bringen, bei der Bekämpfung mitzumachen», so Risch.

Mit der Premiere der Pflanzeneintausch-Aktion sind die Verantwortlichen zufrieden. «Wir sind wirklich überrascht, wie offen und interessiert die Bevölkerung ist und wie sie die Problematik mit den Neophyten erkennt», sagte Gerber. Dem stimmte auch der 29-jährige Matthias Mantschke zu. Auch er arbeitet bei Grünunterhalt Schlieren. «Das Ziel sollte sein, den Pflanzentausch jährlich durchzuführen, damit die Bevölkerung weiter sensibilisiert werden kann», hielt er fest.

Die Besucher werden von Neugierde gepackt

Wegen des gleichzeitig durchgeführten Gebrauchtwarentausches kamen neben den Neophyten-Entsorgern zahlreiche weitere Besucherinnen und Besucher im Werkhof vorbei. Auch sie liessen sich über die Neophyten-Problematik informieren. Zu ihnen gehörte Edith Baumann. «Ich finde die Arbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung gut und wichtig. Ich habe selbst einen Garten. Nun weiss ich über die Problematik Bescheid», sagte die 49-jährige Urdorferin.

Auch Marcel Burgherr, Bereichsleiter Abfuhrwesen der Stadt Schlieren und Verantwortlicher für den Gebrauchtwarentausch, zeigte sich mit dem Doppelanlass zufrieden: «Es sind erstaunlicherweise viele Leute vorbeigekommen, um entweder Pflanzen oder anderes zu tauschen. Die Stimmung ist entspannt und fröhlich.»

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Autor

Liana Soliman

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